Saudi-Arabien hat in diesem Jahr bereits über 100 ausländische Staatsbürger hingerichtet – so viele wie nie zuvor, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Diese Zahl sei fast dreimal so hoch, wie in den Jahren 2023 und 2022, in denen es jeweils 34 waren, so die Europäischen Saudischen Organisation für Menschenrechte (ESOHR). Es sei eine in dem Königreich noch nie dagewesene Eskalation bei der Anwendung der Todesstrafe.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Viele dieser Todesfälle stehen im Zusammenhang mit Drogendelikten. Am vergangenen Samstag wurde ein jemenitischer Staatsangehöriger wegen Drogenschmuggels exekutiert, wie die Nachrichtenagentur Saudi berichtete. Die Hinrichtung von Moussa Mohammed Abdullah Saleh wurde in Najran vollstreckt. Damit stieg die Zahl seit Januar auf 101 hingerichtete Ausländer. 69 von ihnen wurden wegen Drogendelikten exekutiert, so die AFP.
Saudi-Arabien: Ausländische Angeklagte besonders gefährdet
„Dies ist eine beispiellose Hinrichtungskrise in Saudi-Arabien“, warnt Jeed Basyouni von der Menschenrechtsorganisation Reprieve. Die Familien ausländischer Häftlinge in den Todestrakten hätten verständlicherweise Angst, dass ihr Angehöriger der Nächste sein könnte. Ausländer seien die verwundbarste Gruppe, betont Taha al-Hajji, Direktor der ESOHR. Sie seien häufig „Opfer großer Drogenhändler“ und würden „von ihrer Verhaftung bis zur Hinrichtung einer Reihe von Rechtsverletzungen ausgesetzt.
Zu den Nationalitäten der hingerichteten Ausländer gehören dem AFP-Bericht zufolge 21 Menschen aus Pakistan, 20 aus dem Jemen, 14 aus Syrien, 10 aus Nigeria, neun aus Ägypten, acht aus Jordanien und sieben aus Äthiopien. Außerdem wurden je drei Personen aus dem Sudan, Indien und Afghanistan sowie je eine Person aus Sri Lanka, Eritrea und den Philippinen hingerichtet.
Golfstaat: Scharfe Kritik von Menschenrechtsgruppen an saudischer Justiz
Hingerichtet werden nicht nur Ausländer. Menschenrechtsgruppen kritisieren den exzessiven Einsatz der Todesstrafe in dem Golfstaat scharf. Nach China und dem Iran vollstreckte Saudi-Arabien 2023 weltweit die meisten Todesurteile, so Amnesty International. Allein in diesem Jahr wurden bereits 274 Menschen hingerichtet – ein neuer Höchststand, der die bisherigen Höchstwerte von 196 im Jahr 2022 und 192 im Jahr 1995 übertroffen hat.

Saudi-Arabien wird immer wieder für seine exzessive Anwendung der Todesstrafe kritisiert. Menschenrechtsorganisationen argumentieren, dass diese Hinrichtungen die Bemühungen Saudi-Arabiens untergraben, sein Image durch soziale und wirtschaftliche Reformen im Rahmen der von Kronprinz Mohammed Bin Salman geleiteten Initiative „Vision 2030“ aufzupolieren. Dieser hatte 2022 behauptet, die Todesstrafe sei abgeschafft worden – mit Ausnahme von Mordfällen oder wenn jemand viele Leben bedrohe.
Hintergründe zu den Todesurteilen in Saudi Arabien
Saudi-Arabien setzt als einziges Land weltweit weiterhin auf Enthauptungen als Hinrichtungsmethode, stellt Amnesty International fest. Die Todesurteile basieren häufig auf zweifelhaften Gerichtsverfahren, bei denen Geständnisse mutmaßlich unter Folter erzwungen wurden. Das Königreich verhängt die Todesstrafe auch für Delikte wie Entführung und Vergewaltigung, was internationalen Rechtsstandards widerspricht. Ein besonders alarmierender Fall ereignete sich im Juli 2023, als Mohammad al-Ghamdi wegen regierungskritischer Äußerungen in sozialen Medien zum Tode verurteilt wurde
lkg




