Es war eine Nacht des Horrors: 30.000 Menschen wollen sich am 14. Juli 2016 auf der Strandpromenade im südfranzösischen Nizza das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag anschauen, als kurz vor 23 Uhr ein Attentäter mit einem Lastwagen eine Polizeisperre durchbricht.

Auch interessant

Der Mann rast mitten in die feiernde Menschenmenge. Es war innerhalb von eineinhalb Jahren in Frankreich. An diesem Freitag jährt er sich zum ersten Mal. Ein Rückblick.

Was genau ist damals passiert?

Das Feuerwerk ist gerade vorbei, die Zuschauer an der Promenade des Anglais wollen den Heimweg antreten oder in den Bars der Stadt weiterfeiern. Plötzlich ist ein weißer Lastwagen zu sehen, der zunächst Schritttempo fährt. Ungewöhnlich, weil die Straße eigentlich für die Feierlichkeiten gesperrt ist.

Auch interessant

An einer Kreuzung tritt der Fahrer aufs Gas und Panik bricht aus. Der Fahrer kommt fast zwei Kilometer weit, hunderte Menschen können nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Aus dem Lastwagen heraus wird geschossen. Die Polizei erwidert das Feuer und tötet den Fahrer.

Das war der Lkw-Anschlag in Nizza

French police forces and forensic officers stand next to a truck July 15, 2016 that ran into a crowd celebrating the Bastille Day national holiday on the Promenade des Anglais killing at least 60 people in Nice, France, July 14.    REUTERS/Eric Gaillard  TPX IMAGES OF THE DAY
French police forces and forensic officers stand next to a truck July 15, 2016 that ran into a crowd celebrating the Bastille Day national holiday on the Promenade des Anglais killing at least 60 people in Nice, France, July 14. REUTERS/Eric Gaillard TPX IMAGES OF THE DAY© REUTERS | ERIC GAILLARD
Der Ausschnitt aus Google Earth zeigt den Abschnitt der Promenade des Anglais in Nizza. Hier versammelten sich am 14. Juli 2016 Tausende Besucher zum Bestaunen des Feuerwerks anlässlich des französischen Nationalfeiertages, als ein Lkw auf einer Strecke von zwei Kilometern durch die Menschenmenge fuhr.
Der Ausschnitt aus Google Earth zeigt den Abschnitt der Promenade des Anglais in Nizza. Hier versammelten sich am 14. Juli 2016 Tausende Besucher zum Bestaunen des Feuerwerks anlässlich des französischen Nationalfeiertages, als ein Lkw auf einer Strecke von zwei Kilometern durch die Menschenmenge fuhr.© dpa | Google
86 Menschen wurden bei dem Anschlag getötet. Mehr als 400 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.
86 Menschen wurden bei dem Anschlag getötet. Mehr als 400 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. © dpa | Olivier Anrigo
Das Wrack des Lastwagens, dessen Frontscheibe durchlöchert von Einschüssen ist. Der Täter war ein 31-jähriger aus der Region, der tunesische Wurzeln hatte. Er wurde von der Polizei erschossen.
Das Wrack des Lastwagens, dessen Frontscheibe durchlöchert von Einschüssen ist. Der Täter war ein 31-jähriger aus der Region, der tunesische Wurzeln hatte. Er wurde von der Polizei erschossen.© dpa | Franck Fernandes
Verwundete Opfer des Anschlags wurden von den Rettungskräften versorgt und in ein Krankenhaus gebracht.
Verwundete Opfer des Anschlags wurden von den Rettungskräften versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. © dpa | Olivier Anrigo
Mit Hubschraubern wurden die Verletzten in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Mit Hubschraubern wurden die Verletzten in umliegende Krankenhäuser gebracht.© REUTERS | ERIC GAILLARD
Nach dem Anschlag patrouillierten Soldaten auf den Straßen von Nizza.
Nach dem Anschlag patrouillierten Soldaten auf den Straßen von Nizza. © REUTERS | ERIC GAILLARD
In dem Lkw, der nach dem Anschlag von Forensikern und Polizisten untersucht wurde, wurden Schusswaffen, Granaten und die Ausweispapiere des Täters gefunden.
In dem Lkw, der nach dem Anschlag von Forensikern und Polizisten untersucht wurde, wurden Schusswaffen, Granaten und die Ausweispapiere des Täters gefunden.© REUTERS | ERIC GAILLARD
In der Lobby des weltbekannten Luxushotels Negresco wurde nach der Attacke ein Lazarett eingerichtet. Dort wurden Verletzte versorgt. Auch Menschen, die sich in Sicherheit gebracht hatten, hielten sich dort in der Nacht auf. Zudem befragte die Polizei Zeugen zum Tathergang.
In der Lobby des weltbekannten Luxushotels Negresco wurde nach der Attacke ein Lazarett eingerichtet. Dort wurden Verletzte versorgt. Auch Menschen, die sich in Sicherheit gebracht hatten, hielten sich dort in der Nacht auf. Zudem befragte die Polizei Zeugen zum Tathergang. © REUTERS | ERIC GAILLARD
Auch am Tag nach dem Anschlag waren Kriminaltechniker im Einsatz, um die Spuren des Attentats entlang der Promenade zu sichern.
Auch am Tag nach dem Anschlag waren Kriminaltechniker im Einsatz, um die Spuren des Attentats entlang der Promenade zu sichern.© REUTERS | ERIC GAILLARD
Im Hellen waren die Einschusslöcher auf der Frontscheibe des Lkws noch deutlicher zu sehen.
Im Hellen waren die Einschusslöcher auf der Frontscheibe des Lkws noch deutlicher zu sehen. © REUTERS | ERIC GAILLARD
Nachdem der Attentäter in die Menschenmenge gerast war, hatte er sich einen Schusswechsel mit der Polizei geliefert.
Nachdem der Attentäter in die Menschenmenge gerast war, hatte er sich einen Schusswechsel mit der Polizei geliefert.© dpa | Andreas Gebert
In der Innenstadt von Nizza gedachten die Bürger der Opfer des Attentates.
In der Innenstadt von Nizza gedachten die Bürger der Opfer des Attentates.© dpa | Andreas Gebert
Die französische Regierung hatte eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.
Die französische Regierung hatte eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.© dpa | Andreas Gebert
Polizisten und Kriminaltechniker versuchten das Attentat zu rekonstruieren.
Polizisten und Kriminaltechniker versuchten das Attentat zu rekonstruieren. © dpa | Olivier Anrigo

