„Wir haben eine Waffe an der Schläfe“, sagt ein hoher Vertreter der israelischen Armee. Es ist 3.45 Uhr in Jerusalem. Während der Offizier zur Presse spricht, fliegen israelische Kampfjets im iranischen Luftraum und greifen an mehreren Orten gleichzeitig an. „Wenn wir nicht jetzt handeln, sind wir an einem point of no return“, sagt der Militärvertreter.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Bald wird klar: Dieser israelische Angriff auf den Iran ist mit nichts Früherem vergleichbar. Dutzende Ziele der militärischen Infrastruktur und der atomaren Aufrüstung geraten ins Visier der Luftwaffe. Ob man unter Zielen auch hohe militärische Vertreter der Revolutionsgarden verstehe? Der israelische Militärvertreter bejaht das. Wenig später kommt die Bestätigung aus dem Iran: Der Führer der Revolutionsgarden, Hossein Salami, wurde getötet. Auch der Generalstabschef der iranischen Armee, Mohammed Bagheri, soll getötet worden sein. Unter den Toten könnten sich noch weitere hochrangige militärische Vertreter des Iran befinden, heißt es in israelischen Medien.

Auch interessant

Israel-Angriff: Mossad führt Sabotageaktionen im Iran durch

Zugleich soll der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad eine Reihe von Sabotageoperationen im Iran durchgeführt haben, um die Luftabwehr zu schwächen. Die israelische Operation könnte mehrere Tage dauern, heißt es. „Wir haben keine andere Wahl – wir können nicht auf einen anderen Zeitpunkt warten“, sagt Israels Generalstabschef Eyal Zamir.

Das Zeitfenster für einen solchen Schlag schließe sich langsam, sagt ein Militärvertreter, der nicht genannt werden will. „Das iranische Regime hat genügend Material, um binnen weniger Tage 15 Atomwaffen bereit zu haben.“

Obwohl die USA betonen, nicht an den Angriffen beteiligt gewesen zu sein, heißt es in Israel unter der Hand, dass der Schlag sehr wohl in Abstimmung mit der Trump-Regierung lanciert wurde. Ohne eine enge Abstimmung mit den Verbündeten in der Region wäre das auch gar nicht möglich. Israel stellt sich auf einen schweren Gegenschlag ein – „ab sofort“, wie der Militärvertreter sagt. Dieser Schlag könnte „genauso schwer oder noch schwerer“ sein als der vergangene iranische Angriff im vergangenen Oktober, als mehr als 200 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert wurden.

Auch interessant

Um 3.30 Uhr in der Nacht auf Freitag heulten in ganz Israel die Sirenen, Menschen rannten in die Luftschutzräume. Diesmal war es aber kein Raketenalarm, sondern ein Weckruf der Armee an alle Israelis: Das Militär greift im Iran an. Ab sofort seien Gegenangriffe möglich. Alle Menschen mögen sich in der Nähe eines Schutzraums aufhalten und unnötige Wege vermeiden. Schulen bleiben am Freitag geschlossen, Versammlungen sind untersagt. Hochrangige israelische Vertreter wurden an einen sicheren Ort gebracht.

206807_1325_206807_cover.jpg
#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Deutscher Botschafter: Bleiben Sie zu Hause! – Iran schickt Drohnen los

Die Israelis sollten auf alles gefasst sein, heißt es nun. „Der Iran hat Tausende ballistische Raketen“, sagt der Militärvertreter. Der Gegenschlag könnte bald kommen – „und er könnte einige Zeit dauern.“ In weiten Teilen des Nahen Ostens blieb der Luftraum für den Flugverkehr geschlossen. Bereits am frühen Freitagmorgen antwortete der Iran mit Drohnenangriffen. Wie das israelische Militär mitteilte, habe Teheran mehr als 100 losgeschickt. Man arbeite nun daran, diese abzuschießen.

Nach einer Explosion in Teheran steigt Rauch auf.
Nach einer Explosion in Teheran steigt Rauch auf.© AP/dpa | Vahid Salemi

In Vorbereitung auf einen möglichen israelischen Angriff im Iran hatten die USA am Tag davor nicht unbedingt benötigtes US-Personal im Nahen Osten aufgerufen, nach Hause zurückzukehren. US-Bürger in Israel wurden angewiesen, Reisen abseits der Ballungsräume von Tel Aviv und Jerusalem zu vermeiden.

„An alle Deutschen in Israel die dringende Bitte: Alle nicht-essentiellen Aktivitäten sind abgesagt“, verkündete der deutsche Botschafter Steffen Seibert auf X. „Bleiben Sie fürs erste zu Hause, folgen Sie den Sicherheitshinweisen.“