Die jüngsten Vorgänge in den USA unter Donald Trump erinnern an die Stasi. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, durchsuchen Mitarbeiter der National Science Foundation (NSF) Forschungsprojekte nach Wörtern, die der neuen US-Regierung nicht genehm sind. Nicht gewollte Forschungsprojekte sollen so herausgefiltert und ihnen die Fördermittel der Behörde entzogen werden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der US-Zeitung „Washington Post“ wurde die Liste der Wörter von Mitarbeitern der NSF zugespielt. Wer in seinem Förderantrag beispielsweise „Diversität“, „Gleichheit“ oder „Minderheit“ im falschen Kontext verwendet oder verwendet hat, dem können Gelder unter Umständen gestrichen werden. Auf der Liste befinden sich auch alltägliche Wörter wie „weiblich“, „Frau“, „historisch“ oder „Unterdrückung“. Wer sie verwendet, macht sich verdächtig.

Donald Trumps Regierung kürzt massiv Gelder für Wissenschaft und Forschung

Das Vorgehen geht auf einen Erlass Trumps zurück, den er in den ersten Tagen seiner Amtszeit unterzeichnete. Demnach soll jegliche staatliche Förderung in sogenannten DEI-Initiativen gestrichen werden. DEI steht für „diversity“, „equity“ und „inclusion“ (Vielfalt, Gleichheit, Inklusion). Das kann auch das Aus für Forschungsprojekte, Konferenzen, Schulungen, oder Studien bedeuten, die mit DEI in Verbindung gebracht werden – unabhängig von der Forschungsrichtung.

Am Sonntag verkündeten außerdem die der US-Regierung unterstehenden Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) eine deutliche Kürzung ihrer Zuschüsse an Universitäten und andere Forschungseinrichtungen. Wissenschaftler warnten daraufhin vor verheerenden Wirkungen der Kürzungen etwa für die Forschungen zu Krebs, Alzheimer und Parkinson. Der frühere Dekan der Medizinischen Fakultät an der Harvard-Universität, Jeffrey Flier, schrieb auf X, das Vorgehen der Regierung von Präsident Donald Trump sei darauf angelegt, „Institutionen, Forschern und der biomedizinischen Forschung zu schaden“. 

Kommen Wissenschaftler aus den USA nun nach Deutschland?

In Deutschland betrachtet man die Vorgänge mit Sorge und Hoffnung gleichzeitig: Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), Patrick Cramer, sagte dem „Spiegel“, Trump sende „Signale der Einschüchterung“ in die wissenschaftlichen Institute seines Landes. „Viele amerikanische Kolleginnen und Kollegen sind verunsichert. Sie befürchten, dass vor allem die von Trump gewünschte Forschung gefördert werden soll und unliebsame Wissenschaftler, deren Arbeit nicht in sein Weltbild passt, mit Kürzungen rechnen müssen.“ 

Bekannt wurde auch, dass Cramer in Kontakt mit führenden US-Wissenschaftlern ist und sich darum bemüht, diese nach Deutschland zu holen. Cramer erwartet, dass es als Folge des Kurses der Trump-Regierung einen Zustrom von Spitzenforscherinnen und Spitzenforschern aus den USA nach Deutschland geben wird: „Die USA sind ein neuer Talentpool für uns.“ Auf die jüngste Ausschreibung für die Leitung von Forschungsgruppen habe die MPG doppelt so viele Bewerbungen aus den USA erhalten wie im Jahr zuvor. 

lro mit AFP