Dass Markus Söder an der Pforte der CSU-Zentrale gerüttelt hat, so wie einst Altkanzler Gerhard Schröder am Zaun des Kanzleramts, ist nicht überliefert. Eher, dass er mit seinem Ministerpräsidentenbüro in der bayerischen Staatskanzlei durchaus zufrieden war. Doch nun ist der 52 Jahre alte Nürnberger neben seinem Amt als bayerischer Regierungschef auch
Nach langem Machtkampf mit Horst Seehofer hat er diesen auch als Parteivorsitzender beerbt. Fünf Dinge, die man über Markus Söder wissen sollte:
• Ehrgeiz: Söder gibt sich nicht mit halben Sachen zufrieden. Alles muss am besten hundertfünfzigprozentig sein. Von „Geschlossenheit“ schwärmen in der CSU ja inzwischen alle, bei ihm ist es nonchalant ein bisschen mehr. „Ich hoffe auf ein Signal der gemeinschaftlichen Geschlossenheit“, sagt Söder mit Blick auf den Sonderparteitag.
Diese so sanften Töne kommen von einem, der als Scharfmacher in die Politik gezogen war. Dessen Ehrgeiz legendär, dessen Methoden umstritten waren. Söder polarisierte im Laufe seiner Karriere mit ausgeprägten Machtwillen und seiner oft polternden Art.
Zudem bescheinigen ihm Unterstützer wie Gegner in seinen vielen Funktionen, darunter als bayerischer Umwelt- und Finanzminister, einen guten Job gemacht zu haben, sich schnell einarbeiten zu können, motivierend auf die zu wirken, denen er vertraut. Andere verschreckt er dagegen.
• Familie:
Bei seiner Vereidigung zum Ministerpräsidenten am 6. November 2018 stand Söder sehr aufrecht am Rednerpult. Immer wieder schaute er zur Tribüne hoch, suchte den Blick seiner Frau, Karin Baumüller. Mit der Diplom-Kauffrau ist Söder seit 1999 verheiratet, das Paar hat zusammen drei Kinder, eine weitere Tochter stammt aus einer früheren Beziehung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Familie ist ihm wichtig, hier schöpft er Kraft. Söder wuchs mit einer Schwester in Nürnberg auf. Die Mutter verstarb deutlich früher als der Vater. Dieser Verlust habe ihn geprägt, sagte Söder im Wahlkampf. Sein Vorbild in der Politik war Franz Josef Strauß, Seinetwegen sei er in die Politik gegangen. Dort ist bis heute Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber sein Mentor.
• Hobbys:
Söder ist ein großer Sportfan, vor allem ein begeisterter Tennisspieler. Er schwimmt lieber als zu joggen, ist ein Fan des 1. FC Nürnberg und feiert gerne Fasching. Seine Kostümierungen als Shrek, Drag Queen, Edmund Stoiber oder als Homer Simpson sind über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Im vergangenen Jahr ging er als Prinzregent Luitpold von Bayern. „So sieht er sich am liebsten“, unkten die weniger Wohlmeinenden in der CSU.
• Gegner:
Die Rivalität zwischen Seehofer und Söder ist in der CSU legendär, ebenso wie die gegenseitige Abneigung. Bereits vor Jahren warf Seehofer dem jüngeren Söder „charakterliche Schwächen“ und einen „pathologischen Ehrgeiz“ vor. Söder, damals Finanzminister im bayerischen Kabinett, leiste sich „zu viele Schmutzeleien“, so Seehofer.
Der Burgfrieden nach der Bundestagswahl, als Seehofer sich entschloss, auf Druck der Basis mit Söder eine Doppelspitze zu bilden, hielt bis zum Landtagswahlkampf in Bayern. Dann brach die Rivalität wieder hervor, jeder suchte den anderen für die drohenden Verluste verantwortlich zu machen. Auch mit CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt verbindet Söder ein schwieriges Verhältnis.
Dobrindt war Seehofers Generalsekretär, organisierte dessen Wahltriumph im Jahr 2013. Dobrindt hielt Seehofer stets die Treue. Dass er allzu viel von Söder hält, ist nicht bekannt. Doch die beiden müssen jetzt als Team spielen – der eine in München, der andere als Statthalter der bayerischen Macht in Berlin.
• Macht:
Nachdem die CSU-Männer im Sommer 2018 mit der Strategie, Kanzlerin Angela Merkel zu schwächen, scheiterten hat Söder seine Taktik geändert. Dieser Unionsstreit kostete ihn bei der Landtagswahl massiv Stimmen, er ahnte das bereits kurz davor. Und setzte in den letzten Wochen des Wahlkampfs auf sanftere Töne, inszenierte sich als nachdenklicher Landesvater.
Doch man darf ihn nicht unterschätzen: Söder liebt die Macht zu sehr, als dass er freiwillig ein Quentchen davon abgeben würde. So ließ er die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die zu Gast auf dem CSU-Parteitag war, in Sachen Kanzlerkandidatur schon mal wissen: „Aus meiner Sicht ist das ganz klar: Die beiden Parteivorsitzenden von CDU/CSU haben da das Vorschlagsrecht“, sagte Söder – und zwar mit Betonung auf dem Wort „beiden“. „Und am Ende wird es gemeinsam entschieden“, so der CSU-Politiker. „Das war schon immer so.“ Eine klare Ansage.
Doch ganz davon lassen, das bekommt er nicht hin. Wie lange hält die Harmonie?
Söder ist mit 87,4 Prozent der Stimmen gewählt worden, die 90 Prozent hat er nicht geschafft. Und: Wie lange währt die Einigkeit mit der CDU? Kurzfristig wird Söder das egal sein. Seine Karriere ist ein Triumph: „Ab 50 beginnt im Leben eines Mannes die Zeit der Ernte“, zitiert er gern seinen Vater.




