Es war in der Hochphase der Corona-Pandemie, im Frühjahr 2020, da wurde Jens Spahn als damaliger Gesundheitsminister regelrecht pathetisch: „Wir werden wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen“, sagte er damals. Denn noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hätten Politiker „mit so vielen Unwägbarkeiten so tiefgreifende Entscheidungen treffen müssen“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Deutschland stand unter dem Eindruck der Bilder aus Bergamo. Militärfahrzeuge, die mit Särgen beladen waren, verließen die Stadt. Ärzte des Klinikums flehten um Hilfe. Auch in Deutschland schnellte die Zahl der Infizierten und Toten in die Höhe. Dazu gab es keinen Schutz, kein Wissen, keinen Impfstoff. Lockdowns setzten das öffentliche Leben nahezu auf Null, Freiheitsrechte waren zweitrangig.
Spahn zeigte sich in der Krise beratungsresistent
Und so passten Spahns Worte damals in weiten Teilen überein mit der Stimmung im Land. Die meisten Menschen – abgesehen von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern – waren schließlich einverstanden mit Entscheidungen, die aus heutiger Sicht eine demokratische Zumutung waren.

Was hinter den Kulissen passierte, mit welcher Hektik nach Lösungen gesucht wurde, um Masken zu beschaffen, später dann Impfstoffe: Ganz ohne Blessuren ist wohl kaum ein verantwortlicher Politiker aus der Pandemie gekommen. Und doch legt der Sudhof-Bericht offen: Jens Spahn zeigte sich in der wohl größten Herausforderung seines Lebens beratungsresistent.

Er pfiff auf die Expertise seiner engsten Mitarbeiter, auf ihre Bedenken und Warnungen – und setzte Milliarden bei der Maskenbeschaffung in den Sand. Millionen Masken soll er an allen üblichen Regeln vorbei beschafft haben. Zum überteuerten Preis und ohne Ermittlung des tatsächlichen Bedarfs.
„Wir werden einander viel verzeihen müssen“ – die Worte von damals klingen heute anders. Waren es die Worte eines Politikers, der wusste, was er womöglich anrichtet? War es der Ruf nach einem Freibrief? Offenbar ist seine eigene Partei gewillt, die Affäre unter der Decke zu halten. Aber wie schwer auch eine Staatskrise ist: Sie darf niemals ein Freibrief sein für eigenmächtiges und undurchsichtiges Handeln. Die CDU und auch Jens Spahn selbst sollten daraus die Konsequenzen ziehen.