Wie viele Opfer forderte der Anschlag?

Bei dem Anschlag starben 86 Menschen, darunter auch Kinder. Mehr als 400 Passanten werden verletzt. Unter den Toten sind auch eine Lehrerin und zwei Schülerinnen der Berliner Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule. Sie waren mit dem Abitur-Jahrgang auf Klassenfahrt an der Côte d’Azur. Die Lehrerin und die beiden Schülerinnen galten zunächst als vermisst. Ein weitere Schülerin wurde verletzt.

Wer war der Täter?

Auch interessant

Die örtliche Tageszeitung „Nice Matin“ nannte früh den Namen den die Polizei später als Täter bestätigte. Ein 31 Jahre alter Tunesier, der legal in Nizza lebte. Er war als Lieferant tätig und geschiedener Vater von drei Kindern. Er war der Polizei wegen Gewaltverbrechen bekannt, trank und nahm Drogen. Als radikalisiert galt er bis zum Attentat jedoch nicht.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Ermittler fanden in dem Lastwagen seinen Führerschein sowie eine Kreditkarte auf seinen Namen und ein Handy. Per SMS hatte er kurz vor der Tat nach „mehr Waffen“ gefragt. Den Lastwagen hatte der Attentäter zuvor gemietet und die Strandpromenade ausgekundschaftet.

Was war sein Motiv?

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte für sich beansprucht, das Attentat geplant zu haben. Sie bezeichnete Bouhlel als „Soldaten“ des IS. Erste Ermittlungen wiesen auf eine schnelle Radikalisierung hin. Er soll auch aufgehört haben, Alkohol zu trinken.

Trotz der IS-Erklärung sind jedoch bis heute keine Verbindungen zur Terrororganisation bekannt. Fest steht aber: Bereits 2010 hatte der IS Lastwagen als Mordinstrument empfohlen und gedroht, dass diese Art von Anschlag Schule machen werde.

Welche Folgen hatte der Anschlag?

In Frankreich hat die Attacke heftige Diskussionen ausgelöst. Nach dem dritten großen Anschlag in wenigen Monaten griff die Opposition die Regierung scharf an. Angehörige und Opfer fragen zum Teil bis heute nach der Verantwortung für mögliche Versäumnisse bei den Sicherheitsmaßnahmen. Außerdem wurde der Ausnahmezustand in Frankreich verlängert. Er hätte eigentlich am 26. Juli 2016 auslaufen sollen.

