Hat Wladimir Putin jetzt endgültig den Bogen überspannt? Langsam dämmert es offenbar auch Donald Trump, dass seine Bemühungen um Frieden in der Ukraine ohne einen Kurswechsel zum Scheitern verurteilt sind – weil Putin bislang kein Interesse am Frieden hat. Dass der Kremlherrscher die Ukraine mit einem beispiellosen Raketenangriff überzog, kaum hatte er das jüngste Telefonat mit Trump beendet, ist eine so offensichtliche Blamage für den US-Präsidenten, dass der nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Aber was nun?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Offenbar weiß Trump nicht mehr weiter. Er hat viel versprochen, aber nichts erreicht. In einem Zick-Zack-Kurs stellt er der Ukraine mal die Lieferung von Patriot-Systemen in Aussicht, dann wieder ist von einer Lieferpause die Rede. Nun attestiert Trump dem Kremlherrscher, er rede viel „Blödsinn“. Stimmt. Aber Worte allein tun Putin nicht weh, entsprechend gelassen reagiert der Kreml. Putin kann den Krieg nicht ewig durchhalten, aber er hofft darauf, dass der Ukraine etwas früher die Luft ausgeht. Bis dahin simuliert er weiter Verhandlungswillen.

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Christian Kerl ist Politik-Korrespondent der FUNKE Zentralredaktion© FMG | FMG

Es kommt jetzt auf Europa an, damit Moskaus Kalkül nicht aufgeht. Die europäischen Staaten müssen schon aus eigenem Sicherheitsinteresse schnell die drohenden Lücken bei den Waffenlieferungen schließen, so gut es irgend geht. Und sie müssen Trump davon überzeugen, dass er nun mit neuer Härte Druck auf Putin ausübt. Der US-Präsident scheint den Kriegsherrn in Moskau zwar zu durchschauen, scheut sich aber, die Konsequenz zu ziehen. Die kann indes nur heißen: mehr Waffen für Selenskyj, schärfere Sanktionen für Putin. Nur so lässt sich der Kremlherrscher an den Verhandlungstisch zwingen.