Wer in Grönland Menschen sucht, die eine Lanze für US-Präsident Donald Trump brechen, kommt an Pele Broberg nicht vorbei. Der 53-Jährige ist Chef von Naleraq, der zweitgrößten Partei im grönländischen Parlament. „Sie müssen zugeben, dass Trump viel Gutes für den Unabhängigkeitskurs getan hat“, betont der Mann mit dem kurz geschnittenen dunklen Haar. Botschaft: Seit Trump 2019 in seiner ersten Amtszeit Ansprüche auf Grönland angemeldet hat, steht die rohstoffreiche Insel im Fokus der internationalen Politik. „Der US-Präsident hat die Grönländer ermutigt“, sagt Broberg im Interview mit dem kanadischen Fernsehsender CBC. Und er geht noch weiter: „Lasst die Grönländerinnen und Grönländer mit den USA reden – ohne Dänemark oder sonst jemanden.“

Die Worte Brobergs sind kein Wünsch-dir-was-Programm eines politischen Außenseiters. Seine Partei, die nationalistisch-populistische Naleraq, hat bei den grönländischen Parlamentswahlen im März 2025 überraschend 24,5 Prozent der Stimmen geholt. Sie ist die einzige Oppositionskraft in der Volksvertretung. Die Regierung besteht aus einer Vierparteienkoalition unter Premierminister Jens-Frederik Nielsen.
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Trump-Lager auf Grönland: „Naleraq will so schnell wie möglich Unabhängigkeit“
Broberg ist so etwas wie der Turbo-Politiker in der grönländischen Unabhängigkeitsbewegung. „Keine der Parlamentsparteien ist gegen die Unabhängigkeit. Uneinig ist man sich aber über das Wie und Wann“, sagte der Politik- und Kulturwissenschaftler Ebbe Volquardsen unserer Redaktion. Den Regierungsparteien schwebt vor, zuerst ein Konzept für eine größere wirtschaftliche Diversifizierung zu erstellen, das mehr Handel mit anderen Ländern über die ehemalige Kolonialmacht Dänemark hinaus ermöglicht. „Naleraq will als einzige Partei so schnell wie möglich die Unabhängigkeit Grönlands – und meint, der richtige Zeitpunkt sei jetzt gekommen“, so Volquardsen. Theoretisch könnte Grönland mit einem Referendum seine vollständige Loslösung von Dänemark in Gang setzen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Amerikaner wären eigentlich prädestiniert, den Wunsch der Grönländer nach einer ökonomischen Öffnung zu erfüllen. Doch Trumps Drohungen, die Insel zu besetzen, annektieren oder Dänemark abzukaufen, hat offenbar die Stimmung getrübt. „Die Mehrheit fühlt sich vom harschen Vorgehen der Trump-Regierung bei Meinungsfreiheit, Bürgerrechten oder Rechten von Minderheiten abgestoßen“, unterstreicht Volquardsen, der zehn Jahre an der Universität Grönlands in der Hauptstadt Nuuk lehrte. Laut Umfragen lehnen es 85 Prozent der Grönländer ab, Amerikaner zu werden.
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Wunden der Vergangenheit schmerzen
Die Beziehungen zwischen Grönland und Dänemark sind kompliziert. Die 57.000 Einwohner zählende Insel in der Arktis war im 18. Jahrhundert von Dänemark kolonisiert worden und hat seit 1979 einen Autonomiestatus, der 2009 erweitert wurde. Die Insel ist auf die finanzielle Unterstützung aus Kopenhagen angewiesen, aber viele Grönländer fühlen sich von ihrer einstigen Kolonialmacht nicht wertgeschätzt. Zudem schmerzen immer noch die Wunden der Vergangenheit. So war in den 1960er- und 1970er-Jahren Tausenden Grönländerinnen gegen ihren Willen eine Spirale eingesetzt worden. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen entschuldigte sich im September offiziell für diese Geburtenkontroll-Kampagne.
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Pele Broberg und seine Naleraq reiten auf dieser Welle. Sie scheuen sich nicht, Trump zu umwerben. „Naleraq ist die einzige Partei, die Kontakte zu den Amerikanern nicht nur gesucht hat, sondern auch knüpfen konnte“, erläutert der Grönlandexperte Volquardsen. „Ihre Rhetorik, ursprünglich links-antiimperialistisch, hat sich in erstaunlicherweise der des Trump-Lagers angenähert. Böse Zungen sagen sogar, Naleraq sei inzwischen der grönländische Flügel der „Make-America-Great-Again“(MAGA)-Bewegung.“
Grönland: Trump-Administration will Bevölkerung ködern
Das Trump-Lager wiederum hat früh versucht, die Grönländer zu ködern. So hatte der Präsidentensohn Donald Trump Jr. im Januar 2025 die Insel besucht, MAGA-Mützen und US-Fähnchen verteilt und laut dänischen Medien auch Obdachlose zu Essen eingeladen. Dabei wurden Videos inszeniert, die Trump-freundliche Grönländer zeigen sollten. Im Mai hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, dass die US-Regierung ihre Geheimdienste aufgefordert habe, herauszufinden, wie die Grönländer und die Dänen zum Abbau von Rohstoffen auf der Insel durch die USA stehen.
Mit Spannung blickt die Welt auf den Dänemark-Besuch von US-Außenminister Marco Rubio in der kommenden Woche. Es soll Gespräche mit dänischen und grönländischen Politikern geben. „Denkbar ist, dass die Amerikaner den Grönländern einen Assoziierungsvertrag anbieten, wie er zwischen den USA und den pazifischen Inselstaaten Palau, Mikronesien und Marshallinseln besteht“, sagt Volquardsen. Grönland wäre nach einem derartigen Abkommen souverän, aber in der Außen- und Sicherheitspolitik an die USA gebunden. Amerika würde Finanzhilfe leisten, investieren und könnte dafür militärische Stützpunkte ausbauen und hätte Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen. „In Grönland ist ein derartiges Modell seit 30 Jahren Thema. Die Idee war, dies am Ende eines langsamen Loslösungsprozesses mit Dänemark zu machen, aber die dänische Regierung hat das immer brüsk zurückgewiesen“, so Volquardsen.
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Die dänische Ministerpräsidentin bemüht sich zwar in letzter Zeit, den grönländischen Premier Nielsen zu hofieren. Aber möglicherweise kommt die Charmeoffensive zu spät. „Die Gefahr besteht jetzt, dass die Amerikaner ein auf den ersten Blick verlockendes Angebot machen, das aber später neue Abhängigkeiten schafft, die stärker sind als die jetzigen Bande mit Dänemark“, meint der Grönland-Spezialist Volquardsen.









