Nachdem das Sommerinterview der ARD mit AfD-Chefin Alice Weidel wegen lauter Proteste am Sonntag nahezu im Chaos versunken ist, fordern AfD-Politiker eine Wiederholung der Sendung. „In einer solchen Situation hätte die ARD für ein faires, ungestörtes Interview ins Studio ausweichen müssen“, sagte Markus Frohnmaier, Vize-Fraktionschef im Bundestag, dem Nachrichtenportal Politico. Und weiter: „Ich erwarte, dass das Gespräch unter fairen Bedingungen wiederholt wird.“

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Auch die Interviewte selbst verurteilte die Störaktion: „Es ist für die Debattenkultur in unserem Land nicht zuträglich, die Presse- und Informationsfreiheit derart anzugreifen“, sagte Alice Weidel dem Portal. Sie habe dafür keinerlei Verständnis. „Die AfD und meine Person werden sich von solchen demokratiefeindlichen Aktionen nicht einschüchtern lassen.“

Nach gestörtem ARD-Sommerinterview: Linnemann übt Kritik am Umgang mit Weidel

Der Kritik an der Aktion schließt sich auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann an. „Wenn man die AfD stark machen will, soll man ruhig solche Interviews stören“, sagte Carsten Linnemann in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“. Man könne den Wähler nicht ignorieren und „kaputt schreien“, sondern müsse die AfD inhaltlich bekämpfen. Auch ein AfD-Verbotsverfahren sei nicht zielführend: „Die zehn Millionen Wähler sind nicht von heute auf morgen weg. Die wollen, dass wir bessere Politik machen.“

Streit im Bundestag: Weidel nennt Merz «Lügenkanzler»

weitere Videos

    Das Zentrum für politische Schönheit, das die Demonstration mit Trillerpfeifen, Hupen und lauter Anti-AfD-Musik organisiert hatte, feiert in sozialen Medien derweil die Störung des Interviews als Erfolg. „Was sich da gestern im Regierungsviertel ereignet hat, dürfte einigermaßen historisch sein: Zur besten Sendezeit wird dem politischen Arm des Rechtsextremismus das Mikro gereicht, und weder Alice Weidel noch ihr Interviewer verstehen auch nur ein einziges Wort“, heißt es in einem Instagram-Beitrag.

    ARD-Sommerinterview: Weidel konnte Fragen von Markus Preiß nicht verstehen

    Weidel beklagte während des am Spreeufer im Berliner Regierungsviertel aufgezeichneten Gesprächs am Sonntag mehrfach, dass sie die Fragen von Moderator Markus Preiß nicht hören könne. „Es ist extrem laut im Hintergrund, und ich kann ihre Fragen kaum verstehen“, sagte die Vorsitzende der Partei und AfD-Bundestagsfraktion in einem Moment.

    Das Gespräch fand am oberen Absatz einer großen Treppe an der Spree statt, mit dem Reichstagsgebäude auf der anderen Uferseite im Hintergrund. Dort hatten sich Demonstranten versammelt, die klatschten, pfiffen und sangen. Auch Preiß sprach während des Interviews davon, dass die Demonstranten sehr laut seien.

    Auch interessant

    Weidel vermutet „mit Steuergeldern“ finanzierte Proteste gegen sie

    Weidel bezeichnete die Störaktion mal als „lustig“, mal mutmaßte sie, die Proteste gegen sie könnten „mit deutschen Steuergeldern über irgendwelche NGOs angeschoben“ sein. Das könne man nicht wissen, betonte der ARD-Moderator. Hinzu kamen offenbar Probleme mit dem Ton, den Weidel auf dem Ohr hatte. Die AfD-Chefin kritisierte, sie habe ein Echo und sie höre sich doppelt. „Jetzt geht gar nichts mehr“, sagte Weidel einmal während der Sendung. „Das müssen wir korrigieren.“

    Empfohlener externer Inhalt

    An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
    Externer Inhalt
    Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

    Preiß stellte Weidel etwa Fragen zur mutmaßlichen Strategie der AfD, Union und SPD zu spalten und so bewusst zu polarisieren. Darüber hinaus rechtfertigte die AfD-Chefin die Verdopplung der Zulagen für sie und andere führende Mitglieder der Bundestagsfraktion. Nach fast acht Jahren habe man das Gehalt der Vorsitzenden und Vorstände auf das übliche Niveau der anderen Fraktionen und Parteien angehoben, sagte sie.

    Den Fragen des Moderators wich Weidel mehrfach aus. Offenbar ebenfalls angestrengt von der Situation sagte der ARD-Journalist während des Gesprächs: „Frau Weidel sagt gerne mal, dass sie etwas nicht verstanden hat.“ Aber in diesem Fall gebe es Gründe, weil es „unglaublich laut wirklich ist“. Weidel reagierte empört: „Entschuldigung? Warum sagen Sie das?“ Bei der Kulisse habe sie Probleme, Preiß zu verstehen.

    208844_1325_208844_cover.jpg
    #20 Wolfram Weimer über die Brandmauer zur AfD - und Fahrradfahren mit Friedrich Merz
    Meine schwerste Entscheidung
     

    ARD-Moderator: „Wirklich schwierige akustische Situation“

    Der Moderator schloss das Gespräch mit den Worten: „Das war das ARD-Sommerinterview in einer wirklich schwierigen akustischen Situation. Das geben wir gerne zu. Und ich sage auch, das war auch für Alice Weidel wirklich akustisch nicht so einfach. Wir haben uns teilweise wirklich nicht richtig verstanden.“

    Hinter der Aktion steckt nach eigenen Angaben die Gruppe Zentrum für Politische Schönheit, die für solche Demos einen Bus mit extrem starken Lautsprechern ausgerüstet hat. Den Bus hatte sie „Adenauer SRP+“ getauft. Bei X schrieb die Gruppe: „TV-Tipp: Schaut Euch heute UNBEDINGT das Sommerinterview mit Alice Weidel in der ARD ab 18 Uhr an! Mit dabei: Der Adenauer SRP+“. Die Ausstrahlung des Gesprächs war für 18.00 Uhr im Ersten geplant, es wurde aber zuvor live im Internet übertragen.

    Empfohlener externer Inhalt

    An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
    Externer Inhalt
    Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

    Ein Sprecher der Berliner Polizei sagte auf Nachfrage, es sei ein lautes Lied „mit den technischen Einrichtungen des sogenannten Adenauerbusses“ abgespielt worden. An dieser Aktion hätten sich 25 Personen beteiligt. Die Polizei habe die nicht angemeldete Aktion dann beendet. Festnahmen habe es nicht gegeben.

    Später kündigte der Sender Konsequenzen an. „Ein ungestörter Ablauf der Interviews ist in unserem Interesse und vor allem im Interesse des Publikums, daher werden wir aus der Sendung Schlüsse ziehen und in Zukunft Vorkehrungen treffen“, teilte eine Sprecherin des ARD-Hauptstadtstudios auf dpa-Anfrage mit. Details nannte sie nicht. „Wir bedauern, dass das Interview durch die akustische Protestaktion teilweise schwer zu verstehen war.“ Das werde intern ausgewertet. Bis zum Beginn der Sendung sei die Protestaktion nicht bekannt gewesen.

    mit dpa