Joachim Gauck macht schon etwas früher Schluss. Offiziell endet die Amtszeit des Bundespräsidenten erst in der Nacht zu Sonntag, aber sein Büro im Schloss Bellevue hat er bereits am Donnerstag geräumt. „Nach dem Zapfenstreich fällt der Hammer“, hat Gauck gut gelaunt verkündet, am Freitagabend war es so weit: Die Bundeswehr verabschiedete den Präsidenten mit einem Großen Zapfenstreich im Schlosspark.

600 Gäste waren zu Gaucks Ehren gekommen, auch das halbe Bundeskabinett erschien – die Kanzlerin allerdings fehlte. Angela Merkel war wegen ihres Washingtonbesuchs entschuldigt. Doch erinnerte ihr Fernbleiben ein wenig auch daran, dass sie Gauck als Präsidenten gern verhindert hätte – was nichts daran änderte, dass sie dann doch gut mit ihm zusammenarbeitete.

Gauck war mit Freude Präsident

Gauck-Abschied mit Zapfenstreich

German Armed Forces, Bundeswehr soldiers take part in a Grand Tattoo to bid farewell to former German President Joachim Gauck at the presidential Bellevue palace in Berlin, Germany, March 17, 2017. REUTERS/Hannibal Hanschke
German Armed Forces, Bundeswehr soldiers take part in a Grand Tattoo to bid farewell to former German President Joachim Gauck at the presidential Bellevue palace in Berlin, Germany, March 17, 2017. REUTERS/Hannibal Hanschke© REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
Diesen Weg wird Bundespräsident Joachim Gauck mit Lebensgefährtin Daniela Schadt nicht mehr oft gehen: zurück ins Schloss Bellevue nach dem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr zu seiner Verabschiedung.
Diesen Weg wird Bundespräsident Joachim Gauck mit Lebensgefährtin Daniela Schadt nicht mehr oft gehen: zurück ins Schloss Bellevue nach dem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr zu seiner Verabschiedung. © dpa | Bernd von Jutrczenka
Am Sonntag empfängt er dort seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier zur Amtsübergabe.
Am Sonntag empfängt er dort seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier zur Amtsübergabe. © dpa | Bernd Von Jutrczenka
Die Fackelträger stehen bei der Verabschiedung  von Gauck am Schloss Bellevue in Berlin. Nach fünf Jahren scheidet Gauck aus dem Amt.
Die Fackelträger stehen bei der Verabschiedung von Gauck am Schloss Bellevue in Berlin. Nach fünf Jahren scheidet Gauck aus dem Amt. © dpa | Bernd Von Jutrczenka
Gauck steht mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, auf dem Podest.
Gauck steht mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, auf dem Podest. © dpa | Bernd von Jutrczenka
Soldaten beim Großen Zapfenstreich.
Soldaten beim Großen Zapfenstreich. © REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
Zu den drei Musikstücken, die Gauck sich wünschen durfte, gehörte auch „Über sieben Brücken musst Du gehn“ von Karat.
Zu den drei Musikstücken, die Gauck sich wünschen durfte, gehörte auch „Über sieben Brücken musst Du gehn“ von Karat. © dpa | Bernd Von Jutrczenka
Der Große Zapfenstreich folgt einem genau festgelegten Ablauf.
Der Große Zapfenstreich folgt einem genau festgelegten Ablauf. © dpa | Bernd von Jutrczenka
„Helm ab zum Gebet!“
„Helm ab zum Gebet!“© dpa | Kay Nietfeld
Gauck auf dem Weg zum Podest.
Gauck auf dem Weg zum Podest. © dpa | Bernd Von Jutrczenka
Daniela Schadt  saß neben dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit Frau Eva-Luise, Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin.
Daniela Schadt saß neben dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit Frau Eva-Luise, Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin. © dpa | Bernd von Jutrczenka
Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt trifft ein mit David Gill (rechts), Chef des Bundespräsidialamts.
Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt trifft ein mit David Gill (rechts), Chef des Bundespräsidialamts.© dpa | Bernd Von Jutrczenka
Hier marschieren die Soldaten im Vorfeld der Verabschiedung auf.
Hier marschieren die Soldaten im Vorfeld der Verabschiedung auf. © dpa | Bernd von Jutrczenka
Mitarbeiter hatten Gauck und Lebensgefährtin Daniela Schadt zuvor im Schloss ein Apfelbäumchen geschenkt. Es ist eine Pflanze einer neuen Sorte, die seinen Namen trägt.
Mitarbeiter hatten Gauck und Lebensgefährtin Daniela Schadt zuvor im Schloss ein Apfelbäumchen geschenkt. Es ist eine Pflanze einer neuen Sorte, die seinen Namen trägt. © dpa | Jesco Denzel

