Mit zunehmendem Alter soll der Mensch ja milder werden. Manch einer stellt auch frühere Überzeugungen auf den Prüfstand oder revidiert diese sogar. Ob Microsoft-Milliardär Bill Gates, der am heutigen Dienstag seinen 70. Geburtstag feiert, in diese Kategorie fällt, kann nach seinen jüngsten Äußerungen zumindest nicht mehr ganz abgestritten werden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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In seinem persönlichen Blog „Gates Notes“ finden sich aktuell einige Aussagen, die auf einen Kurswechsel hinsichtlich seiner Überzeugungen zum menschengemachten Klimawandel hindeuten. „Obwohl der Klimawandel ernste Folgen haben wird – insbesondere für die Menschen in den ärmsten Ländern –, wird er nicht den Untergang der Menschheit bedeuten“, schreibt Gates und dürfte mit diesem Satz alle Aktivistinnen von „Fridays for Future“ samt Luisa Neubauer ins Mark treffen. Der Klimawandel sei ernst, aber „kein Weltuntergang“, so Gates, der vor einigen Monaten Mitarbeiter seiner Klimainitiative Breakthrough Energy entlassen hatte.
Gates will menschliches Wohlergehen ins Zentrum der Klimastrategie stellen
Bis vor Kurzem klang der Autor des Sachbuchs „Wir wir die Klimakatastrophe verhindern“ noch etwas anders. In seinem Blogeintrag fordert Gates nun, sich nicht mehr verbissen auf den Kampf gegen steigende Temperaturen zu fokussieren. „Wir müssen weiterhin die Durchbrüche unterstützen, die der Welt helfen werden, Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Aber wir dürfen dafür keine Mittel für Gesundheits- und Entwicklungsprogramme kürzen – Programme, die Menschen helfen, widerstandsfähig gegenüber den Folgen des Klimawandels zu bleiben“, so Gates. Es sei „an der Zeit ist, das menschliche Wohlergehen ins Zentrum unserer Klimastrategien zu stellen“.
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Gates‘ neue Einschätzung der Klima-Problematik kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Vom 10. bis 21. November findet im brasilianischen Belém die UN-Klimakonferenz COP30 statt, bei der die Länder auch ihre nationalen Klimazusagen präsentieren sollen. Gates plädiert dafür, die Landwirtschaft sowie die Gesundheitsversorgung in armen Ländern zu verbessern. Diese Bereiche seien wichtiger als eine Art obsessive Beschäftigung mit der globalen Erwärmung. Wenn er die Wahl hätte zwischen der Ausrottung von Malaria und einer zusätzlichen Erwärmung um ein Zehntel Grad, würde er die Temperatur um 0,1 Grad steigen lassen, um Malaria zu besiegen, schrieb Gates.
Gates‘ Aussagen zu Klimawandel: Experten rätseln über Motiv
Der Microsoft-Mitbegründer ist sich in seinem Blogeintrag darüber im Klaren, dass seine Aussagen nicht jedem gefallen dürften. Das Echo fiel dann auch geteilt aus. Jeffrey Sachs etwa, Direktor des Zentrums für nachhaltige Entwicklung an der Columbia University, bezeichnete Gates’ Aussagen als „sinnlos, vage, wenig hilfreich und verwirrend“. Es gebe keinen Grund, Armutsbekämpfung und Klimawandel gegeneinander auszuspielen.
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Derweil spekulieren Politikexperten darüber, was Gates bei seiner Neupositionierung geritten haben könnte. David Callahan, Herausgeber von Inside Philanthropy, sagte im Gespräch mit der „New York Times“, Gates‘ Bestreben könnte dahin gehen, sich als klimapolitisch gemäßigter zu positionieren, um nicht ins Visier der Trump-Administration zu geraten, die Maßnahmen für mehr Klimaschutz kategorisch ablehnt und bereits zurückgefahren hat.
Gates hatte im Kampf um die US-Präsidentschaft Trumps Gegnerin Kamala Harris mit Spenden in Höhe von 50 Millionen Dollar unterstützt. Nach Trumps Amtsübernahme näherte sich der Microsoft-Mitbegründer dem neuen Präsidenten aber wenigstens verbal an, zeigte sich gar „beeindruckt“ von ihm und war auch bei mehreren Abendessen mit wichtigen Vertretern aus der Wirtschaft im Weißen Haus präsent.









