- Sie gilt als meinungsstark und durchsetzungsfähig: Julia Klöckner
- In der kommenden Legislaturperiode soll sie Bundestagspräsidentin werden
- Doch die CDU-Frau lieferte sich in der Vergangenheit einige Fehltritte
Überparteilich, angesehen, durchsetzungsstark: Das sind einige Anforderungen an die Besetzung für das zweithöchste Amt im deutschen Staat. Als Chef der größten Fraktion im neuen Bundestag ist es die Aufgabe von Friedrich Merz, einen Vorschlag für den Posten des Bundestagspräsidenten zu machen. Seine Wahl ist gefallen auf Julia Klöckner. Die 52-jährige Rheinland-Pfälzerin soll in der neuen Legislaturperiode die Sitzungen des Bundestags leiten.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Seit dem Wahlsieg der Union gab es viele Gedankenspiele über die Verteilung der wichtigen Posten unter den möglichen Kandidatinnen und Kandidaten von CDU und CSU. Ein Name, der dabei immer wieder fiel, war der von Julia Klöckner. Als frühere Landwirtschaftsministerin unter Angela Merkel verfügt die CDU-Politikerin über Regierungserfahrung, Klöckner galt daher als mögliches Kabinettsmitglied auch in der Regierung eines Kanzlers Merz.

Julia Klöckner war Weinkönigin und Chefin des „Sommelier-Magazins“
Zuletzt kam in der Union die Sprache jedoch immer öfter auf Klöckner, wenn es um die Nachfolge von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) ging. Der Posten sollte der Möglichkeit nach mit einer Frau besetzt werden. Der in Bad Kreuznach geborenen Tochter einer Winzerfamilie trauen viele zu, die Sitzungen in einem Bundestag zu leiten, in dem es mit einer stark angewachsenen AfD-Fraktion künftig noch rauer zugehen dürfte. Denn als durchsetzungsstark gilt Klöckner.
weitere Videos
1995 war sie Deutschlands Weinkönigin, das wurde in der Vergangenheit immer wieder als Ausweis fehlenden politischen Gewichts gegen Klöckner ins Feld geführt. Nach ihrem Studium der Theologie, Politikwissenschaft und Pädagogik in Mainz arbeitete sie als freie Mitarbeiterin beim SWR-Fernsehen, bevor sie Redakteurin der Zeitschrift „weinwelt“ und schließlich Chefredakteurin des „Sommelier-Magazins“ wurde.
Julia Klöckner: Als Ministerin veröffentlichte sie ein umstrittenes Nestlé-Video
Von der Weinkönigin in die Spitze der Bundespolitik: Viele Karrieren in der Politik – und besonders in der CDU – verlaufen anders. Dass Klöckner dennoch ihren Weg als CDU-Landeschefin, als Kandidatin für das Amt der Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz (wenn auch zweimal erfolglos), als stellvertretende Parteivorsitzende und als Bundesministerin ging, zeugt von ihrer Willenskraft.
Auch interessant
Aber ist Klöckner ausreichend überparteilich und angesehen für das höchste Staatsamt nach dem Bundespräsidenten? Aus ihrer Zeit als Landwirtschaftsministerin ist ein Video in Erinnerung, in dem Klöckner ganz im Stile einer bezahlten Influencerin den Lebensmittelkonzern Nestlé dafür pries, Zucker, Salz und Fett in seinen Produkten zu reduzieren.
Klöckner löschte Post in Sozialen Medien zur AfD
Überhaupt Klöckner und die sozialen Medien: Bei der SPD, dem voraussichtlichen Koalitionspartner der Union, rollen manche genervt bis entsetzt die Augen, wenn die Sprache auf die Posts der CDU-Politikerin kommt. Von Fake News ist dann die Rede.
Sicher ist: Klöckner schießt Klöckner in den Sozialen Medien bisweilen ganz wie Lucky Luke schneller als ihr Schatten. Aber nicht jede Äußerung ist treffsicher. Anfang des Jahres stellte Klöckner eine Botschaft an AfD-Sympathisanten ins Netz. „Für das, was ihr wollt, müsst ihr nicht die AfD wählen. Dafür gibt es eine demokratische Alternative: die CDU“, hatte Klöckner verbreitet. Die CDU macht also AfD-Politik? Klöckner löschte die Aussage. Typisch Klöckner, sagten ihre Kritiker. Als Bundestagspräsidentin müsste Klöckner ihre Worte weiser wählen.