Drei Lieder durfte sich Gauck, einer Tradition folgend, vom Musikkorps der Bundeswehr wünschen. Er zeigte mit der Auswahl seine vielfältigen Wurzeln als Freiheitslehrer, ehemaliger DDR-Bürger und Pastor: Zwischen Serenade und dem eigentlichen Zapfenstreich erklangen für ihn das Volkslied „Freiheit, die ich meine“, die Ostrock-Hymne „Über sieben Brücken musst du gehn“ und der Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“.


Da machte sich doch noch Wehmut breit beim Staatsoberhaupt. Gauck war ja mit Freude Präsident. Der 77-Jährige hätte gern noch eine zweite Amtszeit drangehängt, wenn er nicht altersbedingte Gesundheitsbeschwerden befürchtet hätte. „Ich bin noch voller Leidenschaft“, sagt er. Aber er hat auch die Bürde des Amtes gespürt, die Belastung war größer als erwartet. So ist bei ihm am Ende doch eine gewisse Erleichterung zu spüren. Er freue sich auf Erholung, Entspannung, eine „Verschnaufpause“, gesteht Gauck. Und darauf, „mal ganz spontan auf die Straße zu gehen, durch Läden zu bummeln oder mit dem Fahrrad um den Block zu fahren“

Im Land ein „Netzwerk des Guten“

Joachim Gauck: Sein Leben in Bildern

Joachim Gauck, who administers the former East German secret police (Stasi) delivers a speech during celebrations to mark the 10th anniversary of the collapse of the Berlin Wall at the Reichstag parliament building in Berlin November 9. Former U.S. President George Bush marked the 10th anniversary celebration of the collapse of the Berlin Wall by saying it was the chemistry of world leaders that helped to bring east and west together a decade ago.WR - RTRS7DT
Joachim Gauck, who administers the former East German secret police (Stasi) delivers a speech during celebrations to mark the 10th anniversary of the collapse of the Berlin Wall at the Reichstag parliament building in Berlin November 9. Former U.S. President George Bush marked the 10th anniversary celebration of the collapse of the Berlin Wall by saying it was the chemistry of world leaders that helped to bring east and west together a decade ago.WR - RTRS7DT© REUTERS | Reuters Photographer
Am 18. März 2012 wählte die Bundesversammlung Joachim Gauck zum elften Präsidenten der Bundesrepublik. Seine Amtszeit endete offiziell am 18. März 2017. Diese Fotostrecke zeigt weitere Bilder seiner Karriere.
Am 18. März 2012 wählte die Bundesversammlung Joachim Gauck zum elften Präsidenten der Bundesrepublik. Seine Amtszeit endete offiziell am 18. März 2017. Diese Fotostrecke zeigt weitere Bilder seiner Karriere. © dpa | Tobias Schwarz
Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock geboren, wo er später auch zur Schule ging und Theologie studierte.
Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock geboren, wo er später auch zur Schule ging und Theologie studierte.© dpa | Fredrik Von Erichsen
Vereidigung: Bundespräsident Joachim Gauck sprach am 23. März 2012 im Bundestag in Berlin den Amtseid. Rechts: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).
Vereidigung: Bundespräsident Joachim Gauck sprach am 23. März 2012 im Bundestag in Berlin den Amtseid. Rechts: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).© dpa | Rainer Jensen
Von Anfang an hatte Joachim Gauck bei den Bürgern großen Rückhalt – so wie bei diesem Demonstranten, der sich für seine Wahl ausgesprochen hatte.
Von Anfang an hatte Joachim Gauck bei den Bürgern großen Rückhalt – so wie bei diesem Demonstranten, der sich für seine Wahl ausgesprochen hatte. © © epd-bild / Rolf Zöllner | Rolf Zöllner
Keine einfache Beziehung: Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) hatte Gauck als Bundespräsidenten eigentlich nicht auf der Liste. Erst als ihr damaliger Koalitionspartner FDP für Gauck votierte, schaltete auch Merkel um.
