US-Präsident Donald Trump lässt nicht locker bei seinen Drohungen, das zu Dänemark gehörende Grönland notfalls mit Gewalt zu annektieren. Nach Zeitungsberichten hat die Militärführung bereits den Auftrag, Pläne für eine Invasion Grönlands auszuarbeiten. Im Weißen Haus werden gleichzeitig Überlegungen für einen Kauf der riesigen Arktis-Insel durchgespielt. In dieser Lage unternimmt die Bundesregierung in Washington den Versuch, die US-Regierung von ihren Grönland-Plänen abzubringen – sie könnten, wird in Berlin befürchtet, das Ende der Nato bedeuten. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) warnten die Trump-Regierung in getrennten Gesprächen davor, Grönland zum Gebiet der USA zu erklären. Doch der US-Präsident reagiert auf die Mahnung kühl.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Klingbeil betonte in Washington bei einem internationalen Finanzministertreffen, zu dem US-Finanzminister Scott Bessent eingeladen hatte, dass Berlin auch von der US-Regierung die Achtung des Völkerrechts erwartet. „Unsere Solidarität ist völlig klar. Wir brauchen die staatliche Souveränität, die territoriale Integrität – dieses gemeinsame Signal  machen wir Europäer gegenüber der US-Administration immer wieder deutlich“, sagte Klingbeil. Er mache sich große Sorgen, dass die Differenzen mit den USA immer größer würden. „Wir wollen die Zusammenarbeit“, betonte der Finanzminister. Bei dem Treffen wurde auf Wunsch der US-Regierung über eine gemeinsame Strategie zur Sicherung Seltener Erden beraten, um die Abhängigkeit von China zu verringern. Die G7-Staaten hatten voriges Jahr die Absicht erklärt, neue Rohstoff-Fördergebiete weltweit zu erschließen – auch in Grönland mit seinen enormen Bodenschätzen, für deren Abbau aber riesige Investitionen nötig wären. Kann eine engere Zusammenarbeit bei diesem Thema die USA vom Äußersten abhalten? Klingbeil lobte das Treffen als konstruktiv und produktiv, Beschlüsse gab es nicht.

Lässt sich Trump mit größerem Nato-Engagement in der Arktis besänftigen?

Die Kooperationsstrategie verfolgte auch Außenminister Wadephul, als er am Montagabend deutscher Zeit mit US-Außenminister Marco Rubio zusammentraf und mit ihm über die Zukunft Grönlands sprach, aber ebenso über ein Ende des Ukraine-Krieges und die transatlantische Sicherheit. Auch Wadephul ermahnt die US-Regierung deutlich: „Was mit Grönland geschieht, das entscheiden die Grönländer“. Grönland gehöre unbestritten zum Königreich Dänemark, „genauso wie all die Inseln in der Ostsee“, sagt der Minister. Der europäische Zusammenhalt in dieser Frage sei völlig klar.

Noch gehört Grönland zu Dänemark. Doch die USA wollen die größte Insel der Erde unter ihre Kontrolle bringen.
Noch gehört Grönland zu Dänemark. Doch die USA wollen die größte Insel der Erde unter ihre Kontrolle bringen. © AP/dpa | Evgeniy Maloletka

Der Außenminister warb in Washington für das neue Angebot der Europäer, die Sicherheit der Arktis gemeinsam mit den USA zu stärken. Die Hoffnung der europäischen Nato-Staaten: Ein Bekenntnis zu größerem militärischen Engagement könne einen gewaltsamen Alleingang der USA verhindern. Nato-Diplomaten beraten bereits über eine Überwachungsmission „Arctic Sentry“ („Wächter der Arktis“), mit der die Sicherheitsinteressen Europas und Nordamerikas in der Arktis geschützt werden sollen, nachdem Russland und China ihre Aktivitäten dort Schritt für Schritt ausgeweitet haben. Wadephul hält dabei auch ein größeres Engagement Deutschlands für denkbar. Von seiner Indien-Reise meldete sich Kanzler Friedrich Merz (CDU) und versicherte, man teile die amerikanischen Besorgnisse, dass dieser Teil Dänemarks besser geschützt werden müsse – dies müsse aber im Nato-Rahmen geschehen.

Das Vorhaben ist indes nicht neu, es ist Teil beschlossener Verteidigungspläne der Allianz, wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Montag erinnerte. „Derzeit arbeiten wir an den nächsten Schritten, um sicherzustellen, dass wir gemeinsam schützen, was auf dem Spiel steht.“

Die USA sind aber ohnehin schon mit eigenen Soldaten auf Grönland präsent und haben die vertragliche Erlaubnis, weitere Militärbasen einzurichten. Eine Nato-Mission ist für die US-Regierung da wohl kein großer Gewinn. Trumps Ambitionen zielen ja auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der rohstoffreichen Insel. Er hat zudem vor einem Jahr versprochen, das Territorium der USA zu vergrößern. In der Bundesregierung heißt es deshalb, die Ankündigungen des Präsidenten würden sehr ernst genommen. Trump bestätigte die Einschätzung indirekt: Zu den Vorschlägen unter anderem aus Deutschland sagte Trump an Bord der Air Force One, das ändere nichts an seiner Einschätzung. 

Die US-Regierung erwägt, die Grönländer mit hohen Prämien zu locken

Seine Pläne sind offenbar weit gediehen. Im Weißen Haus wird bereits darüber beraten, die 56.000 Einwohner Grönlands mit dem Versprechen von Pauschalzahlungen an jeden Bürger für die Übernahme durch die USA zu gewinnen. Im Gespräch sollen Summen von 10.000 bis 100.000 US-Dollar pro Person sein, wenn sich die Grönländer in einem Referendum für die Loslösung von Dänemark und die Kontrolle durch die USA entscheiden.

Zu den Optionen der US-Regierung gehört auch, Grönland den Weg in die Unabhängigkeit zu ebnen und dann einen Assoziierungspakt abzuschließen, mit dem die USA für militärischen Schutz und wichtige Dienstleistungen garantieren würden. Doch offenbar wird auch eine militärische Option ernsthaft erwogen. Das Joint Special Operations Command (JSOC) der US-Armee soll nach Medienberichten Einsatzpläne erstellen. Wenn die USA nicht handelten, würden es Russland und China tun, warnt Trump. Er würde gerne einen Deal machen zum Erwerb der Insel. „Doch wenn wir es nicht auf die einfache Art und Weise tun, werden wir es auf die harte Art und Weise tun.“