Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Ein kriegslüsterner Machthaber in Moskau, ein irrlichternder Präsident in Washington: Wenn irgendetwas ein radikales und risikoreiches Vorgehen der Europäer rechtfertig, dann ja wohl das. Die Europäische Union jedenfalls ist drauf und dran, etwas zu tun, was vor wenigen Monaten noch undenkbar erschien.

Sie will im großen Stil eingefrorene russische Vermögenswerte zugunsten der Ukraine mobilisieren und auf diese Weise Kreml-Herrscher Wladimir Putin für die Verteidigung jenes Landes zahlen lassen, das er selbst überfallen hat. Es geht um 140 Milliarden Euro, die der russischen Zentralbank gehören. Am Donnerstag diskutierte der EU-Gipfel in Brüssel über diese Pläne und es ist anzunehmen, dass sie in den kommenden Wochen weiter vorangetrieben werden.
Ukraine-Hilfen: Wahrscheinlich werden die Europäer am Ende zahlen
Noch sind viele technische und rechtliche Fragen zu klären. Wenn dies gelingt und alle Mitglieder mitziehen, wird man sagen können: Die Europäer wachsen über sich selbst hinaus und gehen in Sachen Ukraine-Unterstützung wirklich in die Vollen. Von den USA ist hier nicht mehr viel zu erwarten.

Die Risiken sind erheblich. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die EU-Staaten selbst eines Tages die Rechnung zahlen müssen und Russland seinerseits mit der Konfiszierung europäischer Vermögenswerte reagiert. Man muss auch damit rechnen, dass sich Staaten wie etwa China fortan die Frage stellen werden, ob das eigene Geld in Europa tatsächlich sicher angelegt ist.

All diese Einwände schieben die EU-Staaten jetzt womöglich zur Seite. Es geht darum, die Ukraine in ihrem Abwehrkampf finanziell über Wasser zu halten – koste es, was es wolle. Das ist nicht schön, aber notwendig. Allen sollte klar sein: Nichtstun würde auf mittlere und längere Sicht viel teurer kommen.