Keine einfache Beziehung: Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) hatte Gauck als Bundespräsidenten eigentlich nicht auf der Liste. Erst als ihr damaliger Koalitionspartner FDP für Gauck votierte, schaltete auch Merkel um. © dpa | Britta Pedersen
Das Paar: Joachim Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt war die First Lady.
Das Paar: Joachim Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt war die First Lady. © Getty Images | Pool
Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt (r.) und seiner Tochter Gesine Lange (l.).
Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt (r.) und seiner Tochter Gesine Lange (l.). © © epd-bild / Peter Roggenthin | Peter Roggenthin
Vom Pfarrer zum Politiker: Joachim Gauck hatte sich in seinen Jahren als Pastor im Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs immer wieder kritisch gegenüber der DDR-Regierung geäußert.
Vom Pfarrer zum Politiker: Joachim Gauck hatte sich in seinen Jahren als Pastor im Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs immer wieder kritisch gegenüber der DDR-Regierung geäußert.© epd | Hans-Peter Stiebing
Als die Widerstandsbewegung Fahrt aufnahm, war er Mitbegründer des Neuen Forums und dessen Sprecher in Rostock.
Als die Widerstandsbewegung Fahrt aufnahm, war er Mitbegründer des Neuen Forums und dessen Sprecher in Rostock. © imago/Rolf Zöllner | imago stock&people
Als Abgeordneter des Neuen Forums in der DDR-Volkskammer begann für Joachim Gauck die politische Laufbahn. Hier bespricht er sich mit Markus Meckel (SPD).
Als Abgeordneter des Neuen Forums in der DDR-Volkskammer begann für Joachim Gauck die politische Laufbahn. Hier bespricht er sich mit Markus Meckel (SPD). © Unbekannt | Stana
Die konstituierende Sitzung der neuen Volkskammer der DDR im Jahr 1990: Joachim Gauck mit Wolfgang Ullmann von den Grünen. Gauck zog als Abgeordneter der Bürgerbewegungen, die sich im Bündnis 90 zusammengeschlossen hatten, in die Volkskammer ein. Er wurde zum Chef des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit gewählt.
Die konstituierende Sitzung der neuen Volkskammer der DDR im Jahr 1990: Joachim Gauck mit Wolfgang Ullmann von den Grünen. Gauck zog als Abgeordneter der Bürgerbewegungen, die sich im Bündnis 90 zusammengeschlossen hatten, in die Volkskammer ein. Er wurde zum Chef des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit gewählt.© imago | Stana
Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker berief Gauck, den die Stasi einst selbst überwachen ließ, am 3. Oktober 1990 zum Sonderbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Die zuständige Behörde, die die Unterlagen der Stasi danach verwaltete und erforschte, wurde auch „Gauck-Behörde“ genannt.
Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker berief Gauck, den die Stasi einst selbst überwachen ließ, am 3. Oktober 1990 zum Sonderbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Die zuständige Behörde, die die Unterlagen der Stasi danach verwaltete und erforschte, wurde auch „Gauck-Behörde“ genannt.© imago stock&people | imago
Als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen sorgte Joachim Gauck dafür, dass ab 1992 Bürgerrechtler Einsicht in ihre Akten nehmen konnten.
Als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen sorgte Joachim Gauck dafür, dass ab 1992 Bürgerrechtler Einsicht in ihre Akten nehmen konnten.© © epd-bild / Rolf Zöllner | Rolf Zöllner
Joachim Gauck an seinem Schreibtisch in der „Gauck-Behörde“ in Berlin. 1995 wurde er vom Bundestag für eine zweite Amtszeit zum Leiter berufen. 2000 schied er aus der Behörde aus, weil per Gesetz nur zwei Amtszeiten an der Spitze der Einrichtung möglich sind.
