Kommentar

Wohl keine Rezession: Für Entspannung bleibt aber keine Zeit

Theresa Martus
Habeck: Wir haben die Krise beherrschbar gemacht

Habeck- Wir haben die Krise beherrschbar gemacht

Deutschland ist es laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) durch "ungewöhnliche und ungewöhnlich große Entscheidungen" gelungen, eine "schlimme Wirtschaftskrise abzuwehren". Das Bruttoinlandsprodukt werde 2023 um 0,2 Prozent wachsen und nicht wie zunächst befürchtet um 0,4 Prozent schrumpfen, sagte Habeck in Berlin anlässlich des Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts.

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Deutschland kommt wohl ohne Rezession durch die Energiekrise. Die anstehenden Herausforderungen werden für die Ampel nicht kleiner.

Berlin. Rund 150 Seiten hat der Jahreswirtschaftsbericht, den Robert Habeck am Mittwoch vorgestellt hat, doch die zentrale Botschaft des Ministers lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Es hätte deutlich schlimmer kommen können. „Milder Verlauf“, wie der Grünen-Politiker es formuliert. Nach einem Jahr mit wirtschaftlichen Verwerfungen kann Deutschland gesamtwirtschaftlich 2023 auf ein kleines Plus unter dem Strich hoffen. Nur wer über große Optimismus-Reserven verfügt, hätte darauf vor Monaten wetten wollen.

Dass der große Crash wohl ausfällt, hat mehrere Gründe. Unter Druck haben sich viele Unternehmen als flexibler und pragmatischer erwiesen, als sie vorher vielleicht selbst geglaubt hätten. Mit dem milden Winter kam ein gutes Stück Wetterglück dazu, das die Lage an den Energiemärkten deutlich entspannt hat.

Energiekrise: Die Ampel hat mit viel Geld die Wirtschaft gestützt

Vor allem aber war es viel, viel Geld, mit dem die Bundespolitik (wie schon bei Corona) die deutsche Wirtschaft in der Energiekrise geschützt hat. Nebenbei hat der Krisen-Kitt an vielen Stellen auch die Ampel-Koalition zusammengehalten. In der Notlage opferte Finanzminister Christian Lindner seine Haushaltsideale, die SPD ihre Ansprüche an Verteilungsgerechtigkeit und die Grünen ihre Pläne, vor allem zu fördern, was das Land in Richtung Klimaneutralität bewegt.

Doch weder Wirtschaft noch Koalition können sich auf die Dauer auf diese Art des Zusammenhalts verlassen. Und selbst ohne akute Krise sind die Aufgaben groß genug: Fachkräftemangel, Digitalisierung, die Umstellung in Richtung , alle wollen sie gleichzeitig bearbeitet und gelöst werden.

Die Koalition, die gezeigt hat, dass sie den Einsatz als Quasi-Notarztteam größtenteils beherrscht, muss deshalb jetzt zeigen, dass sie auch mittel- und langfristige Therapie kann.