- Donald Trump hat der Ukraine die Lieferung von Patriot-Systemen zugesagt
- Die USA wollen das Flugabwehrsystem der EU verkaufen, die sie an Kiew weitergeben will
- Bundeskanzler Merz hatte vor einigen Tagen angekündigt, das Patriot-System von den USA beziehen zu wollen
- Das System gilt als außerordentlich effizient
„Luftverteidigung“, hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einmal gesagt, „ist die Antwort auf alles.“ Tag für Tag setzt Russland die Zerstörung der Ukraine fort. Die Armee von Kremlchef Wladimir Putin hat im Ukraine-Krieg zweifellos die Lufthoheit. Um den Bomben etwas entgegensetzen, hatte die Biden-Administration dem angegriffenen Land bereits das Flugabwehrsystem Patriot geliefert. Bei seinem Nachfolger im Amt des US-Präsidenten war lange unklar, ob er die militärische Unterstützung fortsetzt. Nachdem Donald Trump Anfang Juli die Waffenlieferung an die Ukraine gestoppt hatte, kündigte er überraschend „eine wichtige Erklärung“ an.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Demnach will er Patriot-Waffensysteme an die Europäische Union verkaufen, damit sie an die Ukraine geliefert werden können. Vor Journalisten in den USA sagte er: „Für uns wird das ein Geschäft sein, und wir werden ihnen Patriots senden, die sie dringend brauchen.“ Die Zahl der Waffen stehe noch nicht fest, so der Präsident. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits vor einigen Tagen in Rom angekündigt, dass Deutschland von den USA Luftverteidigungssysteme vom Typ Patriot kaufen will.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Selenskyj hat nach eigenen Angaben ein „produktives“ Gespräch in Kiew mit dem US-Sondergesandten Keith Kellogg über die Luftverteidigung und Sanktionen gegen Russland geführt. „Wir haben den Weg zum Frieden besprochen und was wir praktisch tun können, um ihm näher zu kommen“, erklärte Selenskyj am Montag. „Dazu gehören die Stärkung der Luftabwehr der Ukraine, die gemeinsame Produktion und die Beschaffung von Verteidigungswaffen in Zusammenarbeit mit Europa.“ Lesen Sie dazu: Hier werden ukrainische Soldaten am Patriot-System ausgebildet
Patriot ist eine reine Defensivwaffe
„Patriot“ ist das Paradebeispiel für eine Defensivwaffe. Das erklärt, warum sich bereits Merz‘ Vorgänger Olaf Scholz mit der Lieferung relativ leicht tat, während er „Taurus“-Marschflugkörper der Ukraine verweigert. Mit denen könnte sie auch russisches Territorium angreifen.
Patriot ist eine Abkürzung. Sie steht für Phased Array Tracking Radar to Intercept on Target. Es besteht aus einem Radar, einem Leitstand und einem Raketenwerfer. Ein weiteres Fahrzeug produziert den benötigten Strom. Die Startstation sieht aus wie ein Lastwagen mit bis zu vier Behältern.
Bis zu 16 Raketen können geladen werden. Da die einzelnen Komponenten auf mehrere Fahrzeuge verteilt sind, ist das System hochmobil und nicht mit einem Schlag auszuschalten. Ortet das Radarsystem ein feindliches Flugobjekt, erhalten die zwei Soldatinnen oder Soldaten im Feuerleitstand eine Bedrohungsanalyse und können die Raketen abfeuern.
Das Dilemma der Ukraine
Das System arbeitet automatisch; der Mensch kann aber eingreifen. Patriot ist seit Jahrzehnten und inzwischen in 18 Staaten im Einsatz. Das System hat sich in den zwei Golfkriegen bewährt.

Das System kann ballistische Raketen, Marschflugkörper, Flugzeuge und Drohnen abschießen. Die Reichweite hängt davon ab, mit welchen Raketen die Amerikaner Patriot liefern werden. Im besten Fall redet man über rund 150 Kilometer.
Es ist aber ökonomisch unklug, vier Millionen Dollar teure Raketen gegen Drohnen einzusetzen. Gegen die unbemannten Flugkörper, die Russland in der vergangenen Woche massenweise in die Ukraine schickte, dürfte das System also wenig helfen. Letztlich ergänzt Patriot die Luftabwehr, die bereits aus vielen anderen Komponenten besteht wie die norwegische Nasams, die deutsche Iris-T-System oder die französischen Crotales.

Die Ukraine stehen regelmäßig vor einer fatalen Abwägung: Stellen sie die Systeme in den Städten auf, um die Zivilbevölkerung und nicht zuletzt die Infrastruktur zu schützen, vernachlässigen sie ihre Soldaten an der Front – und umgekehrt. An diesem Dilemma ändert auch die Lieferung von ein, zwei Systemen wenig.
Wie viele der Luftverteidigungssysteme nun geliefert werden sollen, ist bislang unklar. Je nach Stückzahl könnte sich die Ukraine aber künftig zumindest gegen Angriffe mit Raketen und Marschflugkörpern künftig besser schützen können.







