Die Baustelle ist der Klassiker. Da stehen Männer feixend auf dem Gerüst und johlen jeder Frau hinterher, die in ihr Sichtfeld gerät. Die normale Reaktion: Augen zu und durch, bloß nicht reagieren, schnell die Situation hinter sich bringen. Unangenehmer wird es bei der regelmäßigen Joggingrunde. An der Bushaltestelle oder roten Ampel. Spät am Abend, wenn kaum noch Leute auf der Straße sind.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Ganz klar: Das sogenannte Catcalling, das Hinterherrufen von obszönen Sprüchen und schmieriger Anmache, ist eine Form der sexuellen Belästigung, unter der vor allem Frauen leiden. Es ist eine Anmache, die einschüchtert und ein Gefühl der Unsicherheit auslöst – und das schränkt den Alltag ein: Frauen und Mädchen wählen für den Heimweg das teure Taxi, laufen lieber nicht durch den Park, verzichten auf die Laufrunde, gehen Umwege.
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Inzwischen sind Frauen immer weniger bereit, das einfach hinzunehmen – und darauf reagiert nun Justizministerin Stefanie Hubig (SPD), die prüfen lassen will, ob Catcalling unter Strafe gestellt werden kann. Doch wie lässt eine hinterhergerufene Obszönität beweisen? Wie werden Täter identifiziert, wenn sie doch meistens anonym bleiben? Ist das Strafgesetzbuch nicht ein zahnloser Tiger?

Was sicher gut gemeint ist, könne schnell in Symbolpolitik enden, wenn trotz Strafgesetzbuch keine Konsequenzen folgen, heißt es von Kritikern. Sie sorgen sich auch um den harmlosen Flirt, um missverstandene Komplimente. Doch Hubig geht es nicht um den Graubereich der Anmache. Sondern um ein Signal an all diejenigen, die im vollen Bewusstsein beleidigen, belästigen, herabsetzen. Ein Gesetz, wie es in anderen Ländern längst üblich ist, stärkt den Opfern von „Catcalling“ – darunter oft genug auch Männer – den Rücken. Und damit ist schon viel gewonnen.




