Nur zwei Tage nach seiner sensationellen Entführung in Caracas schlug für den gestürzten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro die Stunde der Wahrheit. Gekleidet im orangefarbenen Gefängnis-Overall, saßen ein übermüdeter und sichtlich mitgenommener Maduro und seine Frau Cilia Flores in einem New Yorker Gerichtssaal vor Bundesrichter Alvin Hellerstein. Kurz nach 12 Uhr mittags begann das Verfahren.

Flores und Maduro lauschten aufmerksam, als Hellerstein protokollarische Formalitäten absolvierte. „Heißen Sie Nicolás Maduro?“, wollte der Richter die erste Frage abhaken. Doch anstelle des gewünschten „Ja“ oder „Nein“ verfiel der Angeklagte in einen Monolog. „Ich bin Nicolás Maduro, der Präsident Venezuelas. Ich wurde aus meinem Privathaus in Caracas entführt“, antwortete der empörte Häftling. Darüber, ob er tatsächlich als Präsident anzusehen sei, wolle er jetzt nicht reden, konterte Hellerstein. „Beantworten Sie einfach meine Frage.“ Wiederholt fiel er dem Angeklagten ins Wort, der sich partout nicht an das strikte Drehbuch des Gerichts halten wollte.

Flores und Maduro bekennen sich „nicht schuldig“
Dann kam es zur Verlesung der vier Anklagepunkte. Vorgeworfen wird dem gefallenen Diktator die Zusammenarbeit mit narco-terroristischen Organisationen in Venezuela, Kolumbien und Mexiko. Auch soll er jedes Jahr für den Schmuggel von 200 bis 250 Tonnen Kokain in die USA verantwortlich gewesen sein. Dazu kommen zwei weitere Anklagen wegen illegalen Waffenhandels. Mit Nachdruck ließen Maduro und seine Frau das Gericht wissen, dass sie ein Bekenntnis von „nicht schuldig“ ablegen. Diese Überzeugung könnte aber nach dem Prozess, mit dessen Beginn frühestens im Sommer zu rechnen ist, einer nüchternen und harten Realität weichen. Denn im Falle einer Verurteilung droht eine Gefängnisstrafe von mindestens 30 Jahren. Auch könnte Hellerstein entscheiden, nach einem Schuldspruch die Maduros nie wieder auf freien Fuß zu lassen.
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Einer der wichtigsten Akteure in dem Prozess wird neben den Hauptangeklagten Richter Hellerstein sein. Der angesehene Jurist, der dieses Jahr seinen 93. Geburtstag feiern wird, leitet seit fast 30 Jahren das Gericht im Süden Manhattans. Ernannt hatte ihn der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. Wie der frühere Staatsanwalt Elie Hoenig sagte, „habe ich schon mehrere Prozesse unter Hellersteins Vorsitz geführt. Er ist ein harter, aber ausgewogener, unparteiischer und fairer Richter“. Im Rampenlicht wird auch Star-Anwalt Barry Pollack stehen, der Maduro verteidigen wird. Pollack hat vor Gericht unter anderem die Interessen von Wikileaks-Gründer Julian Assange wahrgenommen. Zudem wird der texanische Strafverteidiger Mark Donnelly eine prominente Rolle spielen, der Cilia Flores vertreten wird.
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Auslieferung sollte Prozess in New York garantieren
Vorausgegangen war der formalen Anklage eine sorgfältig und präzise inszenierte Auslieferung, die das Endziel hatte, den früheren Diktator und seine Frau, deren Sohn sowie drei weitere Männer im „Südlichen Distrikt von New York“ zur Verantwortung zu ziehen. Deswegen sorgte das Justizministerium dafür, dass die Regierungsmaschine mit den prominenten Häftlingen an Bord auf dem Militärstützpunkt Stewart Air National Guard Base in Newburgh, New York, landet. Nach amerikanischem Recht hat nämlich der Gerichtsbezirk, in dem ein ausländischer Sträfling das erste Mal ins Land reist, die Zuständigkeit für dessen Prozess.
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Die Motivation, die sich dahinter verbarg, war naheliegend. Denn der zuständige Staatsanwalt Jay Clayton und seine Vorgänger haben Jahrzehnte an Erfahrung bei der Verurteilung mächtiger Drogen- und Mafia-Bosse, Terroristen und korrupter Politiker. Unter anderem musste sich in Süd-Manhattan der frühere honduranische Präsident Juan Orlando Hernandez der Justiz stellen. Er wurde nach seinem Schuldspruch im Juni vorletzten Jahres zu 45 Jahren hinter Gittern verurteilt. Das wiederum verleiht dem laufenden Verfahren gegen Maduro eine ironische Fußnote: Obwohl die Vorwürfe gegen Hernandez und die Anklagepunkte gegen den venezolanischen Diktator fast deckungsgleich sind, entschied US-Präsident Donald Trump vor wenigen Wochen, den früheren Diktator aus dem zentralamerikanischen Land zu begnadigen.