Auch interessant

Nach Nizza ereigneten sich nach dem gleichen Muster. Mit geliehenen oder gekaperten Fahrzeugen töteten Attentäter im Dezember 2016 zwölf Menschen in Berlin, vier im März 2017 in London, fünf Anfang April in Stockholm sowie acht Menschen Anfang Juni erneut in London. Viele Städte versuchen seitdem, öffentliche Plätze oder Veranstaltungen (mit dpa)

Die Welt trauert um die Opfer von Nizza

A French flag with the message, "Don't Touch Our Children" is placed on flowers in tribute to victims two days after an attack by the driver of a heavy truck who ran into a crowd on Bastille Day killing scores and injuring as many on the Promenade des Anglais, in Nice, France, July 16, 2016. REUTERS/Pascal Rossignol
A French flag with the message, "Don't Touch Our Children" is placed on flowers in tribute to victims two days after an attack by the driver of a heavy truck who ran into a crowd on Bastille Day killing scores and injuring as many on the Promenade des Anglais, in Nice, France, July 16, 2016. REUTERS/Pascal Rossignol© REUTERS | PASCAL ROSSIGNOL
Am Tag nach dem verheerenden Anschlag auf die Feier des französischen Nationalfeiertags in Nizza zeigten Menschen in der ganzen Welt ihre Solidarität mit den Opfern. Dieses Mädchen etwa hielt ein Schild mit der Aufschrift „Frieden für Nizza“. Mit einer großen Schülergruppe trauerte sie am Freitagmorgen im indischen Ahmedabad.
Am Tag nach dem verheerenden Anschlag auf die Feier des französischen Nationalfeiertags in Nizza zeigten Menschen in der ganzen Welt ihre Solidarität mit den Opfern. Dieses Mädchen etwa hielt ein Schild mit der Aufschrift „Frieden für Nizza“. Mit einer großen Schülergruppe trauerte sie am Freitagmorgen im indischen Ahmedabad.© REUTERS | AMIT DAVE
Rumäniens Staatspräsident Klaus Iohannis (rechts) trug sich vor der französischen Botschaft in Bukarest in ein Kondolenzbuch ein.
Rumäniens Staatspräsident Klaus Iohannis (rechts) trug sich vor der französischen Botschaft in Bukarest in ein Kondolenzbuch ein.© dpa | Bogdan Cristel
Währenddessen herrschte in Nizza immer noch Fassungslosigkeit. Diese Frau konnte in der Nähe des Anschlagsorts die Tränen nicht zurückhalten.
Währenddessen herrschte in Nizza immer noch Fassungslosigkeit. Diese Frau konnte in der Nähe des Anschlagsorts die Tränen nicht zurückhalten.© REUTERS | PASCAL ROSSIGNOL
Überall in Nizza legten Menschen Blumen und Botschaften nieder. Auf einem Zettel am Hals dieses Kuscheltieres war zu lesen: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern.“
Überall in Nizza legten Menschen Blumen und Botschaften nieder. Auf einem Zettel am Hals dieses Kuscheltieres war zu lesen: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern.“© REUTERS | PASCAL ROSSIGNOL
Spaniens König Felipe und Königin Letizia besuchten die französische Botschaft in Madrid und drückten dort ihre Trauer aus.
Spaniens König Felipe und Königin Letizia besuchten die französische Botschaft in Madrid und drückten dort ihre Trauer aus.© REUTERS | POOL
„Vive la France“ – Es lebe Frankreich. Auch in Rom zeigten Menschen überall in der Stadt ihre Solidarität mit Botschaften und Blumen.
„Vive la France“ – Es lebe Frankreich. Auch in Rom zeigten Menschen überall in der Stadt ihre Solidarität mit Botschaften und Blumen.© REUTERS | MAX ROSSI
In Mexiko City wurde in der auf das Attentat folgenden Nacht unter anderem das Friedensengel-Monument in den Nationalfarben Frankreichs angestrahlt.
In Mexiko City wurde in der auf das Attentat folgenden Nacht unter anderem das Friedensengel-Monument in den Nationalfarben Frankreichs angestrahlt.© REUTERS | HENRY ROMERO
Beim 22. Przystanek Woodstock Festival im polnischen Kostrzyn kamen die Menschen vor der Bühne zusammen und hielten Papierblätter in die Höhe, die zusammen die französischen Flagge ergaben.
Beim 22. Przystanek Woodstock Festival im polnischen Kostrzyn kamen die Menschen vor der Bühne zusammen und hielten Papierblätter in die Höhe, die zusammen die französischen Flagge ergaben.© dpa | Lech Muszynski
