Eine Handgranaten-Attrappe, Handschellen, Sturmhauben, ein Kilogramm Gold, mehr als 240.000 Euro Bargeld und von den Behörden als „Kriegswaffen“ bezeichnete Schusswaffen: Das alles fanden Ermittler, als sie die Wohnung der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette durchsuchten. Doch vor Klettes Festnahme Ende Februar 2024 lebte sie nicht das Leben einer Flüchtigen. Sie tanzte, gab Mathe-Nachhilfe – und das mitten in Berlin.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nun steht die 66-jährige Klette von Dienstag an wegen versuchten Mordes, unerlaubten Waffenbesitz und 13 Raubüberfällen vor dem Landgericht Verden in Niedersachsen. Aus Sicherheitsgründen beginnt die Verhandlung im Staatsschutzsaal in Celle. Klettes mutmaßliche Komplizen, die ehemaligen RAF-Mitglieder Ernst-Volker Staub (70) und Burkhard Garweg (56), sind noch auf der Flucht.
Nach Jahrzehnten im Untergrund werden sich im Prozess alle Augen auf Klette richten. Die Anklageschrift soll laut Gericht mehr als 600 Seiten umfassen. Doch worum genau wird es in dem Prozess gehen?
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Klette, Garweg und Staub: RAF-Trio überfiel Geldtransporter
Spätestens 1990 verschwand Klette von der Bildfläche. In ihrer Wohnung in Berlin-Kreuzberg führte sie nach außen hin ein normales Leben. Nachbarn schildern „Claudia“ als freundliche, grauhaarige Nachhilfelehrerin Mitte 60 mit einem langen Zopf und einem Hund.
Was sie bis zur Festnahme im Februar 2024 nicht ahnten: Die Frau aus dem fünften Stock soll an einer Reihe von ebenso spektakulären wie professionellen Raubüberfällen beteiligt gewesen sein. Mit ihren mutmaßlichen Komplizen Staub und Garweg soll sie zwischen 1999 und 2016 Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein überfallen haben, um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erbeutete das Trio 2,7 Millionen Euro.

Bei den Überfällen sollen die ehemaligen Terroristen auch nicht vor Gewalt zurückgeschreckt haben. Laut Anklage sollen sie ihre Opfer mit Elektroschockern oder Schusswaffen bedroht haben. So auch bei einem Überfall auf einen Geldtransporter in Stuhr nahe Bremen im Juni 2015: Ein Maskierter schoss mit einem Schnellfeuergewehr dreimal auf das Fahrzeug, eine Kugel drang in die Fahrerkabine ein und blieb in der Lehne stecken. Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als versuchten Mord.
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Staatsanwaltschaft: Diese Beweise liegen gegen Klette vor
Die Überfälle waren nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft monatelang geplant, nichts wurde dem Zufall überlassen. So entdeckten die Ermittler lange Zeit keinen Zusammenhang zwischen den Taten. Bis DNA-Spuren auftauchten, 2015 nahm das niedersächsische Landeskriminalamt eine Zielfahndung nach Klette, Garweg und Staub auf. Von den beiden Komplizen fehlt nach der widerstandslosen Festnahme der von Klette in Berlin weiter jede Spur.
Auf der Suche nach Beweisen nahmen die Ermittler die Wohnung der Angeklagten auseinander und bauten sie in Hannover wieder auf. Dort fanden sie unter anderem die Waffen, das Geld, das Gold sowie digitale Medien und Fotos.
Und dann gibt es noch die DNA-Spuren von Klette an Fluchtfahrzeugen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 66-Jährige am Steuer saß. Für die Verteidigung jedoch kein eindeutiges Indiz: Es handle sich um sehr komplexe Mischspuren, die theoretisch auch schon Wochen vor den Überfällen hinterlassen worden sein konnten.
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Anklage zu RAF-Anschlägen erwartet
„Ja, es wird wohl so sein, dass Frau Klette irgendetwas mit den Überfällen zu tun hatte“, räumte Anwältin Undine Weyers kurz vor dem Prozess in einem Interview der „taz“ ein. „Aber es gibt keinen einzigen Beweis, dass sie an einem der Tatorte war oder welche Rolle sie dabei hatte.“ Klette selbst werde sich über ihre Verteidigung am ersten Prozesstag äußern, jedoch nicht zu einzelnen Vorwürfen.
Ob die mutmaßliche Raubserie vor Gericht aufgeklärt werden kann, bleibt abzuwarten. Zu den Strukturen und Taten der RAF wird es voraussichtlich nur wenige Einblicke geben. Zu diesem Komplex wird eine weitere Anklage erwartet. Dann könnte es unter anderem um Klettes mögliche Rolle bei Anschlägen auf die Deutsche Bank 1990, die US-Botschaft in Bonn 1991 und ein hessisches Gefängnis 1993 gehen. Die Mitgliedschaft in der terroristischen RAF an sich ist laut Bundesanwaltschaft inzwischen verjährt.
Für die Verhandlung der Raubüberfälle hat das Landgericht Verden zunächst Termine bis Dezember festgelegt - doch der Prozess wird vermutlich deutlich länger dauern.
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Klette war Teil der dritten Generation der Roten Armee Fraktion
Die gebürtige Karlsruherin soll seit 1975 in der linksextremistischen RAF aktiv gewesen sein. Klette wird wie Garweg und Staub der sogenannten dritten Generation der linksextremistischen Rote Armee Fraktion zugerechnet. Diese Organisation war über Jahrzehnte der Inbegriff von Terror und Mord in Deutschland. 1998 erklärte die RAF ihre Auflösung.
In der aktiven Zeit der dritten Generation wurden der damalige Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991) ermordet. Mutmaßlich 34 Morde beging die RAF. Bis heute ist kaum eine Tat aufgeklärt.
Laut LKA erhielt die Polizei im November 2023 einen Hinweis aus der Bevölkerung. Danach wurde nach Klette gefahndet und sie beobachtet. Die Festnahme in ihrer Wohnung in Berlin-Kreuzberg erfolgte am 26. Februar 2024. Journalisten hatten parallel mit einem Gesichtserkennungs-Programm im Internet Klette aufgespürt. Während ihrer Festnahme soll sie Garweg noch gewarnt haben, der sich dann absetzen konnte.
os/dpa







