Am Hamburger Hauptbahnhof soll am Freitagabend eine 39-jährige Frau wahllos um sich gestochen und nach Angaben von Feuerwehrsprecher Philipp Baumann 18 Menschen im Alter von 19 bis 85 Jahren verletzt haben. Drei Frauen im Alter von 24, 52 und 85 Jahren sowie ein 24 Jahre alter Mann wurden dabei lebensgefährlich verletzt. Alle vier sollen sich nach Angaben der Polizei momentan aber in einem stabilen Zustand befinden. Die anderen 14 Opfer erlitten teils schwere Verletzungen und mussten in umliegende Krankenhäuser gebracht werden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die mutmaßliche Täterin des Messerangriffs hat die Tathandlung vor dem Haftrichter eingeräumt. Das teilte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg am Sonntagmittag auf Anfrage des Hamburger Abendblatts mit.
Messerattacke am Hauptbahnhof: Die 39-Jährige war bis Donnerstag in der Psychiatrie
Laut Polizei liegen keine Anhaltspunkte für ein politisches Tatmotiv vor. „Vielmehr bestehen inzwischen sehr konkrete Hinweise auf eine psychische Erkrankung der Tatverdächtigen“, so Polizeipressesprecher Florian Abbenseth.
Die gebürtige Niedersächsin ist seit 2021 immer wieder polizeilich aufgefallen, wie ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums mitteilte. „Unter anderem erschien sie mehrfach auf Polizeidienststellen und zeigte dabei deutliche Anzeichen einer psychischen Erkrankung.“
Im vergangenen Jahr leitete die Polizei mehrere Strafverfahren gegen die Verdächtige ein, wie das Ministerium weiter mitteilte. Vor dem Messerangriff in Hamburg sei die Frau Anfang Mai hilflos gefunden worden, teilte der Sprecher mit. Ein Gericht habe die Frau dann in eine Psychiatrie eingewiesen. Nach drei Wochen in Behandlung sei sie einen Tag vor der Attacke am Bahnsteig entlassen worden. Nach Auskunft der Klinik gab es zum Zeitpunkt der Entlassung keinen medizinischen Befund, der eine weitere Unterbringung gerechtfertigt hätte.
Die niedersächsischen Behörden haben nach eigenen Angaben keine Hinweise, dass die Verdächtige bei Einsätzen in der Vergangenheit schon mal ein Messer genutzt haben könnte. Auch lägen keine waffenrechtlichen Erlaubnisse vor..
Über ihre Krankheit macht das Ministerium zum Schutz der Persönlichkeitsrechte und wegen der ärztlichen Schweigepflicht keine weiteren Angaben. Bevor jemand aus einer Psychiatrie entlassen wird, werden laut Ministerium verschiedene medizinische, rechtliche und soziale Aspekte abgewogen. Im Zentrum steht die Frage, ob der Patient oder die Patientin nach der Entlassung eine Gefahr für sich oder andere darstellen könnte.
Haftrichter veranlasst Unterbringung in der Psychiatrie
Hinweise darauf, dass die 39-Jährige unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden haben könnte, gebe es keine. Ein Haftrichter hat die Unterbringung der mutmaßlichen Täterin in einer Psychiatrie veranlasst. Der Richter habe einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft Hamburg zugestimmt, teilte die Polizei am Sonnabend mit. Der Unterbringungsbefehl laute auf versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 15 Fällen.
„Der Unterbringungsbefehl bezieht sich auf die Personen, die unmittelbar mit dem Messer verletzt wurden und dadurch Schnitt- oder Stichverletzungen unterschiedlicher Schwere erlitten haben“, erklärte die Polizei in ihrer Mitteilung. Insgesamt seien 18 Menschen in Krankenhäuser gebracht worden - die übrigen erlitten demnach aber andere Verletzungen, „beispielsweise durch einen Sturz oder Schock“. Die gemeinsamen Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei dauern an.
Hamburger Hauptbahnhof: Großkontrolle auf Waffen dauerte bis in die Nacht
Am Sonnabend, nur einen Tag nach dem schrecklichen Messerangriff, starteten Bundespolizei, Landespolizei und die S-Bahn-Wache um 17 Uhr eine Großkontrolle im Hamburger Hauptbahnhof. Zur Einhaltung der Waffenverbotszone waren 75 Sicherheitsmitarbeiter der verschiedenen Behörden und Unternehmen im Einsatz.

