Vorweg gesagt: Eine zahlungskräftige Verwandtschaft hilft. Denn wer einen Führerschein machen will, braucht zunächst einmal Geld. 4000 Euro können schnell zusammenkommen. Also an dieser Stelle ein Appell an Eltern, Großeltern, Patenonkel und -tanten: Legt frühzeitig was zurück, damit ihr nachschießen könnt, wenn es mit der Theorie nicht klappt, wenn der Prüfer gemein ist, wenn ein Wechsel der Fahrschule die einzige Lösung ist. Denn die Statistik zeigt: Der Führerschein ist alles andere als ein Selbstläufer. So fallen etwa in Berlin in der Theorie fast die Hälfte der Prüflinge durch, in der Praxis ist es jeder Dritte.

Birgitta Stauber
Birgitta Stauber, Textschefin der Zentralredaktion© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Offenbar ist für viele junge Leute der Führerschein eine größere Hürde als die Abiturprüfung oder der Abschluss nach der Ausbildung. Und da stellt sich natürlich die Frage, warum es die Fahrschulen nicht schaffen, ihre Prüflinge in angemessener Zeit zu einem angemessenen Betrag zum Führerschein zu verhelfen. Ansonsten müsste man ja zum Schluss kommen, die Führerschein-Anwärterinnen und -Anwärter sind zu großen Teilen zu dumm, zu faul und/oder zu unfähig.

Fahrschulen: Was leisten sie eigentlich für ihr Geld?

Angesichts der dramatischen Durchfallzahlen, die ebenso stetig steigen wie die Kosten, wird es Zeit, auf den Unterricht zu blicken. Ist er überhaupt wert, dafür zu zahlen? Wie ist das didaktische Konzept? Sitzen Anwärter nur ihre Zeit ab und lernen per App, ohne wirklich zu verstehen? Und dann die Fahrstunden. Wie kommt es, dass mitunter zwischen den Terminen mehrere Wochen liegen? Und wer überprüft eigentlich die Fahrlehrer? Werden sie ausreichend geschult im Umgang mit Fahranfängern?

In der Autofahrernation Deutschland machen immer mehr Menschen ihren Führerschein – und immer mehr Menschen fallen durch die Prüfung.
In der Autofahrernation Deutschland machen immer mehr Menschen ihren Führerschein – und immer mehr Menschen fallen durch die Prüfung. © dpa | Sven Hoppe

Verrückte Geschichten über sie kursieren jedenfalls reichlich. An dieser Stelle mal eine ganz persönliche Erfahrung des Sohnes: Der Fahrlehrer war hochgradig nervös, unkonzentriert und immer auf der Suche im Stadtverkehr nach möglichen Zwischenstopps an Spielhallen und Wettbüros. In der einen Hand klimperten Münzen, in der anderen raschelten Geldscheine. Zeit und Lust für Erklärungen hatte er nicht.

Führerschein: Bei der Prüfung hatte die Tochter ganz viel Glück

Der Fahrlehrer der Tochter hatte ziemlich viel Spaß daran, seine Ansichten über Frauen, Männer, die AfD und Ausländer zu teilen. Die jüngste Tochter schließlich fand eine Fahrschule am Stadtrand mit einem Pauschalpreis bis zum Führerschein. Ihre Resilienz schütze sie vor der durchgehend schlechten Laune des Fahrlehrers.

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Und dann kam auch noch Glück dazu: Dass ihr Fahrlehrer während der Prüfung auf die Bremse treten musste wegen eines schlimmen Fahrfehlers, hat der Prüfer gar nicht gemerkt.