Zusammenfassung

  • In Nordkorea kommt es zu einem schweren Unfall bei der Indienststellung des neuen Zerstörers „Choe Hyon“
  • Kim Jong-un verurteilt den Vorfall als „kriminellen Akt“ und kündigt Konsequenzen für die verantwortlichen Beamten an
  • Inzwischen ist es Nordkorea gelungen, „Choe Hyon“ wieder flottzubekommen

Nordkorea hat nach eigenen Angaben den neuen Zerstörer „Choe Hyon“, der im Mai beim Stapellauf in der östlichen Hafenstadt Chongjin gekentert war, erfolgreich wieder flott gemacht. Laut staatlicher Medien wird das beschädigte Schiff jetzt zur Reparatur in ein Trockendock einer anderen Werft gebracht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Nachdem das Gleichgewicht des Zerstörers Anfang Juni wiederhergestellt wurde, hat das Team ihn am Donnerstagnachmittag (5. Juni; Anm.d.Red.) am Pier festgemacht und sicher zu Wasser gelassen“, heißt es in einem Bericht der staatlichen Korean Central News Agency (KCNA).

Ein von Planet Labs am 5. Juni aufgenommenes Satellitenfoto zeigt, dass das ehemals angeschlagene, 5000 Tonnen schwere Schiff aufgerichtet wurde und scheinbar im Wasser schwimmt, weit weg vom Pier, an dem der katastrophale Stapellauf stattgefunden hatte.

Nordkorea-Zerstörer: Experten dachten, es dauere viel länger

Dass das Schiff so schnell wieder fahrtüchtig wurde, hat Schifffahrt-Experten überrascht, die davon ausgingen, dass die Aktion länger dauern würde. „Schiere Arbeitskraft und – seien wir ehrlich – ein innovativer Ansatz, um das Schiff aufzurichten, brachten in zwei Wochen eine Lösung, die Leute wie ich nicht für in vier bis sechs Wochen erwartet hatten“, sagte der Analyst Carl Schuster, ein ehemaliger Kapitän der US Navy, gegenüber CNN.

Aufgrund eines Fehlers wurde im Mai der Heckschlitten des Zerstörers zu früh losgelassen, wodurch er stecken blieb und der vordere Teil des Schiffes feststeckte. Das Ungleichgewicht führte zu Schäden am Rumpf und brachte die gesamte Operation zum Stillstand. Laut KCNA sollen bei dem Missgeschick seien „einige Teile des Bodens des Kriegsschiffs zerdrückt“ worden sein.

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Kim Jong Un spricht von „kriminellen Akt“

Der bei der feierlichen Zeremonie anwesende nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un bezeichnete den Vorfall laut KCNA als „kriminellen Akt, der durch absolute Nachlässigkeit verursacht wurde“ und der „nicht toleriert werden“ könne. Die „unverantwortlichen Fehler“ der zuständigen Beamten würden Thema bei der nächsten Vollversammlung des Zentralkomitees der Partei sein. Ihm zufolge wurde durch den Unfall „die Würde und den Selbstrespekt unseres Staates von einem Augenblick auf den anderen zerstört“.

Nun gibt es offenbar Konsequenzen. Staatlichen Meidenberichten zufolge wurden drei Werftmitarbeiter festgenommen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA wurden die leitenden Angestellten für das Unglück verantwortlich gemacht.

Ende April hatte die Führung in Pjöngjang das Kriegsschiff vorgestellt, das mit Atomwaffen bestückt werden kann. Die „Choe Hyon“ kann Beobachtern zufolge zwei taktische Kurzstrecken-Atomraketen tragen.

Kriegsschiff Nordkorea
Kim Jong-un und seine Tochter bei Raketentests auf dem neuen Zerstörer „Choe Hyon“.© Uncredited/KCNA/KNS/dpa | Uncredited

Nordkorea stebt Besitz von Atomwaffen an

Das diplomatisch weitgehend isolierte Nordkorea strebt nach eigenen Angaben den Besitz von Nuklearwaffen an, um Bedrohungen durch die USA und ihre Verbündeten, darunter Südkorea, entgegenzuwirken. Die beiden Koreas befinden sich technisch gesehen weiterhin im Krieg, da der Konflikt zwischen 1950 und 1953 mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete. Aktuell befinden sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern befinden sich derzeit an einem Tiefpunkt. Kim hatte Südkorea im vergangenen Jahr als „Hauptfeind“ bezeichnet. Nordkorea führt regelmäßig Waffentests aus und verstößt damit gegen UN-Resolutionen.

Die USA und Südkorea werfen Nordkorea zudem vor, Russland mit der Entsendung von mehr als 10.000 nordkoreanischen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Pjöngjang hatte im April erstmals die Entsendung von Truppen nach Russland bestätigt. Analysten zufolge erhofft Kim sich im Gegenzug fortschrittliche Technologie von Moskau sowie Kampferfahrung für seine Soldaten. 

jst/AFP