Wie explizit darf ein Kanzler sprechen? Diese Frage wird seit dem „Drecksarbeit“-Zitat von Friedrich Merz mit erstaunlicher Intensität diskutiert. Bei der Opposition ist man auf den Bäumen, die Debatte im Netz lässt die Server glühen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Jetzt hat der Iran den deutschen Botschafter einbestellt, um der Bundesregierung offiziell wegen der Wortwahl die Leviten zu lesen. Das ist ein schlechter Scherz von Vertretern eines Regimes, dessen Kernkompetenz die dreckigste Arbeit der Welt ist: Terror, Unterdrückung und Antisemitismus inklusive Bedrohung eines ganzen Volkes durch ein ambitioniertes Atomwaffenprogramm und Raketenhagel in Wohngebiete. Der Kanzler sollte nicht oft solche Kraftausdrücke wählen, aber in diesem Punkt spricht er schlicht die Wahrheit aus.

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Krieg ist ein „dreckiges“ Geschäft, in dem geschossen, gebombt, getötet und gestorben wird. Aber es ist ein Geschäft, das leider gemacht werden muss, wenn man nicht will, dass noch mehr Leid, Elend und Ungerechtigkeit in die Welt getragen werden.

Die Alliierten mussten diese Drecksarbeit tun, um Nazi-Deutschland zu besiegen. Die Nato musste sie tun, um einen Genozid im ehemaligen Jugoslawien zu verhindern. Jetzt verhindert Israel, dass Terror-Unterstützer an die Atombombe kommen. Diese Drecksarbeit ist im Interesse der gesamten zivilisierten Welt, nur war – wie bei jeder Drecksarbeit – kaum einer bereit, sie zu tun.

Jörg Quoos
Jörg Quoos ist Chef der Funke Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Der Satz des Kanzlers war sicher undiplomatisch und erschwert Verhandlungen mit dem Iran. Aber er ist von wohltuender Klarheit in einer Zeit, in der Politik uns Wählerinnen und Wähler üblicherweise mit Euphemismen einlullen und Zumutungen elegant verkaufen will.