Erwerbstätige in Ostdeutschland arbeiten im Schnitt 52 Stunden mehr im Jahr als Erwerbstätige in Westdeutschland. Das ist ein Ergebnis einer Auswertung der Empirica-Tochter Empirica Regio unter Berücksichtigung der Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Länder. Die Auswertung liegt unserer Redaktion vor. 2020 hätten Beschäftigte in Ostdeutschland 1367 Stunden im Schnitt pro Jahr gearbeitet.
Arbeitsstunden in Deutschland: Die Top 5 Landkreise – wo am meisten Stunden zusammenkommen
Im Westen sind es 1315 Stunden pro Erwerbstätigen gewesen. Im Bundesschnitt sind der Auswertung zufolge 1324 Stunden zusammengekommen. Seit Jahren nimmt die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Erwerbstätigen – einbezogen werden Arbeitnehmer, Selbstständige und mithelfende Familienangehörige – ab. 2010 wurden im Schnitt noch 1426 Arbeitsstunden pro Erwerbstätigen und Jahr geleistet.
Am meisten Arbeitsstunden seien 2020 im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming mit 1418 Stunden geleistet worden, gefolgt von den sachsen-anhaltinischen Landkreisen Jerichower Land (1412), Saalekreise (1412), Börde (1405) sowie dem thüringischen Sömmerda (1404).
| Region | Anzahl Arbeitsstunden |
| Landkreis Teltow-Fläming (Brandenburg) | 1418 |
| Landkreis Jerichower Land (Sachsen-Anhalt) | 1412 |
| Saalekreis (Sachsen-Anhalt) | 1412 |
| Landkreis Börde (Sachsen-Anhalt) | 1405 |
| Landreis Sömmerda (Thüringen) | 1404 |
Daten der Auswertung enthüllen: Ostdeutsche arbeiten 52 Stunden mehr im Jahr als Westdeutsche
Bei der Bruttowertschöpfung allerdings lagen diese Orte unter dem bundesdeutschen Schnitt. Während im Bundesschnitt die Bruttowertschöpfung bei 51,3 Euro pro Stunde lag, kam der Landkreis Teltow-Fläming nur auf 50,35 Euro pro Stunde. Insgesamt landen die ostdeutschen Bundesländer mit einer Spanne von 40 bis 44 Euro je Stunde am Ende der Statistik.
Empirica Regio zog in der Auswertung einen Vergleich zwischen den geleisteten Arbeitsstunden und der Betreuungssituation in den einzelnen Landkreisen. Die bundesweit höchste Betreuungsquote weise das Jerichower Land auf – 62,4 Prozent der unter-3-jährigen Kinder würden in dem Landkreis im Nordosten Sachsen-Anhalts betreut werden. In Gelsenkirchen dagegen liegt die Quote nur bei 18,1 Prozent – die Wochenarbeitsstunden liegen in der Ruhrgebietsstadt 118 Stunden niedriger als im Jerichower Land.
Ostdeutsche arbeiten mehr: Arbeitsvolumen und Betreuungsquote – gibt es einen Zusammenhang?
"Das Arbeitsvolumen korreliert dabei stark mit der Betreuung von Kleinkindern unter 3 Jahren. Das Betreuungsangebot in Ostdeutschland ist im Verhältnis zu den unter 3-Jährigen schlicht besser ausgebaut als in anderen Regionen“, sagte Jan Grade, Geschäftsführer von empirica regio, gegenüber unserer Redaktion. Eine direkte Kausalität lasse sich aus den Daten allerdings nicht ableiten. "Aber auffällig ist es schon, dass in Regionen mit verhältnismäßig niedrigerem Arbeitsvolumen auch die Betreuungsquoten bei Kleinkindern niedriger ausfallen."


