Die Bundesrepublik Deutschland, wie wir sie heute kennen, gäbe es ohne ihn wohl nicht: Nur sehr wenige Politiker haben ihr Land so geprägt wie Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler. Die strikte Westbindung der Bundesrepublik und die Wiederbewaffnung des erst zehn Jahre zuvor im Zweiten Weltkrieg vernichtend geschlagenen Deutschland sind zwei entscheidende Wegmarken, die untrennbar mit dem vor 150 Jahren geborenen Rheinländer verbunden sind.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es liegt eine gewisse Ironie der Geschichte in der Tatsache, dass gerade heute die von Adenauer begründete enge Verbundenheit der Bundesrepublik mit den Vereinigten Staaten als eine Grundlage des (west-)deutschen Staatswesens infrage steht. Und dass ein bekennender Erbe Adenauers als Kanzler und CDU-Vorsitzender, Friedrich Merz, diese Neuorientierung bewältigen muss. Dazu gehört auch, dass nun die Bundeswehr erstmals seit ihrer Gründung vor 70 Jahren ernsthaft kriegstüchtig gemacht werden soll. Zu Adenauers Zeiten wäre sie allenfalls eine Hilfstruppe der US-Armee bei einem möglichen militärischen Konflikt mit der Sowjetunion auf deutschem Boden gewesen. 

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#29 Norbert Lammert über die AfD, Julia Klöckner und Herbert Grönemeyer
Meine schwerste Entscheidung
 

Konrad Adenauer war ein strikter Gegner der NSDAP – und wollte sie dennoch in der Regierung

Es ist interessant, dass ein weiteres Thema, mit dem Adenauer in den Jahren vor und nach der Naziherrschaft befasst war, heute wieder eine Rolle spielt: der Umgang von Demokraten mit Rechtsextremisten. In der für die CDU/CSU prekären Frage, ob sie im Zweifel mit der AfD zusammenarbeiten und regieren sollte, hätte er für ein klares Ja plädiert.

Konrad Adenauer bei der Unterzeichnung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949
Konrad Adenauer bei der Unterzeichnung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 genau um 17 Uhr in Bonn.© picture alliance | AP

In einem Schreiben vom 6. August 1932 stellte der damalige Kölner Oberbürgermeister fest: „Die Zentrumspartei verlangt dringend den Eintritt der Nationalsozialisten in die Reichsregierung. Sie wird bereit sein, alsdann diese Regierung zu tolerieren.“ Adenauers von führenden Parteifreunden geteiltes Ziel war es, die Nationalsozialisten durch Einbindung zu „zähmen“, wie es heute manche Unionspolitiker mit Blick auf die AfD ebenfalls vertreten.  

Adenauer machte einen Mitverfasser der Rassegesetze zum Kanzleramtschef

Dabei gab es an der politischen Gegnerschaft Adenauers zu den Nazis keinen Zweifel. Als er im März 1933 von ihnen gezwungen wurde, seinen Posten als Oberbürgermeister aufzugeben, kehrte er am Abend seines letzten Amtstages ein letztes Mal in sein Büro zurück, schloss das Rathaus hinter sich ab und steckte den Schlüssel ein: Er wollte ihn keinesfalls seinem Nachfolger von der NSDAP übergeben.

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Nach Gründung der Bundesrepublik kehrte das Thema Umgang mit den (Alt-)Nazis für ihn zurück. In seiner Regierung und ihrem Beamtenapparat waren zahlreiche ehemalige Mitglieder der Nazipartei tätig. Der bekannteste war der Jurist Hans Globke, ein Mitverfasser der antijüdischen Rassengesetze des Hitler-Regimes. Adenauer berief Globke zum Chef seines Kanzleramts, eine absolute Vertrauensstellung.  

Mit der ihm eigenen Sturheit ignorierte er die Proteste gegen diese Verbindung. Ihm ging es darum, die Sachkenntnis von Leuten wie Globke zu nutzen und er folgte der Prämisse, dass es im Nachkriegsdeutschland weniger um Vergangenheitsbewältigung als darum gehen müsse, gemeinsam nach vorn zu schauen, wie er oft formulierte. Die Bundesbürger folgten ihm mit großer Zustimmung. Er war der einzige Kanzler, der eine absolute Mehrheit erzielte: 1957 stimmten 50,2 Prozent der Wähler für die CDU/CSU. Er blieb bis 1963 im Amt.