Der Staatspräsident der Ukraine, Petro Poroschenko, legte Blumen vor der französischen Botschaft in Kiew nieder.
Der Staatspräsident der Ukraine, Petro Poroschenko, legte Blumen vor der französischen Botschaft in Kiew nieder.© REUTERS | GLEB GARANICH
„Je suis Nice“ – Ich bin Nizza. Diesen an den Trauerspruch der Anschläge von Paris angelehnten Satz ließen die Verantwortlichen am Gebäude des EU-Parlaments in Brüssel erscheinen.
„Je suis Nice“ – Ich bin Nizza. Diesen an den Trauerspruch der Anschläge von Paris angelehnten Satz ließen die Verantwortlichen am Gebäude des EU-Parlaments in Brüssel erscheinen. © REUTERS | FRANCOIS LENOIR
In Nizza fanden sich am frühen Nachmittag Hunderte Menschen nahe des Anschlagsorts an der Promenade des Anglais ein, um gemeinsam zu trauern.
In Nizza fanden sich am frühen Nachmittag Hunderte Menschen nahe des Anschlagsorts an der Promenade des Anglais ein, um gemeinsam zu trauern.© REUTERS | PASCAL ROSSIGNOL
Laura Boldini, die Chefin des italienischen Abgeordnetenhauses, nahm die französische Botschafterin in Rom, Catherine Colonna, in den Arm.
Laura Boldini, die Chefin des italienischen Abgeordnetenhauses, nahm die französische Botschafterin in Rom, Catherine Colonna, in den Arm.© REUTERS | MAX ROSSI
Auch in Polen wurde vor der französischen Botschaft in der Landeshauptstadt kondoliert: Der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz legte Blumen vor dem Botschaftsgebäude in Warschau nieder.
Auch in Polen wurde vor der französischen Botschaft in der Landeshauptstadt kondoliert: Der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz legte Blumen vor dem Botschaftsgebäude in Warschau nieder.© dpa | Tomasz Gzell
Vor der französischen Botschaft in Wien drückten die Menschen mit Blumen ihre Solidarität aus.
Vor der französischen Botschaft in Wien drückten die Menschen mit Blumen ihre Solidarität aus.© REUTERS | HEINZ-PETER BADER
Russlands Präsident Wladimir Putin wandte sich in einer Ansprache an den französischen Präsidenten Francois Hollande: „Russland weiß, was Terror ist und welche Gefahr er für uns alle darstellt. Unser Volk ist mit ähnlichen Tragödien nicht nur einmal konfrontiert gewesen. Wir können den Terrorismus nur mit vereinten Kräften besiegen.“
Russlands Präsident Wladimir Putin wandte sich in einer Ansprache an den französischen Präsidenten Francois Hollande: „Russland weiß, was Terror ist und welche Gefahr er für uns alle darstellt. Unser Volk ist mit ähnlichen Tragödien nicht nur einmal konfrontiert gewesen. Wir können den Terrorismus nur mit vereinten Kräften besiegen.“© dpa | Alexey Nikolsky / Sputnik / Krem
In Bangkok wurde der Opfer mit Kerzen und Stille gedacht.
In Bangkok wurde der Opfer mit Kerzen und Stille gedacht.© Getty Images | Dario Pignatelli
Mitten in Sydney fanden sich Trauernde ein und entzündeten Dutzende Kerzen.
Mitten in Sydney fanden sich Trauernde ein und entzündeten Dutzende Kerzen.© REUTERS | DAVID GRAY
Auch zwei Tage nach dem Anschlag kamen Menschen an der Unglücksstelle zusammen, ...
Auch zwei Tage nach dem Anschlag kamen Menschen an der Unglücksstelle zusammen, ...© Getty Images | Carl Court
... um zu trauern ...
... um zu trauern ...© Getty Images | Carl Court
und Blumen niederzulegen.
und Blumen niederzulegen.© Getty Images | Carl Court
Der Strand und die Promenade waren einen Tag nach dem Anschlag noch menschenleer. Nur vereinzelt saßen Menschen fassungslos und trauernd am Meer.
Der Strand und die Promenade waren einen Tag nach dem Anschlag noch menschenleer. Nur vereinzelt saßen Menschen fassungslos und trauernd am Meer.© Getty Images | David Ramos
Die französischen Flaggen hingen an der Promenade in Nizza auf Halbmast.
Die französischen Flaggen hingen an der Promenade in Nizza auf Halbmast.© Getty Images | David Ramos
Auch bei der Tour de France zeigten sich Rad-Fans solidarisch mit den Opfern von Nizza.
Auch bei der Tour de France zeigten sich Rad-Fans solidarisch mit den Opfern von Nizza.© dpa | Kim Ludbrook