Vier Wochen nach der neu entflammten Affäre um seinen Ex-Freund, den im Gefängnis gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, greift Donald Trump weiter nach jedem Strohhalm, um die Schlagzeilen zu drehen. Diesmal setzt sich der amerikanische Präsident kulturkämpferisch auf die umstrittene Werbe-Kampagne eines Jeans-Herstellers, in der eine blonde, 27-jährige, vollbusige Hollywood-Schauspielerin die Hauptrolle spielt. Ein Grund: Sie ist eingetragene republikanische Wählerin.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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„American Eagle“ schaltete die Werbekampagne mit Sydney Sweeney vor fast zwei Wochen. Der Slogan „Sydney Sweeney hat tolle Jeans“ lief im Fernsehen, in sozialen Medien und war an den Fassaden von Geschäften zu sehen.
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Die aus „Euphoria“ und „The White Lotus“ bekannte Aktrice knöpft sich in dem Spot am Boden räkelnd ihre Hose zu und sagt, während die Kamera langsam an ihrer Oberweite entlangfährt: „Gene werden von den Eltern an ihre Nachkommen weitergegeben und bestimmen oft Merkmale wie Haarfarbe, Persönlichkeit und sogar Augenfarbe. Meine Jeans sind blau.“

„Genes“ oder „Jeans“? Das Wortspiel löst einen Kulturkampf aus
Das englische Wort für Gene (genes) und das Wort Jeans werden identisch ausgesprochen. Wegen des von den Marketing-Leuten bewusst gebastelten Wortspiels setzte es sofort Gegenreaktionen.

Auf Tiktok & Co. wurde es als Anspielung auf die auch durch Nazi-Deutschland diskreditierte Lehre der Eugenik bezeichnet, wonach sich die Menschheit durch selektive Fortpflanzung verbessern würde. Andere, meist konservative Stimmen, wiesen die Empörung als peinlichen Aufruhr der „woken” Bewegung zurück, die seit Trumps Amtsantritt die massive Rückabwicklung von Diversivitätsprogrammen zu gewärtigen hat.
Es dauerte nicht lange, bis sich in Gestalt von Vize-Präsident JD Vance die große Politik einklinkte, um dem politischen Gegner am Zeug zu flicken und in der eigenen Internet-Blase Punkte zu machen: „Die Demokraten scheinen der Meinung zu sein, dass jeder, der Sydney Sweeney attraktiv findet, ein Nazi ist.“
Sydney Sweeney: „American Eagle“-Kampagne wird politisch vereinnahmt
Alle Versuche des Herstellers, dessen Eigner-Familie Schottensteins mit Donald Trump sympathisiert, obwohl dessen Strafzoll-Politik bei ihnen Mindereinnahmen in Millionenhöhe ausgelöst hat, die Wogen zu glätten, sind bisher gescheitert. Es habe sich bei der Kampagne „immer nur um Jeans gedreht”, beteuert die Modemarke, „wir werden damit fortfahren zu feiern, wie jeder seine AE Jeans mit Selbstvertrauen auf seine Weise trägt. Großartige Jeans stehen jedem gut.“
News aus den USA
Als Trump am Wochenende erfuhr, dass die aus Spokane an der US-Westküste stammenden Schauspielerin, die ein Anwesen in Florida besitzt, seit Sommer 2024 registrierte Republikanerin ist, nahm der Fall neue Fahrt auf. Ohne Belege behauptete Trump, „American Eagle“-Jeans gingen gerade „weg wie heiße Semmeln“. Den Spot mit Sweeney, deren Vornamen er im Eifer des Gefechts auf seinem Wahrheits-Portal „Truth Social“ falsch schrieb, bezeichnete Trump in Großbuchstaben als „heißeste Werbung, die es gibt“. Fast schon ritualhaft nutzte der 79-Jährige die Gelegenheit zu einem Seitenhieb gegen die ihn verschmähende Star-Sängerin Taylor Swift. Die Aktie von „American Eagle“ legte zu Wochenbeginn um fast 25 Prozent zu. Sydney Sweeney hat sich zu der versuchten Vereinnahmung durch Trump bisher nicht geäußert.








