Nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. Ende August in Chemnitz bestreitet offenbar einer der Verdächtigen, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Das berichtet der NDR unter Berufung auf Aussagen des inhaftierten Yousif A. und eines Augenzeugen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Demnach hat der Anwalt von Yousif A. Haftprüfung beantragt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Chemnitz dem Sender. Sie machte allerdings keine näheren Angaben über den Tathergang und die Aussagen von Zeugen oder Verdächtigen, die in Haft sind.

Yousif A. will Streit geschlichtet haben

Nach den NDR-Recherchen hat Yousif A. den Tathergang gegenüber dem Leiter der Rechtsabteilung der irakischen Botschaft, Saed Peer Murad, geschildert. Der Inhaftierte soll erklärt haben, dass er mit seinen Begleitern Farhad A. und Alaa S. an dem Abend der Tat eine Shisha-Bar in Chemnitz besucht hätten und am Sonntagmorgen, 26. August, gegen 2.30 Uhr morgens zu einem Döner-Imbiss gegangen seien.

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Alaa S. sitzt inzwischen ebenfalls in Haft, nach ihm wird international gefahndet.

Unterwegs hätten die drei eine Gruppe von Männern und Frauen getroffen, darunter Daniel H., das spätere Opfer. Farhad A. sei zu der Gruppe um Daniel H. gegangen, um nach Feuer für eine Zigarette zu fragen. Dabei seien die Männer in Streit geraten. Yousif A. gibt laut NDR-Bericht an, er habe den Streit geschlichtet. Dann seien beide Gruppen weiter gelaufen.

Aufmarsch von Rechten in Chemnitz

27.08.2018, Sachsen, Chemnitz: Polizisten stehen in der Innenstadt bei einer Kundgebung der rechten Szene, um ein Aufeinanderprallen von rechten und linken Gruppen zu verhindern. Nach einem Streit war in der Nacht zu Sonntag in der Innenstadt ein 35-jähriger Mann erstochen worden. Die Tat war Anlass für spontane Demonstrationen, bei denen es auch zu Jagdszenen und Gewaltausbrüchen kam. Foto: Sebastian Willnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
27.08.2018, Sachsen, Chemnitz: Polizisten stehen in der Innenstadt bei einer Kundgebung der rechten Szene, um ein Aufeinanderprallen von rechten und linken Gruppen zu verhindern. Nach einem Streit war in der Nacht zu Sonntag in der Innenstadt ein 35-jähriger Mann erstochen worden. Die Tat war Anlass für spontane Demonstrationen, bei denen es auch zu Jagdszenen und Gewaltausbrüchen kam. Foto: Sebastian Willnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++© dpa | Sebastian Willnow
Nach dem tödlichen Angriff auf einen 35-jährigen Mann in Chemnitz und anschließenden Ausschreitungen am Sonntag ist es in der sächsischen Stadt am Montag erneut zu Demonstrationen und Gewaltausbrüchen gekommen. Als Reaktion versammelten sich ebenfalls mehrere linke Gruppierungen, um sich dem Aufmarsch entgegenzustellen.
Nach dem tödlichen Angriff auf einen 35-jährigen Mann in Chemnitz und anschließenden Ausschreitungen am Sonntag ist es in der sächsischen Stadt am Montag erneut zu Demonstrationen und Gewaltausbrüchen gekommen. Als Reaktion versammelten sich ebenfalls mehrere linke Gruppierungen, um sich dem Aufmarsch entgegenzustellen. © dpa | Jan Woitas
Rechte Demonstranten hielten Schilder mit der Aufschrift: „Asylflut stoppen“ in die Höhe.
Rechte Demonstranten hielten Schilder mit der Aufschrift: „Asylflut stoppen“ in die Höhe.© dpa | Jan Woitas
Auch Banner mit der Aufschrift „Kein Zutritt für Terror“ waren zu sehen, wie hier vor dem Karl-Marx-Monument.
Auch Banner mit der Aufschrift „Kein Zutritt für Terror“ waren zu sehen, wie hier vor dem Karl-Marx-Monument.© dpa | Sebastian Willnow
Die Polizei versuchte, die Protestierenden zurückzuhalten.
Die Polizei versuchte, die Protestierenden zurückzuhalten.© dpa | Sebastian Willnow
Ein rechter Demonstrant mit Siegesgeste.
Ein rechter Demonstrant mit Siegesgeste.© Getty Images | Sean Gallup
Im Laufe des Montagabends zogen die rechten Demonstranten durch die Chemnitzer Innenstadt. Teilnehmer berichteten von einer aggressiven Stimmung.
Im Laufe des Montagabends zogen die rechten Demonstranten durch die Chemnitzer Innenstadt. Teilnehmer berichteten von einer aggressiven Stimmung.© Getty Images | Sean Gallup
Während den Ausschreitungen wurden Böller und Pyrotechnik gezündet.
Während den Ausschreitungen wurden Böller und Pyrotechnik gezündet.© Getty Images | Sean Gallup
„Aus beiden Versammlungslagern gab es Würfe von Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen. Dadurch wurden einige Menschen verletzt und müssen nun behandelt werden. Wir fordern eindringlich auf friedlich zu bleiben“, schrieb die Polizei Sachsen auf Twitter.
„Aus beiden Versammlungslagern gab es Würfe von Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen. Dadurch wurden einige Menschen verletzt und müssen nun behandelt werden. Wir fordern eindringlich auf friedlich zu bleiben“, schrieb die Polizei Sachsen auf Twitter.© REUTERS | MATTHIAS RIETSCHEL
Im Laufe des Tages trafen Unterstützer der rechten und linken Szene immer wieder aufeinander. Die Polizei versuchte, beide Lager auseinanderzuhalten.
Im Laufe des Tages trafen Unterstützer der rechten und linken Szene immer wieder aufeinander. Die Polizei versuchte, beide Lager auseinanderzuhalten.© Getty Images | Sean Gallup
Die Polizei eskortiert einen verletzten Teilnehmer.
Die Polizei eskortiert einen verletzten Teilnehmer.© Getty Images | Sean Gallup
Schon am Sonntag war eine spontane Demonstration nach den tödlichen Messerstichen auf einen Deutschen beim Chemnitzer Stadtfest in Angriffen auf Migranten gemündet. Aufgrund einer aktuellen Gefährdungslage verlassen die Besucher vergangenen Sonntag gegen 16 Uhr das Stadtfest.
Schon am Sonntag war eine spontane Demonstration nach den tödlichen Messerstichen auf einen Deutschen beim Chemnitzer Stadtfest in Angriffen auf Migranten gemündet. Aufgrund einer aktuellen Gefährdungslage verlassen die Besucher vergangenen Sonntag gegen 16 Uhr das Stadtfest.© dpa | Alexander Prautzsch
Blumen und Kerzen liegen in der Chemnitzer Innenstadt dort, wo der 35-Jährige am Sonntag angegriffen wurde. Er starb wenig später.
Blumen und Kerzen liegen in der Chemnitzer Innenstadt dort, wo der 35-Jährige am Sonntag angegriffen wurde. Er starb wenig später.© dpa | Sebastian Willnow

