Angriffe auf Schutzlose gehören zu den übelsten Verbrechen in einem Krieg – zumal wenn es sich dabei um kranke Kinder handelt. So ist es kein Wunder, dass der Raketenangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew mit mindestens 31 Toten und 117 Verletzten weltweit für Empörung sorgt und zu einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates führt.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Zwar behauptet die russische Seite, eine ukrainische Flugabwehrrakete habe das Krankenhaus getroffen. Doch das glaubt man wohl nur in Russland. Selbst China, das im Ukraine-Krieg bislang zumindest keinen Grund sah, den Verbündeten Wladimir Putin vom Hof zu jagen, rang sich eine vorsichtig kritische Note ab.
Die Kämpfe hätten sich in letzter Zeit verschärft, es gebe brutale Angriffe mit vielen Opfern, stellte Peking vorsichtig fest. „China ist darüber zutiefst beunruhigt“, hieß es vom stellvertretenden UN-Botschafter, Geng Shuang.
Ukraine: Russland provoziert mit Geschmacklosigkeit
Während westliche Staaten wesentlich deutlicher wurden, von grausamen Kriegsverbrechen und einer „Schande für den Weltsicherheitsrat“ sprachen, nutzte Russland, das dem wichtigsten UN-Gremium derzeit vorsitzt, die Gelegenheit für eine geschmacklose Provokation.
Bei dem an die Dringlichkeitssitzung anschließenden Dinner gab es als Hauptgericht Hühnchen Kiew, auch als Kiewer Kotelett bekannt, eine in den ehemaligen Ostblockstaaten beliebte Speise. Serviert mit Kartoffelstäbchen, dazu ein Sauvignon blanc aus dem „Russian River Valley“ in Kalifornien.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Ukraine: Russische Diplomatie „moralisch verfallen“
Der UN-Botschafter der Ukraine, Serhij Kyslyzja, sagte der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform dazu: „Die moralische Degradierung der russischen Diplomatie ist offensichtlich.“ Für viele UN-Diplomaten werde die Kommunikation mit dem russischen Botschafter Wassili Nebensja selbst bei offiziellen Anlässen zunehmend untragbar.
Bei X, dem ehemaligen Twitter, wurde der Botschafter noch deutlicher: „Dieser Kriegsverbrecher (Nebensja) wird unter Umgehung des Fegefeuers in die Hölle kommen, und sein Platz dort ist ewig“, schrieb Kyslyzja. Er könne nicht verstehen, wie man einer Einladung zu einem mit „Blutgeld“ bezahlten Mittagessen mit dem Russen folgen könne.
«Напад на дитячу лікарню також є виявом глибокої зневаги Росії до будь-яких мирних ініціатив, незалежно від їх походження. Вона припинить вбивати та поширювати насильство лише тоді, коли буде нездатна це робити. Цей воєнний злочинець (Небензя) потрапить у пекло, оминаючи… pic.twitter.com/w6dpLZH9HI
— Sergiy Kyslytsya 🇺🇦 (@SergiyKyslytsya) July 9, 2024
Der russische Botschafter wiederholte in der Dringlichkeitssitzung denn auch die russische Erzählung, nach der die angeblich unfähige ukrainische Luftabwehr die eigene Klinik bombardiert haben soll. Das UN-Menschenrechtsbüro hatte in einer vorläufigen Einschätzung jedoch mitgeteilt, das Gebäude sei von einer russischen Rakete des Typs Kh-101 (Ch-101) direkt getroffen worden.
Mehr Reportagen von Kriegsreporter Jan Jessen
- Mit 140 durch den Krieg: Dieser Bus holt Verwundete aus der Hölle
- Für Vergebung: Im „Alcatraz“-Bataillon kämpfen Verbrecher in der Hölle
- „Gamechanger“: Ukraine setzt Hightech-Waffe ein – und versenkt Boote
- „Bis hierher und nicht weiter!“: Bundeswehr rüstet sich für Putin
- „Wie wilde Tiere“: Mariya von russischen Soldaten vergewaltigt








