Petition

Initiative will geschlechtergerechte Sprache stoppen

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Daniel Weidmann

Hamburger Volksinitiative gegen das Gendern

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Eine Initiative aus Baden-Wüttemberg möchte Gendern in öffentlichen Einrichtungen verbieten – trifft damit jedoch auf wenig Gegenliebe.

Berlin. Sternchen, Unterstriche oder Doppelpunkte können schnell die Gemüter erregen. Einen Juristen aus Baden-Wüttemberg verägert gendergerechte Sprache nun derart, dass er ein Volksbegehren initiiert hat. "Stoppt Gendern" steht auf der Website, wo Gegner geschlechtsneutraler Sprache unterschreiben können. Unterstützung kommt nun auch aus der CDU. Doch diejenigen, die von der Petition angesprochen werden, protestieren.

"Ärgern Sie sich über das Gendern?", fragt der Aufruf, der im ersten Monat nach eigenen Angaben 13.000 Unterschriften eingesammelt hat. Initiator ist der 73-jährige Rechtsanwalt Klaus Hekking. Die Anti-Gender-Initiative fordert, dass die Regierung, Behörden und Einrichtungen des Landes Baden-Wüttembergs keine geschlechtergerechte Sprache nutzen.

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Gendersprache: CDU in Baden-Wüttemberg unterstützt Petition

Hinter das Volksbegehren stellt sich nun die CDU-Fraktion des Baden-Wüttembergischen Landtags. "Klar finden wir den gut", sagte Fraktionschef Manuel Hagel und verweist darauf, dass der Inhalt des Volksbegehrens auch Beschlusslage der Landtagsfraktion sei. "Hier geht es auch um Wertschätzung. Die Inhalte des Begehrens unterstütze ich und teile sie."

Tatsächlich hatte die CDU-Fraktion während einer Klausurtagung im Herbst 2022 ein Papier beschlossen, nach dem Ämter, Behörden oder Schulen auf das Gendern verzichten sollen. Wenn es nach Hagel geht, dann soll sich auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk an die derzeit gültigen Grammatik- und Rechtschreibregelungen halten. Privat könne dies jedoch jeder handhaben, wie er möchte. "Für mich selbst ist das Gendern nichts", so Hagel.

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Grüne: Ministerpräsident kritisiert Gendern – die Fraktion rudert zurück

In Baden-Wüttemberg regiert eine grün-schwarze Koalition unter der Führung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der hatte in der Vergangenheit ebenfalls Kritik an gendergerechter Sprache geübt: "Es ist schon schlimm genug, dass so viele unserer Grundschüler nicht lesen können. Man muss es denen nicht noch erschweren, indem man in der Schule Dinge schreibt, die man gar nicht spricht", so der Ministerpräsident.

Die Grünen-Fraktion rudert im Kontext der Anti-Gender-Petition jedoch zurück: "Wenn es um geschlechtergerechte Sprache geht, rate ich zu mehr Gelassenheit", sagt Stefanie Seemann, Sprecherin für Frauenpolitik, dieser Redaktion. "Wir trauen den Menschen in Baden-Württemberg, den Schulen, Hochschulen, Behörden und Verwaltungen zu, dass sie reflektiert und kompetent mit unserer Sprache umgehen können. Dafür braucht es keine Verbote."

Die Grünen-Fraktion kritisiert die von der Union unterstützte Genderdebatte, da die Entwicklung der Sprache nicht mit dem erhobenen Zeigefinger aufzuhalten sei. "Es bringt also nichts, wenn die CDU wöchentlich panisch eine Gender-Debatte vom Zaun bricht", so Seemann.

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Schulen stellen sich gegen ein Verbot von Gender-Sprache

Eine der von der Petition angesprochenen Einrichtungen sind die Schulen, die dem Volksentscheid wenig abgewinnen können. "Wir betrachten das als viel Aufregung um nichts. Unserer Wahrnehmung nach ist das in den Schulen in Baden-Wütemberg kein größeres Konfliktthema", so der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Matthias Schneider, gegenüber dieser Redaktion. "Wir halten auch nichts von einem Verbot einer gendergerechten Sprache."

Nach Angaben der GEW spielt Gendersprache in den Grundschulen ohnehin keine Rolle, wird aber in weiterführenden Schulen aufgegriffen. "Dann liegt das in der Verantwortung der Deutschlehrer, damit sinnvoll umzugehen", so Schneider. Ihm sei, im Gegensatz zu Universitäten, keine Schule bekannt, die von den Schülern Gendersprache fordert. "Das kommt eher von den Schülerinnen und Schülern."

Grundsätzlich müssten Schulen damit umgehen können, dass Sprache sich verändert. "Es ist für uns Anforderung an modernen Unterricht, dass man solche Themen aufgreift und nicht kategorisch verbietet", so Schneider.