Es gibt wohl kaum ein politisches Thema, das in den Familien so stark diskutiert wird wie die Wehrpflicht. Das ist auch verständlich, denn die Vorstellung, Teil einer Bundeswehr zu sein, die in der Lage ist, im Ernstfall Deutschland zu verteidigen, löst bei Jugendlichen wie Eltern große Gefühle aus – ob es nun Angst ist, Abneigung oder vielleicht auch Stolz. Denn was der Ernstfall bedeutet, legt seit dreieinhalb Jahren jeden Tag aufs Neue der brutale russische Angriffskrieg offen, gegen den sich die Ukraine stemmt.

Die Jugend weiß längst, was auf dem Spiel steht. Dass die Kriegsgefahr auch in Deutschland zunimmt, dass durch den Klimawandel Naturkatastrophen wahrscheinlicher werden, dass die wirtschaftliche Stabilität ebenso ungewiss ist wie die Zukunft der Altersvorsorge. Und bei all diesen Punkten ist wohl den meisten jungen Menschen auch bewusst, dass sie von den meisten politischen Entscheidungen direkt betroffen sind – und dass es auf sie ankommt.
Die psychischen Belastungen sind längst bei Jugendlichen angekommen. Wer fängt sie auf?
Wenn wir wollen, dass die Jugend Verantwortung übernimmt – sei es durch einen Wehrdienst, Zivildienst, ein soziales Jahr oder anderes besonderes Engagement –, dann muss sie durch Befragungen und Beteiligungen einbezogen werden. Aber damit ist es nicht getan. Denn die Frage ist doch: Wie geht es den Jungen und Mädchen eigentlich angesichts der immer bedrohlicher werdenden Weltlage? Jugendliche brauchen verlässliche Ansprechpartner in den Schulen, die auch Ängste und Sorgen auffangen. Denn wie soll ein Teenager motiviert sein, sich für die Gesellschaft einzusetzen, wenn auf die psychischen Belastungen niemand Rücksicht nimmt und stattdessen einfach entschieden wird?
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Dabei geht es auch um unsere Demokratie. Erst in der vergangenen Woche legte eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung offen, dass die Mitte unserer Gesellschaft bröckelt. Immer mehr Menschen verlieren ihr Vertrauen in unser politisches System. Besonders stark ist der Effekt bei den Jungen. Zugleich zeigen Wahlergebnisse und aktuelle Studien, dass junge Menschen mehr als ältere dazu neigen, sich von rechts- wie linksextremen Strömungen einfangen zu lassen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Hören wir auf diesen Warnruf, bevor es zu spät ist. Denn eines ist auch klar: Ohne die Jungen hat die Demokratie, hat unsere freie Gesellschaft keine Zukunft.





