Drei Jahre jeden Monat 1200 Euro einfach so bekommen? Für 122 Teilnehmende einer Studie des Vereins „Mein Grundeinkommen e. V.“ wurde das Wirklichkeit. Einer der Teilnehmenden ist Dominic Schiffer (28) aus Rostock. Wir haben mit dem Rettungssanitäter über seine Erfahrungen mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gesprochen.
Wie haben sich die drei Jahre mit dem bedingungslosen Grundeinkommen bei Ihnen ausgewirkt? Was haben Sie mit dem Geld gemacht?
Dominic Schiffer: Am Anfang war das superkomisch, monatlich 1200 Euro zusätzlich zu bekommen. Erst habe ich mich sehr über das Geld gefreut. Dann wurde mir aber klar, dass ich damit doch nicht die großen Sprünge machen kann wie erst gedacht. Ich habe daher das Geld eingeteilt: Ich habe meinen Auto-Kredit abbezahlt, was fürs Alter beiseitegelegt und einen Teil habe ich in Versicherungen investiert. Aber auch für Urlaube und andere teure Dinge des Alltags, beispielsweise eine neue Spülmaschine, habe ich das Geld benutzt. Der Verein hat extra gesagt, wir Probanden sollen mit dem Geld machen, worauf wir Lust haben. Wir haben keine Einschränkungen bekommen. Lediglich alle sechs Monate mussten wir angeben, wofür wir das Geld verwendet haben.
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Wie schätzen Sie das bedingungslose Grundeinkommen ein? Hat das Zukunft?
Schiffer: Zum einen ist es so, dass ich finanzielle Freiheit erleben durfte. Das hat mein Leben leichter gemacht. Ich wünsche es jedem, dass er das mal erleben kann. Die Frage ist aber auch, ob es deutschlandweit umsetzbar ist und ob das Sinn ergeben würde. Und ich würde sagen: eher nicht.

Wieso?
Schiffer: Das Geld muss irgendwo herkommen. Nicht alle werden zusätzlich arbeiten gehen. Dafür müssten die arbeitenden Menschen höhere Steuern zahlen.
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Manche Modelle sehen aber auch vor, dass Bezieher vom bedingungslosen Grundeinkommen keine weiteren Sozialleistungen erhalten.
Schiffer: Ja, bestimmt, es gibt da verschiedene Modelle. Mit dem Modell, das ich kennengelernt habe, soll auf das Grundeinkommen keine Steuer erhoben werden. Jemand, der nur davon lebt, würde dann weniger Steuern zahlen, als jemand, der arbeiten geht und das Grundeinkommen des anderen mitträgt. Das finde ich doch ein wenig unfair.

Was ist Ihr Fazit?
Schiffer: Ich habe die Erfahrung gemacht, wie es ist, einfach leben zu können. Arbeiten gehen war auf einmal kein Muss mehr, um über die Runden zu kommen und etwas zu essen zu haben. Und dadurch, dass ich dieses Gefühl erlebt habe und es ein absolut positives ist, würde ich es jedem gönnen, das auch einmal zu erleben.
Studien-Ergebnisse durchweg positiv
Der Verein „Mein Grundeinkommen e. V.“ hat am Mittwochmorgen, 9. April, die Studienergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Sorge von Dominic Schiffer, dass sich Menschen in eine soziale Hängematte legen, könne in der Studie nicht bestätigt werden. So habe keiner der Studienteilnehmenden die Arbeit niedergelegt. Arbeit sei nicht mehr allein das Mittel zum Broterwerb, und die Probanden sollen der Arbeit sehr viel mehr Bedeutung zugeordnet haben.
Gleichwohl könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich dieser Effekt auf den von vornherein begrenzten Auszahlungszeitraum zurückschließen lässt. Psychologisch sei aber der Planungshorizont der Menschen von 20 bis 40 Jahren bei zwei Jahren, sodass die Studienphase länger sei. Drei Jahre seien demzufolge lang genug, einen Job aufzugeben und auch wieder Arbeit aufzunehmen.
37 Prozent des ausgezahlten Geldes hätten Probanden gespart. Dadurch habe sich das Vermögen der Teilnehmenden vergrößert. Die Probanden hätten auch mehr in Freunde und Familie investiert, sowohl finanziell als auch zeitlich.
Positive Auswirkungen soll das Grundeinkommen auch auf die mentale Gesundheit gehabt haben. Auch nach der letzten Auszahlung sei diese Auswirkung messbar gewesen.
Die Studie sei nicht repräsentativ für Deutschland.





