• Donald Trump ist von Wladimir Putin beeindruckt
  • An seinem Geburtstag eifert er dem russischen Diktator regelrecht nach
  • Und lässt dafür Panzer durch die US-Hauptstadt rollen

Wladimir Putin hat eine. Kim Jong-un ebenso. Jetzt kriegt auch Donald Trump seine große Militärparade. Am Samstag, wenn der 79. Geburtstag des 47. US-Präsidenten mit dem 250. Jahrestag der Gründung der US-Armee zusammenfällt, tauchen im Herzen Washingtons Panzer, Kampfhubschrauber, Fallschirmspringer und über 6000 Soldaten auf. Das Open-Air-Spektakel, zu dem laut Pentagon bis zu 200.000 Besucher erwartet werden, wird mit rund 45 Millionen Dollar veranschlagt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die mehrstündige Show, für die aus allen Teilen des Landes schweres Militärgerät in die Hauptstadt gekarrt wird, ist bis in Militärkreise hinein umstritten. Veteranen-Verbände wollen sich nicht vor den Karren des Präsidenten spannen lassen. Trump selber wird unruhig. Der Wetterbericht sagt Regen voraus. Außerdem wird es landesweit unter dem Slogan „No King” (Kein König) Tausende Protestveranstaltungen gegen Trump geben, der vor dem Startschuss eine beispiellose Despoten-Drohung ausgesprochen hat: Auch friedlichen Demonstranten werde mit „sehr großer Gewalt begegnet”.

Was wird zu sehen sein?

150 Fahrzeuge, 50 Flugzeuge und 6600 Soldaten, teils in historischen Uniformen diverser Kriege, werden ab 18 Uhr Ortszeit an der Parade teilnehmen, die vom Pentagon auf die „Mall“ zwischen Obelisk und Kapitol führen soll. Nach einer Flugshow ist ein Konzert mit Country-Musik vorgesehen. Gegen 22 Uhr setzt ein Feuerwerk den Schlusspunkt. An der Südseite des Weißen Hauses ist für Trumps Entourage und Ehrengäste eine Tribüne gebaut wurde. Das Fallschirmteam der „Golden Knights“ wird vor der Nase des Präsidenten landen und Trump eine Nationalflagge überreichen. Es ist das größte öffentliche Ereignis seit Trumps Amtseinführung Ende Januar, die wegen Kälte nach innen verlegt wurde und kein großes Publikum erfuhr. Um die Teilnehmer unterzubringen, müssen Hunderte Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums bis Ende Juni Homeoffice machen. Ihre Büros dienen als improvisierte Schlafsäle.

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War von Anfang an ein Mega-Ereignis geplant?

Nein. Ursprünglich wollte die Army, die erste Genehmigungen vor einem Jahr einholte, ihr 250-jähriges Bestehen im kleinen Kreis mit höchstens 300 Soldaten und Zivilisten begehen. Es sollte ein Konzert der Armee-Band stattfinden, bestuhlt für 120 Personen. Dann gewann Trump die Präsidentschaftswahl – und aus XS wurde eine XXXL-Veranstaltung. Sein Motto: „Wir haben die besten Raketen der Welt. Wir haben die besten U-Boote der Welt. Wir haben die besten Panzer der Welt. Wir haben die besten Waffen der Welt. Und das werden wir feiern.“

Washington D.C. Prepares To Host Military Parade To Mark Army's 250th Anniversary
Seit Tagen wird in Washington schwerstes Militärgerät in Washington angekarrt, das am Samstag zum PR-Einsatz kommen soll.© Getty Images via AFP | Chip Somodevilla

Auf wen genau geht die Idee zurück?

Auf Trump selbst. Vor acht Jahren durfte er während seiner ersten Präsidentschaft auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf dem Champ de Mars in Paris den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 14. Juli beiwohnen. Französische Truppen marschieren dabei traditionell die Champs-Élysées entlang, begleitet von Militärpanzern. Kampfjets färben beim Überfliegen des Arc de Triomphe den Himmel in den Nationalfarben ein: mit blau-weiß-rotem Rauch. Trump, der sich dem Militärdienst einst wegen eines Fersensporns entzog, zeigte sich total begeistert und gab eine Depesche an sein eigenes Militär weiter: So was brauchen wir auch. Nur größer. Und noch toller.

Und die Pentagon-Führung spielt mit?

2018 bekam das Verteidigungsministerium offizielle Planungsaufträge. Militärexperten sahen früh logistische Probleme. Manche Panzer sind 70 Tonnen schwer und würden die Asphaltdecke der Constitution Avenue zerbröseln. Zudem macht der damalige Verteidigungsminister, ein belesener Vier-Sterne-General, deutlich, dass er die Zurschaustellung amerikanischer Militär-Stärke für unangemessen hält. Solchen Zirkus solle man autoritär geführten Regimen wie Nordkorea oder Russland überlassen, sagt James Mattis und machte privat massiv Stimmung gegen das Event. „Da würde ich lieber Säure schlucken.“ 

Tag des Sieges in Russland
Bisher Marktführer bei Militär-Paraden: Russland.....© Maxim Bogovid/Photo host agency RIA Novosti/AP/dpa | Maxim Bogovid

2020 verlor Donald Trump die Wahl. Joe Biden verdrehte kurz die Augen. Die Paradenpläne verschwanden in der Schublade. Jetzt ist Trump wieder da und im Pentagon nur von Loyalisten umgeben, die jeden seiner Wünsche als Befehl empfinden.

....und das bitterarme Nordkorea.
....und das bitterarme Nordkorea.© AFP | Str

Gab es noch nie Militär-Paraden in Washington, DC?

Bei der Amtseinführung von Präsident Harry S. Truman 1949 wie auch bei der Inauguration von Präsident John F. Kennedy 1961 wurden in kleinerem Maßstab militärische Gegenstände gezeigt. 1991 leitete Präsident George H.W. Bush aus Anlass des Sieges im ersten Golfkrieg eine Parade, bei der General Schwarzkopf rund 9000 Veteranen der „Operation Desert Storm“ die Constitution Avenue entlangführte.

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Wird es Proteste geben?

Und ob. Die Militär-Show fällt zusammen mit Trumps umstrittener Entscheidung, Nationalgardisten und Marines nach Kalifornien zu schicken, um Proteste gegen seine umstrittene Abschiebungspolitik niederzuschlagen. Aktive und ehemalige Militärs haben ein mulmiges Gefühl. Sie fürchten einen Imageverlust der Armee in der Bevölkerung, die über Jahrhunderte an entpolitisierte Streitkräfte gewöhnt ist. Entsprechend hoch ist der Sicherheitsaufwand. Jeder Besucher muss sich persönlich registrieren. Die Innenstadt wird weiträumig für den Autoverkehr abgeriegelt.

Um den zentralen Schauplatz an der „Mall“ sollen 18 Meilen Stahl-Gitterzaun gezogen werden. Es gibt scharfe Eingangskontrollen. Drohnen werden das Gelände überwachen. Der benachbarte Ronald Reagan Airport wird für mehrere Stunden geschlossen. Der Potomac-Fluss bleibt ebenfalls gesperrt. Zeitgleich finden landesweit Tausende Gegenveranstaltungen unter dem Motto „No King” statt. Dabei soll darin erinnert werden, dass der US-Präsident kein monarchischer Alleinherrscher ist.