„Überleg zweimal, Nazi!“, schrieb Dmitri Medwedew, der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, in Richtung Friedrich Merz. Markige Worte auch von Maria Sacharowa, der Sprecherin des russischen Außenministeriums: Sollten Taurus-Raketen gegen Infrastrukturziele in Russland eingesetzt werden, wird dies „als direkte Beteiligung der BRD an militärischen Aktionen aufseiten des Kiewer Regimes mit allen sich daraus für Deutschland ergebenden Konsequenzen betrachtet.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Würde die umstrittene Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine in Russland als Kriegserklärung gesehen? Drohen gar Raketenangriffe auf Berlin? Ganz sicher nicht. Doch die neu aufgeflammte Debatte um den Taurus wird im Moskauer Kreml aufmerksam beobachtet. Putins Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete den designierten Bundeskanzler Merz als „Befürworter einer härteren Haltung“. Peskow gegenüber Journalisten: „Leider sind die europäischen Hauptstädte tatsächlich nicht geneigt, einen Weg zu Friedensverhandlungen zu suchen, sondern neigen eher dazu, die Fortsetzung des Krieges weiter zu provozieren.“

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Die Haltung von Merz zu Taurus wird in Russland breit diskutiert

Die neue Diskussion um den Taurus wird auch in der russischen Presse ausführlich kommentiert. „Treibt Merz Deutschland in eine Konfrontation mit Russland?“, fragt die „Nesawissimaja Gaseta“. Und die Zeitung „Kommersant“ ergänzt: Merz wolle sich „nach seinem Amtsantritt an die Spitze der europäischen Bemühungen um den Erhalt der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine stellen.“ Schon seit Kriegsbeginn sei „Merz deutlich militärischer eingestellt als der amtierende sozialdemokratische Bundeskanzler Olaf Scholz.“

Für die russische Luftverteidigung wäre der Taurus ein schwieriges, möglicherweise aber beherrschbares Ziel. Sicher ist: Eine Wunderwaffe, ein Gamechanger, wäre der Taurus nicht. Seit der von russischer Seite geleakten Telefonkonferenz hochrangiger Bundeswehr-Offiziere weiß man mehr über die Funktionsweise des Marschflugkörpers, der mit hoher Geschwindigkeit dicht über dem Erdboden fliegt. Programmiert werden müsste er mit streng geheimen Aufklärungsdaten, über die nur die USA verfügen.

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Deutsche Soldaten in der Ukraine zur Taurus-Bedienung sind ausgeschlossen

Ob die Trump-Administration diese weitergeben würden, das ist fraglich. Aufhängungsvorrichtungen für ukrainische Kampfflugzeuge müssten erst entwickelt werden, die Ausbildung ukrainischer Soldaten würde Monate dauern. Und Soldaten der Bundeswehr vor Ort, die den Taurus programmieren? Schwer vorstellbar. Ein Auslandseinsatz würde einen Bundestagsbeschluss erfordern. De facto wäre Deutschland dann in der Tat Kriegspartei.

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Obwohl es rote Linien gibt, etwa ein Taurus-Angriff auf Moskau oder die Zerstörung der Krim-Brücke: Die Debatte um den Taurus ist für Russland weniger militärisch als politisch von Bedeutung. Die Lieferung „wäre es ein sehr kurzsichtiger Schritt“, meint Sergej Netschajew, Russlands Botschafter in Berlin. „Sie würde zu keinerlei Veränderungen auf dem Schlachtfeld führen.“ Aber: Dies könnte „eine völlig neue Qualität in unseren Beziehungen zu Deutschland bedeuten, denn ukrainische Soldaten sind unseres Wissens nach, und das geben auch ausländische Militärexperten zu, nicht in der Lage, diese Langstreckenwaffen zu bedienen.“ Unklar, ob das wirklich so ist.