Joachim Gauck an seinem Schreibtisch in der „Gauck-Behörde“ in Berlin. 1995 wurde er vom Bundestag für eine zweite Amtszeit zum Leiter berufen. 2000 schied er aus der Behörde aus, weil per Gesetz nur zwei Amtszeiten an der Spitze der Einrichtung möglich sind.© © epd-bild / Rolf Zöllner | Rolf Zöllner
Joachim Gauck in der heimeligen Höhle des Löwen – dem sogenannten Kupferkessel der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Ruschestrasse in Berlin.
Joachim Gauck in der heimeligen Höhle des Löwen – dem sogenannten Kupferkessel der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Ruschestrasse in Berlin. © © epd-bild / Rolf Zöllner | Rolf Zöllner
Seine Stimme hat stets Gewicht: Joachim Gauck während einer Rede vor dem Bundestag zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer.
Seine Stimme hat stets Gewicht: Joachim Gauck während einer Rede vor dem Bundestag zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer. © REUTERS | Reuters Photographer
Im Schatten der Grenze: Joachim Gauck am ehemaligen Grenzzaun der DDR in Hötensleben (Sachsen-Anhalt), der dort seit Januar 1990 unter Denkmalschutz steht.
Im Schatten der Grenze: Joachim Gauck am ehemaligen Grenzzaun der DDR in Hötensleben (Sachsen-Anhalt), der dort seit Januar 1990 unter Denkmalschutz steht. © © epd-bild / Frank Drechsler | Drechsler, Frank
Nach seiner Zeit als Sonderbeauftragter für die Stasi-Unterlagen war Gauck oft als Gast in politischen Diskussionsrunden und Talkshows zu sehen. Der parteilose Gauck trat auch in Ehrenämtern für seine freiheitlich-liberale Politik ein. Ebenso ging er im Jahr 2001 seinem einstigen Berufswunsch nach – als Journalist. Von Januar bis November moderierte er die ARD-Talkshow „Joachim Gauck“, in der er unter anderem auch mit der heutigen Kanzlerin Angela Merkel eine Gesprächspartnerin fand.
Nach seiner Zeit als Sonderbeauftragter für die Stasi-Unterlagen war Gauck oft als Gast in politischen Diskussionsrunden und Talkshows zu sehen. Der parteilose Gauck trat auch in Ehrenämtern für seine freiheitlich-liberale Politik ein. Ebenso ging er im Jahr 2001 seinem einstigen Berufswunsch nach – als Journalist. Von Januar bis November moderierte er die ARD-Talkshow „Joachim Gauck“, in der er unter anderem auch mit der heutigen Kanzlerin Angela Merkel eine Gesprächspartnerin fand.© imago/teutopress | imago stock&people
Vertauschte Rollen: Christian Wulff musste nach mehreren Vorwürfen der Vorteilsnahme im Amt am 17. Februar 2012 als Bundespräsident zurücktreten. Gauck wurde in der folgenden Woche von Union, FDP, SPD und Grünen als gemeinsamer Kandidat vorgestellt. Am 18. März 2012 wurde Gauck zum Bundespräsidenten gewählt, bei seiner Vereidigung vier Tage später erhielt er die Gratulationen von Wulff, die er gut eineinhalb Jahre zuvor in die andere Richtung gerichtet hatte.
Vertauschte Rollen: Christian Wulff musste nach mehreren Vorwürfen der Vorteilsnahme im Amt am 17. Februar 2012 als Bundespräsident zurücktreten. Gauck wurde in der folgenden Woche von Union, FDP, SPD und Grünen als gemeinsamer Kandidat vorgestellt. Am 18. März 2012 wurde Gauck zum Bundespräsidenten gewählt, bei seiner Vereidigung vier Tage später erhielt er die Gratulationen von Wulff, die er gut eineinhalb Jahre zuvor in die andere Richtung gerichtet hatte. © imago stock&people | imago stock&people
Präsidenten unter sich: Joachim Gauck 2012 im Gespräch mit einem seiner Amtsvorgänger, Richard von Weizsäcker († 31. Januar 2015). 
