Nach einem Herzinfarkt im Juli fordert Linke-Fraktionschef Sören Pellmann einen offeneren Umgang mit Stress und Belastung in der Politik. „Viele Abgeordnete denken, das betreffe sie nicht. Krankheit ist in der Politik wie in der Gesellschaft ein Tabu, ob psychisch oder organisch, Abhängigkeit erst recht“, sagte Pellmann der „Welt“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Er selbst habe etwa lange überlegt, ob er öffentlich über seinen Herzinfarkt spreche. „Im Büro gab es andere Meinungen: Du zeigst damit Schwäche, du wirkst nicht belastbar, der politische Gegner könnte das ausnutzen“, sagte der Bundestagsabgeordnete aus Leipzig. Er habe jedoch hauptsächlich Zuspruch und Genesungswünsche bekommen.

Sören Pellmann: Linke-Fraktionschef spricht über Herzinfarkt und Stress

Seinen Herzinfarkt erlitt der 48-jährige Pellmann nach eigenen Angaben im Juli nach Terminen seiner Fraktion in Nordrhein-Westfalen. „Abends im Hotel merkte ich Druck im Brustbereich, der Puls ging massiv nach oben. Meine Smartwatch zeigte einen Puls von 159 an. Keine Stunde nach meiner Ankunft in der Klinik lag ich auf der Intensivstation und war schon operiert.“ Er habe seitdem mehr Sport gemacht, sich gesünder ernährt und dadurch 22 Kilogramm an Gewicht abgenommen. Zum Oktober kehrte der Linken-Fraktionschef wieder in den Politikbetrieb zurück.

Beratungsstellen helfen bei Suchterkrankungen

Sie leben mit einer Abhängigkeitserkrankung oder haben den Verdacht, süchtig zu sein? Sie sind Angehöriger eines Menschen mit Abhängigkeitserkrankung und suchen nach Hilfe? Suchtberatungsstellen in Deutschland bieten vertrauliche Hilfe bei allen Fragen rund um das Thema Sucht.

• Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Die DHS ist die zentrale Dachorganisation der Suchthilfe in Deutschland. Auf ihrer Website finden Sie eine Liste von regionalen Suchtberatungsstellen und Fachkliniken: www.dhs.de

• Sucht & Drogen Hotline: Die Hotline ist rund um die Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 01806 313031 erreichbar und bietet telefonische Beratung für Betroffene und Angehörige.

• Bundesweite Online-Sprechstunde der Suchthilfe: Über das Portal des Fachverbands Sucht können Sie eine Online-Beratung in Anspruch nehmen. Die Beratung erfolgt anonym, sicher und datenschutzkonform.

• Anonyme Selbsthilfegruppen: Verschiedene Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker (AA) oder die Narcotics Anonymous (NA) bieten Treffen für Betroffene an, um sich untereinander auszutauschen und zu unterstützen. Informationen zu Treffen finden Sie auf den jeweiligen Websites.

Zusätzlich können Sie auch bei Ihrem Hausarzt, beim Gesundheitsamt oder bei psychiatrischen Kliniken weitere Unterstützung erhalten.

Als Risikofaktoren neben Übergewicht und Bluthochdruck nennt Pellmann unter anderem auch Stress, dem er als Bundestagsabgeordneter ausgesetzt sei. „In Bundestags-Sitzungswochen hat man locker zehn, elf, zwölf Termine am Tag, keine Pausen, keine Auszeit. Man hetzt von Gespräch zu Termin zur Rede im Parlament. Durch soziale Medien ist das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen, gestiegen.“

Auch sei man als Politiker ständig von Alkohol umgeben. „Man kann in Sitzungswochen von Empfang zu Empfang ziehen und Wein oder Bier trinken“, so Pellmann. Er glaube deshalb, dass es eine hohe Dunkelziffer von Abgeordneten mit Abhängigkeiten gebe.