Der Schwerpunkt lag am Südsteig des Hauptbahnhofes, es sind waren aber auch mobile Teams im Bahnhof und im Bahnhofsumfeld unterwegs, so ein Polizist vor Ort. Die Großkontrolle dauerte bis 2 Uhr am Sonntagmorgen. Die Einsatzkräfte überprüften 526 Personen.
Messerangriff am Hauptbahnhof Hamburg: Zwei Passanten überwältigen 39-Jährige
Ersten Ermittlungsergebnissen der Polizei zufolge soll die Frau bereits am Südsteg des Hauptbahnhofs mit ihrem Messer hantiert haben, bevor sie auf dem Bahnsteig der Gleise 13/14 auf die dort auf ihre Züge wartenden Menschen einstach.

Zwei Passanten gelang es schließlich, die Frau zu überwältigen und ihr das Messer abzunehmen. Nach Informationen des Abendblatts hat es sich dabei um einen Syrer und einen Tschetschenen gehandelt. Im NDR Hamburg-Journal erzählt der junge Syrer, wie die beiden die Frau überwältigt haben: „Ich bin in ihre Richtung gerannt, mit einem Tschetschenen. Er hat ihr dann ein Bein gestellt und ich habe sie dann am Boden festgehalten und die Polizei gerufen. Ich habe mir Mut gemacht, weil ich gesehen habe, wie Menschen schreiend weggelaufen sind, und ich wollte sie beschützen.“
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat ebenfalls mit dem Syrer gesprochen: Muhammad Al Muhammad ist demnach 19 Jahre alt und stammt aus einem südlichen Vorort von Aleppo. Er kam als Geflüchteter nach Deutschland. Seit September 2022 lebt er nach eigenen Angaben in der Bundesrepublik. Als er am Freitagabend auf den Zug wartet, habe er am Gleis eine Frau gesehen, die mit einem Messer hantiert habe, so erinnert er sich. Viele Menschen seien plötzlich in eine Richtung gerannt. „Ich habe mich entschieden, in die andere Richtung zu rennen und die Frau zu stoppen“, erzählt er.
Eine junge Frau, die die Attacke miterleben musste, sagte einer Abendblatt-Reporterin: „Ich hatte zum Glück keine Kopfhörer drin, deswegen habe ich mitbekommen, wie alle angefangen haben zu schreien. Und dann sind alle weggerannt.“
Frau sticht wahllos am Hamburger Hauptbahnhof um sich – 18 Verletzte
Nach der Bluttat ließ sich die 39-Jährige von einer sogenannten Quattro-Streife (Wachleute der Deutschen Bahn, der Hochbahn sowie Landes- und Bundespolizisten) widerstandslos festnehmen und auf eine Wache abführen. Am späten Freitagabend teilte die Hamburger Polizei mit, dass die „39-jährige Deutsche allein handelnd und offenbar wahllos auf Passanten eingestochen“ hatte. Das Tatmesser sei sichergestellt worden.

Die mutmaßlich verwirrte Frau soll während der Tat nach Abendblatt-Informationen von Überwachungskameras gefilmt worden sein. Abendblatt-Informationen zufolge soll sie wegen psychischer Auffälligkeiten der Polizei bekannt sein. Laut Informationen der „Bild“-Zeitung habe sie in der Vergangenheit bereits Aufenthalte in einer Psychiatrie gehabt. Ein Polizeisprecher wollte sich am frühen Sonnabendmorgen dazu nicht äußern.
Am Tag danach läuft wieder der normale Betrieb auf Gleis13/14. Nichts weist mehr auf die Messerattacke hin, mit der die 39-jährige Frau 18 Menschen verletzt hat.

Messerangriff im Hauptbahnhof Hamburg: Vier Menschen schweben in Lebensgefahr
Der Steintordamm neben dem Bahnhof glich laut Augenzeugen am Freitagabend einem Lazarett. Notärzte behandelten die Verletzten vor Ort. „Hier ist Polizei, so weit das Auge reicht“, so ein Abendblatt-Reporter am Tatort. Die Straße war weiträumig für den Verkehr abgesperrt. Auch ein Großraumrettungswagen der Hamburger Feuerwehr war im Einsatz. Das Kriseninterventionsteam übernahm die Betreuung von Augenzeugen und Opfern. Insgesamt waren 350 Polizisten und noch etwa 60 Bundespolizisten vor Ort. 50 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst kümmerten sich um die Erstversorgung der Opfer und Zeugen.

Messerangriff im Hauptbahnhof Hamburg: Deutsche Bahn äußerst „tiefe Bestürzung“
Der an Gleis 14 stehende ICE 885, der um 18.01 Uhr nach Fulda aufbrechen sollte, wurde von der Bundespolizei geräumt und ist anschließend beschlagnahmt worden. Allerdings wurden im Zug selbst am frühen Abend noch Augenzeugen betreut. Nachfolgende Züge wurden teils auf umliegende Gleise umgeleitet.