Präsidenten unter sich: Joachim Gauck 2012 im Gespräch mit einem seiner Amtsvorgänger, Richard von Weizsäcker († 31. Januar 2015).  © © epd-bild / Andreas Schoelzel | Andreas Schoelzel
Präsident trifft Pontifex: Der damals noch amtierende Papst Benedikt XVI. empfing Joachim Gauck im Dezember 2012 im Vatikan zur Privataudienz.
Präsident trifft Pontifex: Der damals noch amtierende Papst Benedikt XVI. empfing Joachim Gauck im Dezember 2012 im Vatikan zur Privataudienz. © © epd-bild / Gennari / Siciliani | Cristian Gennari
Zurück zu den Wurzeln: Der frühere DDR-Bürgerrechtler Gauck bei einer Gedenkfeier in Leipzig, wo im Oktober 2013 mit einer „89" aus brennenden Kerzen der friedlichen Revolution von 1989 gedacht wurde.
Zurück zu den Wurzeln: Der frühere DDR-Bürgerrechtler Gauck bei einer Gedenkfeier in Leipzig, wo im Oktober 2013 mit einer „89" aus brennenden Kerzen der friedlichen Revolution von 1989 gedacht wurde. © © epd-bild / Jens Schlüter | Jens Schlüter
Der Präsident und die Kanzlerin: Im Dezember 2013 überreichte Joachim Gauck Angela Merkel nach ihrem Wahlsieg die Ernennungsurkunde.
Der Präsident und die Kanzlerin: Im Dezember 2013 überreichte Joachim Gauck Angela Merkel nach ihrem Wahlsieg die Ernennungsurkunde. © REUTERS | REUTERS / FABRIZIO BENSCH
Mir nach! Bundespräsident Joachim Gauck im Januar 2014 mit jungen Sternsingern im Schloss Bellevue.
Mir nach! Bundespräsident Joachim Gauck im Januar 2014 mit jungen Sternsingern im Schloss Bellevue. © © epd-bild / Rolf Zöllner | Rolf Zöllner
Gedenken an den Holocaust: Joachim Gauck legte im Mai 2014 in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar eine Blume für die Opfer der Nazi-Gewalt nieder.
Gedenken an den Holocaust: Joachim Gauck legte im Mai 2014 in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar eine Blume für die Opfer der Nazi-Gewalt nieder.© epd | Maik Schuck
Arm in Arm: Joachim Gauck mit Mitgliedern der Bundesregierung bei einer Mahnwache gemeinsam mit muslimischen Verbänden vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Sie wollten damit nach dem Anschlag auf das französische Satire-Magazin „Charlie Hebdo" im Januar 2015 für Weltoffenheit und gegen die Vereinnahmung der Religion für Gewalt demonstrieren.
Arm in Arm: Joachim Gauck mit Mitgliedern der Bundesregierung bei einer Mahnwache gemeinsam mit muslimischen Verbänden vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Sie wollten damit nach dem Anschlag auf das französische Satire-Magazin „Charlie Hebdo" im Januar 2015 für Weltoffenheit und gegen die Vereinnahmung der Religion für Gewalt demonstrieren. © Unbekannt | Rolf Zoellner
Eine von vielen viel beachteten Reden hielt Joachim Gauck im Februar 2015 in Dresden zum 70. Jahrestag der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg.
Eine von vielen viel beachteten Reden hielt Joachim Gauck im Februar 2015 in Dresden zum 70. Jahrestag der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg.© Matthias Schumann | Matthias Schumann
Cheers, Majestät! Gauck prostete der britischen Queen Elizabeth bei deren Besuch in Berlin im Juni 2015 zu.
Cheers, Majestät! Gauck prostete der britischen Queen Elizabeth bei deren Besuch in Berlin im Juni 2015 zu. © REUTERS | REUTERS / POOL
Gemeinsame Trauer: Joachim Gauck mit Susanne Schmidt, Tochter von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, nach der Trauerfeier für den verstorbenen SPD-Politiker im November 2015 in Hamburg.
Gemeinsame Trauer: Joachim Gauck mit Susanne Schmidt, Tochter von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, nach der Trauerfeier für den verstorbenen SPD-Politiker im November 2015 in Hamburg. © REUTERS | REUTERS / KAI PFAFFENBACH
