Die Streitkräfte Chinas bekommen einen neuen Panzer. Das noch namenlose Kampfvehikel soll der Öffentlichkeit wohl am 3. September vorgestellt werden, auf der Parade zum Siegestag in Peking. Dann feiert die Volksrepublik 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs. Bislang trägt der Panzer die Abkürzung ZTZ-201 oder ZTZ-20. Bilder und Videos in den Sozialen Netzwerken zeigen das Fahrzeug bei Proben für die Parade.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Sie lassen erkennen: Chinas Panzerbauer haben sich offenbar von russischen und westlichen Designs inspirieren lassen. Der Tank wird zum Beispiel, wie der russische T-14, über einen unbemannten Turm verfügen. Die Besatzung, offenbar bestehend aus drei Crewmitgliedern, befindet sich in der Wanne des Panzers, in einem geschützten Raum.

Die technischen Details des Panzers sind noch nicht öffentlich, verschiedene Quellen berichten aber, dass er zwischen 35 und 40 Tonnen schwer sein soll. Damit wäre der ZTZ-201 ein ganzes Stück leichter, als die russischen T-72 und T-80 – und im Vergleich zu den schweren Panzern der Nato geradezu ein Fliegengewicht. Der deutsche Leopard II etwa bringt rund 64 Tonnen auf die Wage. Auch Chinas Hauptkampfpanzer Type 99A ist mit rund 55 Tonnen deutlich schwerer.

Panzer für die Invasion

Mit bis 40 Tonnen wäre der ZTZ-201 ein mittelschwerer Panzer, eine Fahrzeugkategorie, die in den letzten Jahrzehnten aus der Mode gekommen war. Die Fahrzeuge vereinen hohen Schutz mit großer Geschwindigkeit und ausreichend Feuerkraft. Sie sind weniger stark gepanzert, dafür mobiler als ihre schweren Cousins und können einfacher transportiert werden. Für China ein wichtiger Aspekt: Die Zentralregierung plant, die aus ihrer Sicht abtrünnige Provinz Taiwan zurückzuholen, zur Not mit Waffengewalt. Für eine Invasion der Insel müssten große Mengen Material schnell verlegt werden können – dem ZTZ-201 könnte hier eine entscheidende Rolle zukommen.

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Wie dick die Panzerung am Ende ausfällt, ist unklar. Doch wird sich der ZTZ-201 nicht nur auf Stahlplatten verlassen (können). Auch an Chinas Ingenieuren sind die Lehren des Ukraine-Krieges nicht vorbeigezogen. Der Konflikt zeigt, wie wichtig Drohnen im Kampfeinsatz geworden sind – und dass sich Fahrzeuge vor diesen schützen müssen. Chinas neuer Panzer soll dafür ein aktives Abwehrsystem nutzen.

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Fotos lassen erkennen, dass an den Seiten des Turmes Radare angebracht sind und Werfer, die anfliegende Drohen und Geschosse erkennen und bekämpfen können, bevor diese den Panzer erreichen. Zumindest in der Theorie wäre damit eine leichtere Panzerung ausgeglichen. Solche Systeme sind auch bei westlichen Panzern schon im Einsatz; der Leopard II etwa wird mit dem Trophy-System ausgerüstet, das Raketen abfangen soll, bevor sie auf die Panzerung treffen.

Hightech-Plattform – doch Experten zweifeln

Ähnliche Hightech soll auch die Crew des ZTZ-201 zur Verfügung haben. Angeblich soll sie über Helmdisplays und Kameras im Panzer quasi durch die Panzerung hindurch sehen können. Ein Konzept, das auch im Westen ausprobiert wird, etwa beim israelischen Rüstungsunternehmen Elbit und seinem „IronVision“-Programm. Die Idee: Panzerbesatzungen sollen über digitale Technik eine notorische Schwachstelle von Panzern überwinden können und mit einer 360-Grad-Sicht ausgestattet werden. So sollen Ziele und Gefahren schneller erkannt werden.

Bewaffnet ist der ZTZ-201 Berichten zufolge mit einer modernen 105-Millimeter-Kanone. Das Kaliber deutet erstmal auf geringere Feuerkraft hin, doch soll die Kanone Projektile mit hoher Mündungsgeschwindigkeit verschießen können. Ein entsprechendes Gewicht vorausgesetzt, könnte die Munition damit auch schwerer Panzerung durchschlagen.

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Die Bilder vom Panzer lassen außerdem eine Waffenstation auf dem Turm erkennen, die ein Maschinengewehr oder gegebenenfalls eine Maschinenkanone aufnehmen kann. Der Panzer dürfte damit Infanterie oder auch Drohnen bekämpfen können.

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Bundeswehr in Litauen – NATO-Brigade an der Front
Im Krisenmodus
 

All das klingt nach einem großen Wurf: Ein schneller, schlagkräftiger Panzer mit modernster Technik, geeignet zum Einsatz in frühen Phasen von Landungsoperationen. Allerdings: Noch sind diese Informationen unbestätigt.

Experten sehen außerdem echte Mängel am Design: Der Turm etwa scheint nur leicht gepanzert, Blow-out-Panels, die bei einer Explosion der Munition deren Wucht vom Fahrzeug – und damit der Besatzung – wegleiten, scheinen ganz zu fehlen. Auch scheint der Motor des Panzers verwundbar zu sein. Ob China also wirklich einen Kampfpanzer der nächsten Generation baut oder doch nur einen Papiertiger für den Einsatz bei Paraden wird sich noch zeigen müssen.