Friedrich Merz hat ein Anliegen: „Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“, das sagte der Bundeskanzler gleich in seiner ersten Regierungserklärung. Seitdem haben er und Parteifreunde diesen Gedanken in Varianten häufig wiederholt, immer mit dem Tenor: Weniger Vier-Tage-Woche bitte, mehr Zehn-Stunden-Tage. Hört man dem Bundeskanzler und anderen CDU-Politikern zu, könnte man auf die Idee kommen, das ganze Land liege in der Hängematte und warte nur darauf, dass die mal jemand umdreht.

Jeder fünfte Arbeitnehmer schenkt dem Chef die Überstunde

Doch so ist es natürlich nicht, das bestätigen die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Viereinhalb Millionen Menschen in Deutschland machen regelmäßig Überstunden, immerhin 15 Prozent davon mehr als 15 Überstunden pro Woche. Und während die meisten diese Zeit über ein Arbeitszeitkonto irgendwann wiederbekommen oder zumindest bezahlt bekommen, schenkte jede fünfte Person, die 2024 Überstunden machte, diese Zeit einfach dem Arbeitgeber.
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Ganz falsch liegt Merz mit seinem Anliegen trotzdem nicht – die Arbeitskraft, die in den kommenden Jahren demografisch wegfällt, muss ersetzt werden, und das von Jahrgängen, denen deutlich weniger Menschen angehören. Aber das erreicht man nicht, indem man den Leuten durch die Blume einen Hang zum Müßiggang vorwirft. Wer zum Beispiel will, dass ein höherer Anteil der erwerbstätigen Frauen Vollzeit arbeitet (derzeit: 51 Prozent), der muss dann auch dafür sorgen, dass es die entsprechenden Strukturen für die Betreuung von Kindern oder die Pflege von älteren Angehörigen gibt. Wenn die Union es ernst meint mit dem Wunsch nach mehr Arbeit, könnte sie da zum Beispiel ansetzen.



![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