Eine Ehrung von vielen: Ende 2015 erhielt Joachim Gauck den Ehrendoktortitel der Jüdischen Universität von Jerusalem.
Eine Ehrung von vielen: Ende 2015 erhielt Joachim Gauck den Ehrendoktortitel der Jüdischen Universität von Jerusalem. © REUTERS | REUTERS / AMIR COHEN
Daumen hoch: Joachim Gauck sprach sich als Bundespräsident stets für Optimismus und gegen Verzagtheit aus.
Daumen hoch: Joachim Gauck sprach sich als Bundespräsident stets für Optimismus und gegen Verzagtheit aus. © REUTERS | REUTERS / CHRIS WATTIE
Ein Protestant zu Gast bei Katholiken: Gauck fühlte sich bei einer Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag in Leipzig im Mai 2016 sichtlich wohl.
Ein Protestant zu Gast bei Katholiken: Gauck fühlte sich bei einer Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag in Leipzig im Mai 2016 sichtlich wohl. © dpa | Jan Woitas
Gauck im Mai 2016 während der Feierlichkeiten zum Gedenken an die Seeschlacht während des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren bei Kirkwall (Großbritannien) auf der deutschen Fregatte „Schleswig-Holstein“.
Gauck im Mai 2016 während der Feierlichkeiten zum Gedenken an die Seeschlacht während des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren bei Kirkwall (Großbritannien) auf der deutschen Fregatte „Schleswig-Holstein“. © dpa | Guido Bergmann
Gemeinsam mit der britischen Prinzessin Anne legte Joachim Gauck am 31. Mai 2016 an der Gedenkstätte von Lyness Naval auf den Orkney Inseln einen Kranz für die Opfer der Schlacht von Jutland vor 100 Jahren nieder.
Gemeinsam mit der britischen Prinzessin Anne legte Joachim Gauck am 31. Mai 2016 an der Gedenkstätte von Lyness Naval auf den Orkney Inseln einen Kranz für die Opfer der Schlacht von Jutland vor 100 Jahren nieder. © REUTERS | HANDOUT
Joachim Gauck als Fußballfan: Im Mai 2016 überreichte er den Fußballerinnen des VfL Wolfsburg den Pokal nach deren Sieg im DFB-Pokalfinale in Köln gegen den SC Sand.
Joachim Gauck als Fußballfan: Im Mai 2016 überreichte er den Fußballerinnen des VfL Wolfsburg den Pokal nach deren Sieg im DFB-Pokalfinale in Köln gegen den SC Sand. © Bongarts/Getty Images | Mika Volkmann
Bei der Eröffnung der Sportabzeichen-Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für Sportler mit und ohne Behinderung am 3. Juni 2016 nahm Bundespräsident Joachim Gauck im Rollstuhl Platz.
Bei der Eröffnung der Sportabzeichen-Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für Sportler mit und ohne Behinderung am 3. Juni 2016 nahm Bundespräsident Joachim Gauck im Rollstuhl Platz. © dpa | Bernd von Jutrczenka
Drei Tage später steht der Abschied fest: Am 6. Juni 2016 erklärte Joachim Gauck offiziell seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit.
Drei Tage später steht der Abschied fest: Am 6. Juni 2016 erklärte Joachim Gauck offiziell seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit.© dpa | Jan Woitas
„Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“, sagte der 77-Jährige sichtlich bewegt.
„Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“, sagte der 77-Jährige sichtlich bewegt.© dpa | Wolfgang Kumm
Viele Spitzenpolitiker bedauerten die Entscheidung Gaucks. Auch Kanzlerin Angela Merkel sagte: „Ich hätte mir eine zweite Amtszeit gewünscht.“
Viele Spitzenpolitiker bedauerten die Entscheidung Gaucks. Auch Kanzlerin Angela Merkel sagte: „Ich hätte mir eine zweite Amtszeit gewünscht.“© dpa | Wolfgang Kumm
Sein Nachfolger Frank-Walter Steinmeier wurde am 12. Februar mit großer Mehrheit zum zwölften Bundespräsidenten gewählt.
Sein Nachfolger Frank-Walter Steinmeier wurde am 12. Februar mit großer Mehrheit zum zwölften Bundespräsidenten gewählt. © REUTERS | REUTERS / HANNIBAL HANSCHKE

