Die Eskalationsspirale in Israel und im Westjordanland dreht sich immer schneller und bedrohlicher. Mehrere Tausend israelische Soldaten rücken in der Stadt Dschenin ein, greifen am Boden und aus der Luft an. Im Mittelpunkt der Attacken steht ein Flüchtlingslager, das als Hochburg von Terroristen gilt. Mindestens zehn Menschen werden getötet, weitere 100 verletzt.
In Tel Aviv rast ein Mann – offenbar ein Palästinenser – mit einem Auto in eine Menschenmenge. Auch hier gibt es Verletzte. Die radikalislamistische Hamas spricht von einer Vergeltungsaktion.

Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen Terror ist unbestritten. Zu den Fakten gehört auch: Die Zahl der Anschläge, die von Dschenin heraus geplant und ausgeführt wurden, hat in den letzten zwölf Monaten deutlich zugenommen. Immer mehr Geld fließt von Israels Erzfeind Iran in die Kassen der Terrorgruppen Islamischer Dschihad und Hamas.
Netanjahu wird mit dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ nicht weiterkommen
Und dennoch wird Israel das Problem nicht los, wenn es nur auf die militärische Karte setzt. Bei allem Verständnis für die gezielte Bekämpfung des Terrors: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird mit dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ allein nicht weiterkommen. Zu sehr sind im Westjordanland und im Gazastreifen Frust, Armut und Perspektivlosigkeit verbreitet.
Die Regierung muss den Palästinensern an irgendeinem Punkt ein Angebot der wirtschaftlichen und politischen Teilhabe machen. Nur so kann sie die palästinensische Zivilbevölkerung gewinnen und den Terroristen den Nährboden entziehen. Die Chancen, dass das Kabinett Netanjahu – das rechteste in der Geschichte des Staates Israel – darauf eingeht, stehen jedoch bei nahe null. Leider.