Tod von Daniel H. löste Demos und Gegendemos aus

Aus dem Döner-Imbiss seien weitere Bekannte gekommen und hätten gefragt, was der Grund des Streits gewesen sei. Daraufhin seien Farhad A. und mehrere der anderen Männer erneut zu der Gruppe von Daniel H. gegangen. Dann sei es zu einer heftigen Auseinandersetzung und der Messerstecherei gekommen. Er selbst, Yousif A., sei daran nicht beteiligt gewesen, sondern habe mehrere Meter abseits gestanden.

Der Stunden nach der Tat gab es eine erste Demonstration von rund 800 Menschen in Chemnitz, darunter auch gewaltbereite , die gegen Ausländerkriminalität protestierten.

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Einige von ihnen jagten Menschen durch die Straßen, die sie für Ausländer hielten. Am darauffolgenden Montag marschierten Tausende darunter auch und Gegendemonstranten durch Chemnitz.

Zeuge bestätigt laut Bericht Yousif A.s Aussage

Ein Zeuge, der das Tatgeschehen unmittelbar beobachtet und seine Aussage bei der Polizei zu Protokoll gegeben hat, hat dem NDR gegenüber den Ablauf des Geschehens so geschildert wie Yousif A. auch: Es sei zu einem Streit zwischen Farhad A. und Daniel H. gekommen, daraufhin seien Alaa S. und zwei weitere Bekannte aus dem Döner-Imbiss zum Geschehen geeilt und mit Farhad A auf Daniel H. und dessen Bekannte losgegangen. Der Zeuge sagt auch, dass Yousif A. einige Meter abseits gestanden habe.

Yousif A.s Anwalt, der Berliner Strafverteidiger Ulrich Dost-Roxin, sagte dem NDR, die Auswertung der Spurensicherung belege keine Tatbeteiligung seines Mandanten. Auch gebe es seiner Ansicht nach keine belastenden Zeugenaussagen. „Keine der im Haftbefehl benannten Beweismittel weist nur im Geringsten auf eine Tatbeteiligung meine Mandanten hin.“ Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz machte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben zu den konkreten Gründen für den Haftbefehl gegen Yousif A..

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Anwalt Dost-Roxin hat eine Mitteilung veröffentlicht, in der er erklärt, dass er neben der Aufhebung des Haftbefehls gegen seinen Mandanten auch Personenschutz für Yousif A. beantragt hat. Nach der Inhaftierung hatte ein gegen A. öffentlich gemacht; darin waren die persönlichen Daten A.s, darunter seine Adresse, zu finden. (moi)