Am meisten vermissen wird er umgekehrt die vielen Begegnungen. Diese Woche in Mecklenburg-Vorpommern bei seinem letzten offiziellen Besuchstermin genoss der Präsident das Bad in der Menge: Er drückte die Hände von Passanten, schrieb Autogramme, posierte für Selfies. Gauck warb auch noch einmal für bürgerschaftliches Engagement.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In Stralsund lobte er: „Dieses Land ist durchzogen von einem Netzwerk der Guten“, das sei ihm im Lauf seiner Amtszeit bewusst geworden. Dass man „dieses andere, funktionierende, gute und engagierte Deutschland“ kennenlernen könne, immer wieder mit engagierten Bürgern zusammenkomme, sei „das Schönste am Präsidentenamt“.

Mehrheit der Deutschen wird sich positiv erinnern

So endete seine letzte Rede als Staatsoberhaupt mit einem Dank an alle Ehrenamtler: „Ich danke Ihnen, dass Sie dieses unser Vaterland schön gemacht haben und schön machen. Bleiben Sie dabei.“ Was bleibt von ihm? Die große Mehrheit der Deutschen wird ihn als guten, vielleicht sogar besonders guten Präsidenten in Erinnerung behalten. Einer, der dem Amt nach den unglücklichen Abgängen von Christian Wulff und Horst Köhler die Würde zurückgegeben hat. Und der als Staatsoberhaupt ungewöhnlich viel Emotionen zeigte.

Gauck selbst möchte, dass die Deutschen vor allem einen Satz mit ihm verbinden: „Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung.“ Als wichtigste Rede gilt sein Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2014, bei dem er eine größere, notfalls auch militärische Verantwortung Deutschlands in der Welt anmahnte. Auch sonst hat er in der Außenpolitik Akzente gesetzt, ohne der Regierung ins operative Geschäft zu greifen: Er warf dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schon 2014 vor, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit zu verletzen, und äußerte sich frühzeitig besorgt über US-Präsident Donald Trump. Auf eine Reise nach Russland verzichtete er bewusst.

Am Sonntag empfängt Gauck Amtsnachfolger Steinmeier

Das Amt hat ihn verändert, die Zeiten haben ihn skeptischer gemacht: „Ich bin nicht mehr so optimistisch, wie ich gern sein möchte“, sagt Gauck. Er sei jetzt stärker als am Anfang vom Bewusstsein beeinflusst, dass dem demokratischen und stabilen Deutschland auch Gefahren drohten. Das wird ihn auch künftig beschäftigen. In der ersten Zeit will er sich jetzt zwar öffentlich zurückhalten, aber er wird weiter seine Stimme erheben. Klar ist schon, dass er wieder im Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ mitmischen will, über andere Aufgaben denkt er noch nach. „Ich bleibe in Berlin, weil ich wahrscheinlich noch an diesen oder jenen Stellen in Deutschland gefragt sein werde“, hat Gauck in Stralsund erklärt.

Bis Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt eine passende Wohnung gefunden haben, bleiben sie noch ein paar Monate in der Dienstvilla in Berlin-Dahlem wohnen – erst danach zieht dort sein Nachfolger Frank-Walter Steinmeier mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender ein. Am Sonntagmittag wird Gauck im Schloss Bellevue Steinmeier zur symbolischen Amtsübergabe empfangen – getroffen haben sie sich dort schon mehrmals zum Gespräch. So weiß Gauck das Amt in guten Händen. Er ist sicher: „Nach mir wird jemand kommen, der dieses Amt gut ausfüllt.“