Obwohl er eine Ikone des professionellen Wrestlings war, wird Hulk Hogan, der mit 71 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben ist, vielleicht eher wegen der Welle der Empörung in den Medien in Erinnerung bleiben. Die hatte er vor gut zehn Jahren mit einer spektakulären Klage ausgelöst. Und die hatte er nur durch die Hilfe eines umstrittenen Silicon-Valley-Milliardärs gewonnen, der zu den großen Unterstützern von Präsident Donald Trump und Vize-Präsident J. D. Vance zählt. Wurde der blondierte Koloss mit dem Walross-Schnäuzer darum vom Obama-Jünger zum Maga-Mania-Fahnenträger?
Die politische Achterbahnfahrt des als Terry Bollea geborenen Unikums ist ohne die ungewöhnliche Verbindung zu Peter Thiel kaum zu erklären.
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Hulk Hogan: Warum der Wrestler das Magazin „Gawker“ verklagte
Was so kam: Vor 13 Jahren veröffentlichte das Klatsch-Internet-Medium „Gawker” einen kurzen Ausschnitt aus einem Sexvideo. Es zeigte Hogan mit Heather Clem, der Frau von Hogans damaligem bestem Freund, einem Radiomoderator aus Florida mit dem Künstlernamen „Bubba the Love Sponge”. Das Video war heimlich gedreht und dann von einer anonymen Quelle an „Gawker” weitergegeben worden. Hogan zeigte sich empört über die Veröffentlichung. Er reichte eine Klage gegen Gawker ein, in der er dem Unternehmen Verletzung seiner Privatsphäre, seiner Persönlichkeitsrechte und die vorsätzliche Zufügung seelischer Grausamkeit vorwarf.

Der Prozess Anfang 2016 in Florida lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die zunehmenden Spannungen zwischen dem Recht auf Privatsphäre des Einzelnen und der weitreichenden Pressefreiheit in Amerika. Nach nur wenigen Stunden Beratung entschied die Geschworenen-Jury zugunsten von Hogan und sprach ihm 115 Millionen Dollar Schadenersatz sowie zusätzlich 25 Millionen Dollar Strafschadenersatz zu, insgesamt also 140 Millionen Dollar.
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Das wegweisende Urteil zwang Gawker in die Insolvenz. Obwohl sich die Streit-Parteien auf 31 Millionen Dollar einigten. Der Wrestler, der seine Gegner im Ring mit dem pseudo-martialischen „Atomic Leg Drop” neutralisierte, kam diesmal dank findigen, teuren Anwälten zum Sieg – aber nicht allein.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nach dem Urteil kam heraus, dass Peter Thiel, der Mitglied der „PayPal-Mafia“ war, zu der früher auch Elon Musk gehörte, und im kalifornischen Silicon Valley zu Reichtum gelangt war, die Klage heimlich mit zehn Millionen Dollar unterstützt hatte. Und zwar aus Rache.
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„Gawker“ hatte Peter Thiel als homosexuell geoutet
Gawker hatte 2007 über einen Text die marktschreierische Zeile „Peter Thiel ist total schwul, Leute” gesetzt. Der Milliardär war so erbost, dass er das Klatsch-Blog mit der Terror-Organisation al-Kaida verglich – und sann auf Vergeltung. „Ich habe gesehen, wie Gawker eine einzigartige und unglaublich schädliche Methode entwickelt hat, um Aufmerksamkeit zu erregen, indem es Menschen schikaniert, auch wenn dies in keinem Zusammenhang mit dem öffentlichen Interesse steht”, sagte Thiel und fügte hinzu: „Ich kann mich verteidigen. Die meisten Menschen, die sie angreifen, gehören nicht zu meiner Kategorie. Sie greifen in der Regel weniger prominente, weit weniger wohlhabende Menschen an, die sich einfach nicht verteidigen können. Selbst jemand wie Terry Bollea, der Millionär, berühmt und erfolgreich ist, hatte nicht die Mittel, um sich allein zu wehren.“

Hogan hat Thiel die Finanzspritze nie vergessen. Durch sie brachte er ein ebenso prominentes wie umstrittenes Digital-Unternehmen zu Fall. Durch sie wird sein Name für immer mit einem der folgenreichsten Rechtsstreite in der jüngeren amerikanischen Mediengeschichte verbunden sein, der die Balance von Privatsphäre, Journalismus und Macht grundlegend verändern sollte.
2016, als Donald Trump zum ersten Mal für das Weiße Haus kandidierte, kreuzten sich die Wege von Thiel und Hogan erneut. Der Wrestler brachte sich, nur halb im Scherz, als Vize-Präsidentschaftskandidat ins Gespräch. Thiel outete sich öffentlich als zahlungskräftiger Unterstützer des Rechtspopulisten.

Hulk Hogan und Donald Trump kannten sich seit den 1980ern
Zu Donald Trump hatte Hogan schon seit Jahrzehnten eine besondere Verbindung. 1988 begann mit einer Pay-per-View-Veranstaltung die große Zeit von „WrestleMania”. Trump, damals Besitzer von Trump Plaza in Atlantic City, besuchte die Kämpfer in der Garderobe der Stadthalle und blieb bis zu Hogans Kampf gegen „Andre the Giant”; das war der Grundstein.

Im vergangenen Jahr stellte sich Hogan zwei Mal als PR-Zirkuspferd in den Dienst Trumps. Beim Nominierungs-Parteitag in Milwaukee brüllte er seine nach dem Attentat von Butler/Pennsylvania abermals gewachsene Bewunderung für den Kandidaten ins Hallenrund der Fiserv-Arena: „Ich kenne harte Kerle, aber ich sage Ihnen eins, Bruder: Donald Trump ist der Härteste von allen.“ Dann riss sich Hogan in gekonnter Wrestler-Manier ein T-Shirt vom Leib. Darunter trug er ein anderes Leibchen. Aufschrift: „Trump – Vance 2024”. Die Halle tobte. Hogan dirigiert den Saal mit einem kurzen „Lasst Trump-a-Mania freien Lauf. Lasst Trump-a-Mania wieder regieren”-Stakkato.
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Ähnlich wuchtig fiel Hogans Beitrag bei der berüchtigten Kundgebung im Herbst vor der Wahl im New Yorker Madison Square Garden aus, als einige Redner rassistisch-extremistische Töne anschlugen. Hogan sprach exakt die Zielgruppe an, die Trump am 5. November erreichen wollte: weiße Männer ohne Universitäts-Abschluss. Peter Thiel, der verkopfte Intellektuelle, war in diesem Kalkül ganz weit weg.










