Gregor Gysi hat in seinem politischen Leben schon viele Titel gesammelt. Parteivorsitzender der SED war der 77-Jährige schon, Fraktionsvorsitzender der PDS im Bundestag, direkt gewählter Abgeordneter sowieso. Und seit kurzem ist er: ein TikTok-Meme. Der 77-Jährige, der als Teil der „Mission Silberlocke“ angetreten war, um die Linke zu retten, verbindet so zwei Parteien – die alte Linke. Und die neue.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die alte Linke, das ist die, die einst aus der SED-Nachfolgepartei PDS und der westdeutschen WASG hervorging. Die, die Enttäuschung von vielen Ostdeutschen nach der Wende, später die Wut über die Agenda-Reformen der Regierung Schröder kanalisierte – und die lange mit dem Erbe ihrer DDR-Vergangenheit haderte.
Die neue Linke, das ist die, deren Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek mit ihrer Wutrede gegen Friedrich Merz im Bundestag Hunderttausenden aus dem Herzen sprach, die unter anderem auf einer Welle von Social Media-Erfolg in den Bundestag surfte und stärkste Kraft bei Wählerinnen und Wählern unter 24 wurde – in ganz Deutschland. Aber wie viel haben diese beiden Parteien noch miteinander zu tun?
Die Ost-West-Lücke der Linken hat sich verkleinert
Außerhalb von westdeutschen Großstädten wird die Linke immer noch vor allem im Osten gewählt. Vier der sechs Direktmandate, die die Partei errungen hat, kamen aus Ost-Wahlkreisen, die „Silberlocken“ traten nicht zufällig alle im Osten an. „Aber die Lücke hat sich verkleinert“, sagt Benjamin Höhne, Politikwissenschaftler an der TU Chemnitz.
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Auf dem Feld der ostdeutschen Regional-Vertretung, das die Linke lange besetzte, gibt es inzwischen Konkurrenz. Das BSW habe viele ostdeutsche Ressentiments aufgegriffen und der Linken so Wählerinnen und Wähler abgenommen, erklärt Höhne. Und insgesamt dominiert im Osten die AfD.
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Gleichzeitig zog die Partei zuletzt neue Mitglieder und Wählergruppen an, die aus einem städtischen, progressiven Milieu kommen. In der Partei gebe es deshalb einen Generationenkonflikt um die Frage, wie man Politik gestalte und mit welchen Zielen. „Die alte Generation – Gysi, Bartsch, Ramelow und andere – hat einen eher pragmatischen Politikstil“, sagt der Forscher. Die junge Generation sei eher „bewegungsorientiert“ und betont progressive Themen. „Wichtig ist für diese Generation auch die entschlossene Gegenposition zur AfD.“ Inhaltlich hatte die Partei im Wahlkampf zudem Themen wie Heizkosten und Mieten in den Vordergrund gestellt, die den Alltag der Menschen prägen.
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Kommunistische Untergruppen gibt es noch immer
Wer ins Wahlprogramm der Linken schaut, findet dort nach wie vor Solidaritätsadressen, die das Selbstverständnis als „demokratische sozialistische Partei“ erfordert, an alle Länder, „die sich wie Kuba auf einen sozialistischen Entwicklungsweg begeben haben.“ Hoch die internationale Solidarität, das gilt auch 2025 noch.

Und auch in der Organisation der Partei gibt es immer noch Gruppierungen, die mehr nach Lesekreis und weniger nach TikTok-Ruhm klingen: Das Marxistische Forum etwa, oder die Kommunistische Plattform, der einst Sahra Wagenknecht angehörte.
Prägend ist all das nach Einschätzung von Höhne aber nicht mehr. Solche innerparteilichen Zusammenschlüsse, sagt er, böten Betätigungsfelder und die Möglichkeit zur Programmarbeit in der Nische. „Ihre Bedeutung als kleine Machtzentren scheint aber rückläufig.“







