• Seit dem 1. Oktober hat die Heizperiode offiziell begonnen
  • Viele Verbraucher stellen sich die Frage: Wie lassen sich Heizkosten senken?
  • Ein Experte erklärt, welche Einsparmöglichkeiten die KI bietet

Eine Heizung, die sich selbst optimiert und so Geld spart? Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz macht es möglich. Schornsteinfeger und Energieexperte Julian Schwark erklärt, wie das funktioniert und welche Chancen der flächendeckende Einsatz noch bietet.

Herr Schwark, sind deutsche Heizungen aktuell zu dumm?

Julian Schwark: Das glaube ich nicht. Man muss unterscheiden zwischen Künstlicher Intelligenz und Regelungstechnik. Moderne Heizungssysteme nutzen in ihrer Regelungstechnik schon viele Algorithmen, die den Betrieb optimieren. Die Heizkurve zum Beispiel oder Wochen- und Tagesprofile können neue Anlagen selbst einstellen. Aber es gibt auch Dinge, die KI besser kann.

Was kann KI im Heizungskeller?

Schwark: Informationen aufnehmen und „verstehen“. Ein Beispiel: Wenn ich die nötigen Sensoren im Haus habe, dann können auch Heizungen ohne KI feststellen, wenn irgendwo ein Fenster geöffnet wird, und entsprechend die Temperatur runterdrehen. Eine Heizung, die mit KI arbeitet, kann aber auch registrieren, wenn das jeden Morgen um 8 Uhr passiert – und dann im Voraus darauf reagieren. Es gibt aber auch kleinere KI-basierte Anwendungen, für die man nicht die Sensoren einer Smart-Home-Ausstattung braucht. Die Heizung leitet dann einfach die Messdaten aus dem Betrieb, die sowieso erhoben werden, an den Hersteller oder einen Dienstleister weiter. Dort werden diese Daten mit Informationen von anderen Anlagen zusammengeführt und analysiert. Daraus kann man dann zum Beispiel voraussagen, ob demnächst bei der eigenen Heizung ein Bauteil kaputtgehen wird und ersetzt werden muss. Das reduziert Ausfälle und verbessert die Effizienz.

Wie groß ist das Einsparpotenzial im Vergleich zu nicht KI-basierten Verbrauchsoptimierungen?

Schwark: Es gibt eine neue Studie vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Da wurde untersucht, was KI beim Betrieb von Wärmepumpen bringt – das Institut kam auf 5 bis 13 Prozent Energie-Einsparungen. Das ist für mich plausibel. Selbstlernende Systeme können sich nicht nur besser auf Nutzergewohnheiten einstellen, sondern zum Beispiel auch auf Wettervorhersagen reagieren.

Es gibt Anbieter, die behaupten, in Mehrfamilien-Bestandsgebäuden allein durch einen KI-optimierten hydraulischen Abgleich bis zu 40 Prozent der Heizenergie sparen zu können. Klingt das für Sie glaubhaft?

Schwark: Ich halte das zumindest für möglich, wenn das Gebäude vorher sehr schlecht betrieben wurde. Bevor man sich so etwas holt, ist auf jeden Fall eine Energieberatung sinnvoll, um zu wissen, ob das für das eigene Gebäude infrage kommt.

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Werden künftig alle neuen Heizungen KI-optimiert?

Schwark: KI wird in immer mehr Bereichen Einzug halten, das gilt auch für den Heizungskeller. Wichtig wäre zu wissen, ob der Energieverbrauch durch den Einsatz von KI am Ende kleiner ist als die Einsparungen. Und generell gilt: Es ist nicht im Sinne von Suffizienz, jetzt Öl- und Gaskessel unbesehen rauszuschmeißen. Man kann jede ältere Anlage zumindest überprüfen und unterstützen. Allein damit kann man oft viel holen.

Gibt es Risiken beim Einsatz von KI in der Heizungstechnik?

Schwark: Ich sehe eher Chancen. Wir elektrifizieren immer mehr, das ist eine Herausforderung für die Netze. Intelligente Heizungen können dazu beitragen, das Netz zu entlasten, wenn sie zum Beispiel im richtigen Moment Solarstrom in den Pufferspeicher statt ins Netz leiten.

Dieser Artikel erschien erstmals im März 2025.