Über drei Jahrzehnte soll sie unter falscher Identität im Untergrund gelebt haben, nun steht Daniela Klette als mutmaßliche RAF-Terroristin vor Gericht. Im Prozess sagte am Dienstag ein Zielfahnder des Landeskriminalamtes Niedersachsen aus und schilderte, wie die Polizei die 65-Jährige im Februar dieses Jahres in Berlin-Kreuzberg festnahm.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Demnach war es zunächst nicht mehr als eine routinemäßige Überprüfung. Der Beamte war einem Hinweis aus der Capoeira-Szene gefolgt. Ein Meister der brasilianischen Tanzkampfkunst hatte eine Frau namens Claudia gemeldet, die regelmäßig in bar ihre Vereinsbeiträge zahlte – und die ihm verdächtig vorkam.
Festnahme von Daniela Klette: Ermittler erkannte sie erst später
Die Spur führte in ein Mietshaus in der Sebastianstraße in Berlin-Kreuzberg. Als die Polizei dort an die Tür klopfte, habe Klette zunächst ihre Wohnungstür geöffnet, sie dann aber noch mal geschlossen, um ihren bellenden Hund wegzusperren. Klette bat außerdem darum, vor der Fahrt zur Identitätsfeststellung auf die Toilette gehen zu dürfen – was ihr gewährt wurde. In ihrem italienischen Ausweis stand der Name Claudia Bernardi.

Dass es sich um die lange gesuchte frühere RAF-Terroristin handeln könnte, habe der Zielfahnder erst später realisiert – als Klette bereits auf der Polizeiwache in der Warteschlange stand. „Es ärgert mich selber“, sagte der 42-Jährige rückblickend.
Diese Fragen soll Klette auf der Polizeiwache gestellt haben
Im Polizeigebäude habe Klette begonnen, persönliche Fragen zu stellen: Ob ihre Mutter noch lebe, wie es ihrer Schwester gehe, und wer sich nun um ihren Hund kümmern könne. Nach der Identitätsfeststellung, die sehr lange gedauert habe, sei sie schließlich festgenommen worden. Auf dem Weg durch den Wartebereich der Polizeiwache soll Klette schließlich sinngemäß gerufen haben: „Ich bin Daniela Klette von der RAF. Ich bin festgenommen.“
Klette wird wegen einer Serie schwerer Raubüberfälle angeklagt, unter anderem wegen versuchten Mordes. Sie soll gemeinsam mit ihren mutmaßlichen Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg Bankfilialen und Geldtransporter überfallen haben. Die beiden Männer befinden sich weiterhin auf der Flucht. Klette selbst weist die Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Aus Sicherheitsgründen findet der Prozess nicht wie ursprünglich vorgesehen am Landgericht Verden, sondern am Oberlandesgericht Celle statt. Dort wird in den kommenden Wochen weiter über die mutmaßliche Vergangenheit der Frau verhandelt, die jahrzehntelang unter dem Namen Claudia in Berlin lebte.




