Viele Mächtige und Reiche aus aller Welt stehen wegen Unterlagen aus Panama vor unruhigen Zeiten: Ihre geheimen Geschäfte werden öffentlich. Wir beantworten, was es mit den „Panama Papers“ auf sich hat.
Wie brisant sind die Unterlagen?
Enorm. Sie können Regierungen in aller Welt erschüttern. Mehrere Staatschefs sind direkt als Beteiligte an fragwürdigen Briefkastenfirmen aufgeführt, bei anderen sind es Familienmitglieder und enge Vertraute. In demokratischen Staaten dürften die Enthüllungen auch zu Rücktritten führen.
Wie beurteilen andere die Enthüllungen?
„Das wird weltweit Ermittlungen auslösen“, sagte der Steuerfahndungsexperte Frank Wehrheim unserer Redaktion. Edward Snowden, der das Ausmaß der NSA-Abhöraktivitäten öffentlich gemacht hatte, nannte es „das größte Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus (...), und es geht um Korruption.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Es kann viele Gründe geben, Geld oder die eigene Verbindung dazu oder zu Firmen zu verschleiern. Es kann darum gehen, aus politischen Gründen nicht als sehr wohlhabend zu erscheinen. Es kann auch um Steuervermeidung oder -hinterziehung gehen. Möglich ist auch, dass das Geld aus kriminellen Quellen stammt. Zudem kann es auch darum gehen, Einfluss zu verschleiern: Wenn enge Freunde Putins im Verborgenen bei großen russischen Firmen das Sagen haben, hat das eine große politische Dimension.
Nein. Das Netzwerk „International Consortium of Investigative Journalists“ aus 190 Investigativ-Reportern stellt klar, dass die Unschuldsvermutung gilt und es viele legale Einsatzmöglichkeiten von Offshorefirmen, Trusts und Stiftungen gibt. Die Politiker müssen aber erklären, wieso sie Geschäfte und Vermögen derart verschleiert haben. Vielen dürfte das schwer fallen.
Sind Deutsche beteiligt?
Ja. Politiker sind nicht darunter, Namen Deutscher sind bisher auch nicht bekannt geworden. Im weiteren Verlauf wird ein Rechercheverbund von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR aber über deutsche Beteiligte berichten – offenbar vor allem Wirtschaftsvertreter. Der mit den Unterlagen vertraute irische Journalist Brian Kilmartin hat eine Weltkarte erstellt, aus der hervor geht, dass es in Deutschland um 173 Briefkastenfirmen mit 251 Teilhabern geht.
Welche Unterlagen sind es genau?
Den beteiligten Medien zufolge geht es insgesamt um 11,5 Millionen Dokumente (2,6 Terabyte) zu 214.000 Briefkastenfirmen, die von einer Kanzlei aus Panama gegründet worden seien. Die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca hat auch bereits eingeräumt, dass zumindest ein Teil der Daten von ihr stammt. „Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen“, sagte Kanzlei-Anwalt Ramón Fonseca Mora, zugleich Politiker in der panamaischen Regierungspartei. Kurz vor der Veröffentlichung verschickte die Kanzlei eine warnende E-Mail an ihre Kunden. Er führt die Kanzlei gemeinsam mit dem deutschstämmigen Rechtsanwalt Jürgen Mossack. Die Unterlagen erhielt die „Süddeutsche Zeitung“ von einem sogenannten Whistleblower. Geld habe der Hinweisgeber dafür nicht bekommen, lediglich Zusicherungen zu seiner Sicherheit.
Woher kommt die Enthüllung?
Wegen der Menge der Daten hat sich die „SZ“ entschieden, die Informationen gemeinsam mit anderen Medien auszuwerten. Rund 400 Journalisten von mehr als 100 Medienorganisationen in rund 80 Ländern recherchierten zu den Unterlagen, verknüpften die Daten mit anderen Informationen. Durch Veröffentlichungen in aller Welt sind die Journalisten und ihre Rechercheergebnisse auch weniger angreifbar und besser geschützt. Am Sonntagabend veröffentlichten Medien in aller Welt zeitgleich ihre Recherchen – zumindest den ersten Teil. Es werden weitere Berichte folgen.
Wer ist diese Kanzlei?

Die Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama bietet die Gründung und Verwaltung von Offshorefirmen an. Für nur 1000 Dollar bekommt man eine anonyme Firma, die zu diesem Zeitpunkt eine bloße Hülle ist. Geführt werden können sie von Strohmännern, der wahre Inhaber kann verschleiert werden. So bekommt man eine Firma, deren Sinn und Eigentümer von außen nicht festzustellen sind. Ramon Fonseca erklärt, seine Kanzlei sei nicht für die späteren Aktivitäten der Briefkastenfirmen verantwortlich, vielmehr Opfer einer „internationalen Kampagne gegen Datenschutz“. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht. Es gebe aber einen gründliche Prüfprozess.
Hat der Fall schon Folgen?
In Panama hat die Veröffentlichung bereits zu Reaktionen geführt: Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen zu den Vorwürfen eingeleitet. Panamas Staatschef Juan Carlos Varela sagte die volle Kooperation seines Landes bei der Aufklärung des Falls zu. Sehr schnell war auch die australische Steuerbehörde. Sie teilte am Montag bereits mit, mehr als 800 vermögende Kunden der Panama-Kanzlei wegen möglicher Steuerflucht ins Visier zu nehmen. (mit dpa und Reuters)




