Maria Kolesnikowa, die Ikone der Massenproteste 2020 in Belarus, ist frei! Die gute Nachricht: Sie scheint gesund zu sein. Zwischenzeitlich waren ihre Freunde und Angehörigen in großer Sorge gewesen. Monatelang gab es kein Lebenszeichen von ihr, eingesperrt im Straflager Nummer 4 in der belarussischen Stadt Gomel.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Maria Kolesnikowa war schwer krank. Sie wiege nur noch 45 Kilo, schrieb 2023 ihre Schwester Tatjana Chomitsch. Nach einer Operation wegen eines Magengeschwürs musste Maria eine Spezialdiät einhalten, die sie im Straflager nicht bekam. „Die Informationen, die wir über Maria Kolesnikowa von ihren Mitgefangenen erhalten, sind alarmierend“, erklärte damals Swetlana Tichanowskaja, die im Exil lebende belarussische Oppositionsführerin. Dann, im November 2024, durfte Kolesnikowas Vater seine Tochter im Straflager besuchen. Spekulationen über ihre Freilassung machten schon damals die Runde.

Insgesamt ließ der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko am Samstag 123 politische Gefangene frei. Neben Maria Kolesnikowa auch prominente Oppositionelle wie Viktor Babariko, Maxim Snak und den Friedensnobelpreisträger Ales Beljazki. Die belarussische Opposition im Exil sprach von „unglaublichen Neuigkeiten“, Kolesnikowa von „großem Glück“. Dennoch denke sie an die über 1.000 politischen Gefangenen, die noch in Haft sind. „Ich sehne den Moment herbei, dass wir uns alle umarmen können“, wünschte sie sich in einem auf Babarikos Telegram-Kanal veröffentlichten Video. In der litauischen Hauptstadt Vilnius sagte ihre Schwester, dass sie Maria erwarte. Sie habe ihr gesagt, dass sie US-Präsident Trump und allen an der Befreiung Beteiligten dankbar sei.
Belarus: Für Lukaschenko ist die Opposition keine Gefahr mehr
Eine humanitäre Geste von Machthaber Lukaschenko? Mitnichten. Die Freilassung war ein Deal mit den USA. Ausgehandelt in Geheimgesprächen zwischen Lukaschenko und Trumps Sondergesandten John Coale. Der Preis: Aufhebung der US-Sanktionen gegen die Kali-Hersteller in Belarus. Düngemittel sind das einzig wirklich bedeutende Exportprodukt des Landes – und die USA brauchen viel davon.
Die meisten der Freigelassenen wurden per Bus in die Ukraine gebracht, nicht nach Litauen, wo Freunde und Angehörigen warteten. Auch dies ist Kalkül. Natürlich dankte auch ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den USA für ihre aktive Rolle. Ein perfekter Aufgalopp für den US-Sondergesandten Steve Witkoff, der in Berlin Selenskyj, Bundeskanzler Merz und andere europäische Politiker treffen wird. Anzunehmen ist, dass Lukaschenkos „humanitäre Geste“ – und vor allem ihr Zeitpunkt – mit Kremlchef Wladimir Putin abgestimmt war.
Für Machthaber Lukaschenko ist die Opposition im Land heute keine Gefahr mehr – die Aufhebung von Sanktionen war ihm wichtiger. Nach ihrer Freilassung umarmte Maria Kolesnikowa ihren ehemaligen Chef, den Banker Viktor Babariko. Dieser wollte bei der Präsidentschaftswahl 2020 gegen Lukaschenko antreten, Maria war seine Wahlkampfmanagerin. Der belarussische Machthaber warf ihn ins Gefängnis, Swetlana Tichanowskaja trat zur Wahl an, unterstützt von Maria Kolesnikowa. Ein Foto ging damals um die Welt: Maria formt mit ihren Händen ein Herz. Jetzt konnte sie ihr Herz wieder zeigen. Im Bus in Richtung Freiheit.




