Es war eine Überraschung, als Ursula von der Leyen (CDU) im Juli 2019 als Kandidatin für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin nominiert und zwei Wochen später gewählt wurde. Nun – nicht einmal vier Jahre später – soll die deutsche Politikerin für den nächsten Spitzenjob im Gespräch sein: Wie die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf die britische Boulevard-Zeitung "The Sun" berichtet, hätte eine Reihe von Staaten von der Leyen für das Amt der Nato-Generalsekretärin vorgeschlagen.

Der Posten wird frei, weil der aktuelle Inhaber Jens Stoltenberg sein Amt im Oktober nach neun Jahren an der Nato-Spitze niederlegen wird. Dieser Schritt war eigentlich bereits für September 2022 geplant gewesen, wurde wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine dann aber verschoben. Lesen Sie auch: Geheime Biontech-Chats – "NY Times" verklagt von der Leyen

Von der Leyen gilt als erfahrene Politikerin. Vor ihrer Tätigkeit auf EU-Ebene hatte sie in Deutschland verschiedene Ministerposten – sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene – inne. Gerade als Verteidigungsministerin sorgte die CDU-Frau jedoch auch für negative Schlagzeilen. Für Aufsehen sorgte vor allem die sogenannte "Berater-Affäre".

Von der Leyen als Nato-Generalsekretärin? Britisches Veto wahrscheinlich

Genau das könnte einen Amtsantritt von der Leyens als Nato-Generalsekretärin verhindern. Denn während ihre Wahl zur EU-Kommissionspräsidentin als Kompromisslösung galt – die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten sich zuvor nicht auf einen der bei der Europawahl angetretenen Spitzenkandidaten für das Amt einigen können – scheint eine solche Verständigung unter den Nato-Staaten unwahrscheinlich.

Wie "The Sun" unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtet, würde das Vereinigte Königreich vermutlich ein Veto gegen von der Leyen einlegen. Der Grund: Die "dürftige Bilanz" der Politikerin als deutsche Verteidigungsministerin. Unabhängig davon ist völlig unklar, ob von der Leyen überhaupt Interesse an dem Nato-Job hätte: Ihr Amt als Kommissionspräsidentin hat sie voraussichtlich noch bis 2024 inne, eine Wiederwahl ist nicht ausgeschlossen. (nfz)