Er ist Reserveoffizier in der Panzertruppe, gilt als erfahrener Verteidigungspolitiker und war auch schon als Verteidigungsminister im Gespräch: Der neue Wehrbeauftragte Henning Otte, CDU-Abgeordneter aus Niedersachsen, kennt sich mit der Bundeswehr so gut aus wie wenige seine Vorgänger. Am Mittwoch wurde der 56-Jährige vom Bundestag mit Kanzlermehrheit in das Amt gewählt. Schon ab nächster Woche wird Otte mit einem großen Mitarbeiterstab die parlamentarische Kontrolle der Bundeswehr sichern und als Anwalt der Soldaten fungieren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Es ist Zufall, dass wenige Wochen nach dem Start der neuen Bundesregierung auch die Position des Wehrbeauftragten neu besetzt wird: Die Amtszeit von Eva Högl (SPD) läuft regulär nach fünf Jahren am Wochenende ab. Högl hätte nichts gegen eine Verlängerung gehabt, aber die Union pochte auf ihr Vorschlagsrecht: Für CDU-Chef Friedrich Merz ist der Wechsel eine gute Gelegenheit, auch die mächtige Niedersachsen-CDU, die bei den Ministerposten leer ausgegangen war, noch bei der Vergabe einer prestigeträchtigen Aufgabe zu berücksichtigen.
Mehr rund um die Bundeswehr
Otte sagt über die neue Rolle, er werde sich dafür einsetzen, dass die Belange der Soldatinnen und Soldaten in der veränderten sicherheitspolitischen Lage „eine besondere Wertschätzung und Berücksichtigung erfahren“.
Der neue Wehrbeauftragte Henning Otte ist Leutnant der Reserve
Der Christdemokrat sitzt seit 2005 im Bundestag, seit 2009 als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Celle-Uelzen. Er ist ausgebildeter Sparkassenkaufmann und Jurist, arbeitete als Prokurist bei einer Stahlbaufirma. Gleich nach dem Abitur war Otte zwei Jahre Zeitsoldat bei der Bundeswehr, diente beim Panzerbataillon 333 in seiner Heimatstadt Celle und verließ die Truppe als Leutnant der Reserve. Im Bundestag hat er schon seit 2006 einen Sitz im Verteidigungsausschuss, zuletzt war er Vize-Vorsitzender des Gremiums, davor sieben Jahre verteidigungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

Otte hat also die Umbrüche der Bundeswehr – von der Ära großer Auslandseinsätze vor allem in Afghanistan über die Aussetzung der Wehrpflicht bis zur Rückbesinnung auf die Landesverteidigung – politisch aus nächster Nähe begleitet. Er gilt als gut vernetzt, wirbt für mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Bundeswehr und Rüstungsindustrie, zeitweise auch in der Führung der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik. Es fügt sich, dass das Rüstungsunternehmen Rheinmetall Panzer am Standort Unterlüß produziert, der in seinem Wahlkreis liegt.

Seit fast zehn Jahren gehört Otte dem Bundesvorstand der CDU an, bis 2024 war er Mitgliederbeauftragter der Partei. Bodenständig ist der verheiratete Vater von vier Kindern geblieben: Er ist Mitglied im Schützenverein, leidenschaftlicher Hobby-Jäger, wohnt mit der Familie in Bergen-Eversen in der Lüneburger Heide im großen elterlichen Gehöft, das seit 13 Generationen im Besitz der Ottes ist. Bis 2021 war Otte auch Mitglied im Stadtrat von Bergen und stellvertretender Landrat des Landkreises Celle.
Wehrbeauftragte: Kontrolle der Bundeswehr
Das Amt des Wehrbeauftragten hat mit den vielen Beauftragtenposten der Regierung, die in den vergangenen Jahren inflationär zugenommen haben, nichts zu tun. Wehrbeauftragte werden vom Parlament gewählt, nicht von der Regierung bestimmt, ihr Amt ist seit 1956 im Grundgesetz verankert. Ihre Aufgabe ist es, dem Parlament bei der Kontrolle der Bundeswehr zu helfen und darüber zu wachen, dass die Grundrechte der Soldaten eingehalten werden. Dafür kann der oder die Wehrbeauftragte alle Einrichtungen der Bundeswehr jederzeit auch ohne Anmeldung besuchen, Akten des Verteidigungsministeriums einsehen und Berichte anfordern.

Die scheidende Wehrbeauftragte Högl absolvierte allein im vergangenen Jahr rund hundert Truppenbesuche. Soldaten können sich jederzeit direkt an die Stelle wenden, jährlich rund 3000 Eingaben hatten Högl und ihre Mitarbeiter zu bewältigen. Die Öffentlichkeit nimmt vor allem dann Notiz von der Arbeit, wenn der oder die Wehrbeauftragte auf Missstände in der Truppe hinweist, etwa im jährlich vorzulegenden Bericht, in dem die Ausrüstungsmängel der Bundeswehr seit Langem eine tragende Rolle spielen.
Otte kommt zupass, dass er sich seit Längerem für höhere Verteidigungsausgaben eingesetzt hat. Ein anderes Thema dürfte ihn während der gesamten Amtszeit beschäftigen: Der neue Wehrbeauftragte befürwortet die Rückkehr zur verbindlichen Wehrpflicht.








