EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) erhält dieses Jahr den Karlspreis, die wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Das teilte das Karlspreis-Direktorium in Aachen mit. Von der Leyen wird demnach mit dem Preis als „starke Stimme Europas in der Welt“ geehrt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In einer Zeit epochaler Herausforderungen, in der die Europäische Union von außen durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine und von innen durch Rassisten und Demagogen bedroht werde, nehme sie die Interessen Europas kraftvoll wahr, begründete das Karlspreis-Direktorium seine Entscheidung.  Als besondere Leistungen von der Leyens nannte es die Eindämmung der Corona-Pandemie, das geschlossene und entschiedene Auftreten gegen Russland und die Impulse zum Green Deal, mit dem die EU bis 2050 klimaneutral werden will.

Karlspreis-Medaille
So sieht die Medaille für den Internationalen Karlspreis aus© DPA Images | Andreas Herrmann

Ursula von der Leyen erhält Internationalen Karlspreis

Das Karlspreis-Direktorium zeichnet in seiner Begründung das Bild einer bedrohten Union. „Das europäische Lebensmodell von Freiheit, Frieden, Demokratie und Wohlstand ist gefährdet“, heißt es im Text der 19 Direktoriumsmitglieder. „Die Weltordnung verändert sich, und Europa muss handeln. Ursula von der Leyen ist die Persönlichkeit, der diese strategische Aufgabe für die Europäische Union zukommt und die sie bewältigt.“

Sie habe wesentlichen Anteil daran, dass die EU Krisen epochalen Ausmaßes „geschlossen und erfolgreich“ begegnet sei.  Nach der Europawahl im vergangenen Juni sei es ihr gelungen, weite Teile der politischen Mitte hinter sich zu vereinen und eine deutliche proeuropäische Mehrheit herzustellen. „Dank von der Leyen und ihrem geschickten diplomatischen Agieren hat Europa die Gegner, Zweifler und Skeptiker in die Minderheit drängen können.“

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Wer den Karlspreis bislang erhalten hat

Der Karlspreis war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Aachener Bürgern auf Anregung des Unternehmers Kurt Pfeiffer gestiftet worden. Er ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt, dessen Frankenreich sich im Frühmittelalter über weite Teile Westeuropas erstreckte und der deshalb manchmal als „Vater Europas“ bezeichnet wird.

Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954) und der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill (1955), der sich nach Kriegsende für die „Vereinigten Staaten von Europa“ starkmachte. Von der Leyens Vorgänger als Kommissionspräsident, Jean-Claude Juncker, wurde ebenfalls ausgezeichnet, allerdings noch als luxemburgischer Regierungschef 2006. 

Der letzte EU-Kommissionschef, der den Preis in seiner Amtszeit erhielt, war 1992 Jacques Delors, der als Vollender des europäischen Binnenmarkts und Wegbereiter des Euro gilt. Es ist also eher selten, dass ein Kommissionschef den Preis bekommt. Der letzte Deutsche, der mit dem Karlspreis geehrt wurde, war 2015 der damalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD). Vergangenes Jahr waren der frühere Moskauer Oberrabiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa geehrt worden.

Traditionell wird der Preis am Himmelfahrtstag überreicht. In diesem Jahr ist der Preis erstmals mit einer Million Euro dotiert. Nach dem Willen der Stifter – eines Aachener Ehepaars – soll das Geld für proeuropäische Projekte verwendet werden.

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jst/dpa