Sie ist eine selbsterklärte „Feindin des US-Imperiums“: Delcy Rodríguez ist nach dem Sturz von Nicolás Maduro Präsidentin von Venezuela. Bislang war sie Vize von Maduro, der vor wenigen Tagen durch das US-Militär festgenommen worden ist. Jetzt übernimmt Rodríguez als Übergangspräsidentin das Zepter. Am Montag wurde sie als geschäftsführende Präsidentin vereidigt. Wer ist die umstrittene Frau?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Rodríguez wurde am 18. Mai 1969 unter dem vollen Namen Delcy Eloína Rodríguez Gómez geboren – in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Die heute 56-Jährige entstammt einer politischen Familie: Ihr Vater Jorge Antonio Rodríguez war in den 1960er-Jahren marxistischer Guerillakämpfer.
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Delcy Rodríguez verdankt Maduro und Chávez ihre Karriere
Rodríguez‘ Vater starb im Jahr 1976 unter umstrittenen Umständen in Polizeigewahrsam während der demokratischen Präsidentschaft von Carlos Andrés Pérez, nachdem er im Kontext der Entführung eines hochrangigen US-Managers festgenommen worden war. Dass er nach seinem Tod zu einem Märtyrer der Linken in Venezuela wurde, prägte auch seine Kinder.
Delcy Rodríguez studierte Jura und ging 2003 in die Politik; vier Jahre, nachdem der Ex-Putschist Hugo Chávez zum Präsidenten wurde. Ihm – und Nicolás Maduro – verdankt Rodríguez ihre politische Karriere. Auch ihr Bruder Jorge Rodríguez ging in die Politik, derzeit ist er Minister für Kommunikation und Information. Unter Chávez war er ab 2007 ein Jahr lang Vizepräsident. Die Geschwister sind politische Hardliner an der Seite Maduros. Sie verfolgen einen konservativen Kurs und haben des Öfteren die USA beschimpft, etwa als „Imperium“.
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Enge Vertraute von Nicolás Maduro: Diese Erfahrung bringt Delcy Rodríguez mit
Einer der Spitznamen von Delcy Rodríguez lautet im Spanischen „La Tigresa“, die „Tigerin“. Das soll nicht nur auf ihre scharfe Rhetorik anspielen, sondern auch auf ihre starke Loyalität zum linksnationalistischen Staatschef Nicolás Maduro hinweisen. Seitdem er 2013 Staatspräsident von Venezuela wurde, gilt Rodríguez als eine seiner engsten Vertrauten. Maduro ernannte sie 2018 zu seiner Stellvertreterin.
Zuvor war die Juristin als Außenministerin (2014-2017) und Wirtschaftsministerin aktiv, arbeitete im Ministerium für Kommunikation und Information sowie als Geheimdienstchefin. Unter Unternehmern galt sie als dialogbereit und pragmatisch. Sie pflegte eine enge Beziehung zum wichtigsten venezolanischen Wirtschaftsverband Fedecámaras. Außerdem führte Rodríguez ein bedeutendes Schlüsselministerium Venezuelas an: das Ölministerium. 2017 leitete die Juristin die verfassungsgebende Versammlung, bei der Maduros Macht erheblich erweitert wurde.

Delcy Rodríguez: Wie die „Tigerin“ zu Donald Trump steht
„In den letzten Jahren hat Delcy Rodríguez enorm viel Macht angehäuft, teilweise sogar mehr als Maduro“, sagte die venezolanische Journalistin Virginia Linares, die seit Jahren in Spanien lebt und Dozentin der Universidad Complutense in Madrid (UCM) ist, dem spanischen TV-Sender RTVE. Anders als Maduro und einige chavistische Spitzenpolitiker stehen Delcy Rodríguez und ihr Bruder nicht auf der Fahndungsliste der US-Drogenbehörde DEA.
Entgegen ihrer früheren Aussagen schlägt Rodríguez seit der Entführung Maduros gemäßigtere Töne in Richtung der USA an, gibt sich verhandlungsbereit. Sie dringt auf eine „ausgewogene und respektvolle“ Beziehung zwischen den USA und Venezuela. „Wir laden die US-Regierung dazu ein, gemeinsam an einem Programm für die Zusammenarbeit zu arbeiten“, erklärte die Interimspräsidentin am Montag im Onlinedienst Telegram.
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Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Rodríguez in einem Interview mit der Zeitschrift „The Atlantic“ gedroht. „Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen, wahrscheinlich höher als Maduro“, zitiert ihn die Zeitschrift.
Wie es in Venezuela langfristig weitergeht, ist offen. Die US-Administration lässt derzeit keine Eile bei der Machtübergabe und bei Neuwahlen walten – und akzeptiert mit Rodríguez eine Übergangspräsidentin, die in ihrem Machtstreben und ihrer Ideologie aus dem gleichen Holz geschnitzt ist wie Nicolás Maduro.
mit dpa










