Es war durchaus deutliche Kritik, die US-Vizepräsident JD Vance bei seiner Grönland-Visite äußerte: „Unsere Botschaft an Dänemark ist sehr einfach: Sie haben keine gute Arbeit für die Menschen in Grönland geleistet“, befand Vance am Freitag auf der US-Militärbasis in Pituffik. Die dänische Regierung habe „zu wenig in die Menschen in Grönland“ investiert. In die Sicherheitsarchitektur ebenso. Das müsse sich ändern.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Sätze kommen in Dänemark nicht besonders gut an, auch wenn Vance beteuert hatte, die US-Regierung wolle die Selbstbestimmung der Menschen in Grönland respektieren und sich lediglich um die Sicherheit der Insel kümmern.

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte im Anschluss an Vance Bemerkungen, Dänemark sei ein guter und starker Verbündeter, der den USA viele Jahre zur Seite gestanden habe. Dabei bezog sie sich auf die dänischen Kampfeinsätze an der Seite der US-Truppen im Irak und in Afghanistan. Deshalb sei die Art und Weise, wie der US-Vizepräsident über Dänemark spreche, nicht gerecht.

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„Wir schätzen diesen Ton nicht“

Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen schaltete dann einen Gang höher. In einem auf Englisch aufgezeichneten Video sagte Rasmussen: „Wir sind offen für Kritik, aber um ehrlich zu sein, schätzen wir den Ton nicht, in dem sie formuliert wurde.“ So rede man nicht mit Verbündeten. Lökke Rasmussen wies die Vorwürfe zurück und verband dies mit einem Verhandlungsangebot an die USA.

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„Das Verteidigungsabkommen von 1951 bietet den USA zahlreiche Möglichkeiten, eine stärkere Militärpräsenz auf Grönland zu haben“, sagte er. „Wenn es das ist, was Sie wollen, lassen Sie uns darüber reden.“

Der Außenminister erinnerte daran, dass die Vereinigten Staaten 1945 noch 17 Stützpunkte und andere Militäreinrichtungen mit tausenden Soldaten in Grönland unterhalten hätten. Wenn sie ihre Präsenz nun wieder ausweiten wollten, sei auch „viel mehr“ möglich.

Der Militärstützpunkt Pituffik ist ein Vorposten der US-Luftabwehr gegen Raketenangriffe vor allem aus Russland. Die kürzeste Distanz für russische Raketen gegen Ziele in den USA führt über Grönland.

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Trump will Grönland haben

Die größte Insel der Welt, ist wegen ihrer geografischen Lage zwischen den USA und Russland, aber auch wegen ihrer Bodenschätze, von strategischer Bedeutung. In der Region verlaufen zudem wichtige Schifffahrtsrouten. Wiederholt hatte US-Präsident Donald Trump in der Vergangenheit Ansprüche auf Grönland erhoben.

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Während sein Vize vor Ort war, sagte Trump dass die Insel unbedingt zu den USA gehören sollte. „Wir brauchen Grönland“, sagte Trump in Washington. „Wir haben keine andere Wahl.“ Für die internationale Sicherheit und den Weltfrieden sei es sehr wichtig, „dass wir Grönland haben“. 

Grönland steht zusammen gegen USA

Die Grönländer selbst hatten am Freitag Geschlossenheit gegenüber den USA demonstriert. Vier der fünf Parlamentsparteien unterzeichneten in der Hauptstadt Nuuk einen Vertrag zu einer breit aufgestellten Regierungskoalition, mit der sie dem Druck aus den USA standhalten wollen.

Das Signal, ausgesendet nur wenige Stunden vor Vance‚ Ankunft, war klar: Grönland steht zusammen. Die neue Koalition um den künftigen liberalen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen muss nun noch vom Parlament bestätigt werden, was als Formsache gilt.

Demonstranten in Nuuk haben eine klare Meinung zur US-Begierde.
Demonstranten in Nuuk haben eine klare Meinung zur US-Begierde.© Christian Klindt Soelbeck/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa

Der Reise des US-Vizes ging einiges an Hin und Her voraus. Ursprünglich sollte Usha Vance ohne ihren Mann nach Grönland reisen. Auf der Agenda stand auch der Besuch eines Hundeschlittenrennens im Ort Sisimiut. Diese Pläne wurden vorab umfassend abgeändert, was auch mit der Abweisung durch die grönländische Politik sowie der Inselbevölkerung selbst zu tun haben dürfte.

Rund um die ursprüngliche Reise waren neue Proteste gegen die USA geplant gewesen, denen das Vizepräsidentenpaar nun aus dem Weg ging. Bereits bei einer früheren Demonstration war auf einem Banner die unmissverständliche Botschaft „Yankee, go home!“ zu lesen gewesen.