Seit Monaten gehen in Serbien Bürgerinnen und Bürger auf die Straßen, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Als Auslöser gilt das Bahnhofsunglück von Novi Sad, bei dem im November 15 Menschen unter einem einstürzenden Vordach starben. Und nachdem Proteste gegen Korruption und Regierungsversagen von dieser gewaltsam niedergeschlagen wurden. Auch am vergangenen Wochenende kam es wieder zu Massenprotesten – und einer rätselhaften Szene.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Auf einem Video, das sich rasch bei Social Media verbreitete, war zu sehen, wie Menschen binnen Sekunden wie aus dem nichts eine Straße räumen. Die demonstrierenden Studenten berichteten hinterher über ohrenbetäubende Geräusche, vergleichbar mit denen eines Flugzeugs oder einer Rakete. Etliche Teilnehmer wurden serbischen Medien zufolge mit Hörproblemen im Krankenhaus behandelt. Schnell wurde ein Verdacht laut: Hier wurde eine Schallwaffe gegen Demonstranten eingesetzt. Unsichtbar, aber mit fatalen Folgen.

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Serbien: Opposition identifiziert Schallwaffe LRAD

Schallwaffen nutzen, wie das Wort schon verrät, Schallwellen als Waffe. Die akustische Energie wird dabei verwendet, um Gegner zu desorientieren, handlungsunfähig zu machen oder zu verletzen. Infraschallwaffen können Übelkeit und Angst auslösen, Ultraschallwaffen starke Schmerzen und Hörschäden verursachen. In Serbien sollen sogenannten Long-Range Acoustic Devices eingesetzt worden sein. Sie erzeugen ein extrem lautes Geräusch – lauter als ein startendes Flugzeug. Das erzeugt in der Regel unmittelbar Schmerzen im Ohr und löst einen Fluchtreflex aus. Im Extremfall können durch die Waffen auch innere Organe geschädigt werden.

Proteste in Serbien
Ein Demonstrant zündet eine Fackel während einer Großkundgebung gegen den populistischen serbischen Präsidenten Vucic und seine Regierung in der Innenstadt von Belgrad.© DPA Images | Armin Durgut

Innenminister Ivica Dacic bestritt zunächst, dass Serbiens Ordnungskräfte über entsprechende Geräte verfügten, räumte aber am Dienstag ein: Seine Regierung besitze seit 2021 sogar mehrere. Zum Einsatz seien diese bislang jedoch nicht gekommen. Die serbische Oppositions-Abgeordnete Marinika Tepic ist anderer Meinung. Ihren Angaben zufolge verfügen Serbiens Behörden über mindestens sieben solcher umstrittenen Geräte. Tepic sprach am Mittwoch von Folter. Sie veröffentlichte ein Foto, das ein Polizeiauto mit Schallkanone vor dem serbischen Parlament zeigen soll. 

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Tatsächlich ist der Einsatz von Schallwaffen oft schwer nachzuweisen. Neben extrem lauten Schallwaffen, gibt es auch solche, die auf leisen Frequenzen senden und Unwohlsein verursachen. Schallwaffen wurden auch vor der Küste Somalias gegen Piraterie eingesetzt. Außerdem wurden sie an den EU-Außengrenzen verwendet, um flüchtende Menschen davon abzuhalten, in die EU zu gelangen.

lro mit kna