Zugreisende aus dem Süden strandeten am Bahnhof Harburg, da viele Züge hier wieder umdrehen mussten. Wie die Metronom Eisenbahngesellschaft gegen 22 Uhr mitteilte, sei davon auszugehen, dass der Hauptbahnhof Hamburg noch bis weit in die Nacht gesperrt bleiben werde. Alle Züge von oder nach Hamburg endeten oder begännen daher in Hamburg-Harburg. Auf „allen Linien des Metronom“ komme es zu „teilweise massiven Verspätungen“.
Am frühen Sonnabendmorgen wurden die Gleise wieder für den Zugverkehr freigegeben. Die Spurensicherung sei abgeschlossen, teilte die Deutsche Bahn (DB) mit. Empfohlen werde aber, alle Bahnverbindungen online zu überprüfen. Nach Angaben einer Bahnsprecherin könne nach derzeitigem Stand am Morgen „wieder alles pünktlich starten“.

Das Unternehmen hat zudem seine „tiefe Bestürzung“ über den Messerangriff im Hamburger Hauptbahnhof geäußert. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Verletzten“, heißt es in einer Mitteilung. .
Messerangriff im Hauptbahnhof: Bundeskanzler Merz telefoniert mit Hamburger Bürgermeister Tschentscher
Kurz nach der Bluttat hatte sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) über den Messerangriff am Hauptbahnhof ausgetauscht. Tschentscher habe Merz in dem Telefonat über die Versorgung der Verletzten und die Situation vor Ort informiert, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit. Merz habe die Unterstützung der Bundesregierung angeboten. Dies bekräftigte der Kanzler später auch noch mit einem Beitrag auf X.
Die Nachrichten aus Hamburg sind bestürzend. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Mein Dank geht an alle Einsatzkräfte vor Ort für ihre schnelle Hilfe. Soeben habe ich mit @TschenPe telefoniert und ihm die Unterstützung der Bundesregierung angeboten.
— Bundeskanzler Friedrich Merz (@bundeskanzler) May 23, 2025
Tschentscher selbst zeigte sich – ebenfalls auf X – schockiert über den Messerangriff. Die Tat sei erschütternd, schrieb er. „Zahlreiche Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Vielen Dank an Polizei und Rettungskräfte für das schnelle Eingreifen.“ Tschentscher fügte an: „Die Täterin ist in Gewahrsam. Ich wünsche den Opfern der Tat viel Kraft und hoffe, dass auch die Schwerverletzten gerettet werden.“
Der Messerangriff am Hamburger Hauptbahnhof ist erschütternd. Zahlreiche Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Vielen Dank an Polizei und Rettungskräfte für das schnelle Eingreifen. https://t.co/Gq6Xg7m9sP
— Peter Tschentscher (@TschenPe) May 23, 2025
Hauptbahnhof Hamburg: Polizeigewerkschafter fordert nach Messerangriff „KI-unterstützte Kameratechnik zur Verhaltenserkennung“
Als Reaktion auf den brutalen Messerangriff äußerte sich auch Andreas Roßkopf, Vorsitzender der Bundespolizei in der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Solche Attentate sind leider nie hundertprozentig zu verhindern“. Allerdings bedürfe es jetzt „dringend“ Kontrollmöglichkeiten an Bahnhöfen für die Bundespolizei – und zwar „flächendeckend“. Außerdem benötigten die Beamten „KI-unterstützte Kameratechnik, die auch Verhaltenserkennung beinhaltet, sodass solche Verhaltensauffälligkeiten im Vorfeld schon erkannt werden könnten.“
Für Betroffene des Messerangriffs bietet die Hamburger Sozialbehörde Hilfe an. Diese könnten sich für eine weiterführende Betreuung beim Hamburgischen Opferbeauftragten Arne Dornquast melden, der mit seinem Team als zentraler Ansprechpartner zur Verfügung stehe. Möglich ist das unter der Telefonnummer 0800 000 7558 oder per E-Mail über opferbeauftragter@soziales.hamburg.de.
Zutiefst betroffen äußerte sich die Grüne Fraktion Hamburg. „Die Geschehnisse gestern Abend am Hauptbahnhof machen uns betroffen und fassungslos. Mehrere Menschen wurden schwer und zum Teil lebensbedrohlich verletzt. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei ihnen und ihren Angehörigen. Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft und hoffe auf eine schnelle und vollständige Genesung aller Verletzten. Mein Dank richtet sich an unsere Hamburger Einsatzkräfte, die gestern schnell vor Ort waren und professionell gehandelt haben. Nun müssen die Hintergründe der Tat aufgeklärt werden“, so Sina Imhof, Vorsitzende der Grünen Fraktion Hamburg.
mit dpa




