Bündnisse

Das sind mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl

| Lesedauer: 3 Minuten
SPD will schnell Gespräche mit Grünen und FDP führen

SPD will schnell Gespräche mit Grünen und FDP führen

Der bisherige SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat die Grünen und die FDP zu Gesprächen über eine Ampel-Koalition noch in dieser Woche eingeladen. Er warnte die "kleinen Parteien" zugleich davor, wieder "ein Schauspiel" wie vor vier Jahren aufzuführen.

Beschreibung anzeigen

SPD und Union können nach der Bundestagswahl beide Regierungen bilden. Diese Koalitionen hätten eine Mehrheit - und sind realistisch.

Berlin. 
  • Nach der Bundestagswahl 2021 liegt die SPD laut vorläufigem Endergebnis knapp vor der Union
  • Das macht auch verschiedene Koalitionen möglich
  • Doch welches Bündnis ist realistisch?

Deutschland hat einen neuen Bundestag gewählt. Doch die Regierungsbildung nach der Wahl könnte kompliziert werden. Ampel oder Jamaika oder doch wieder eine Große Koalition? Die Suche nach neuen Bündnissen könnte zudem lange dauern.

Der Koalitionsrechner zeigt, welche Bündnisse nach der Stimmauszählung möglich wären.

Ampel-Koalition: SPD, Grüne und FDP

Wenn SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz die Regierung bildet, würde er am liebsten mit den Grünen regieren, doch für Rot-Grün allein reicht es nicht. Scholz möchte bei einem Dreierbündnis die FDP mit ins Boot holen. Dies hat er am Montagmorgen noch einmal bekräftigt. Ob die Liberalen aber einsteigen, ist unklar. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat sich wiederholt für ein Bündnis mit der Union ausgesprochen, blieb zurückhaltend gegenüber der Ampel-Koalition. Am Tag nach der Wahl äußerte sich der innenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Konstantin Kuhle, ganz ähnlich.

Vor allem das Thema Steuern könnte zum Problem werden - die FDP will Steuerentlastungen auch für Besserverdienende, Grüne und SPD jedoch fordern Erhöhungen. Die Grünen haben am Morgen nach der Wahl angekündigt, zuerst mit der FDP zu sprechen. Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner betonte die Gemeinsamkeiten seiner Partei mit der SPD.

Jamaika-Koalition: CDU/CSU, Grüne und FDP

Rechnerisch ist auch diese Konstellation möglich, weil die Union nur knapp hinter der SPD liegt. Armin Laschet beansprucht das Kanzleramt für sich - aber längst nicht alle in der Union teilen diese Auffassung. So sieht etwa der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) keinen klaren Regierungsauftrag für die Union.

2017 war Jamaika schon einmal im Gespräch gewesen - und an FDP-Chef Christian Lindner gescheitert, der erklärt hatte: "Besser nicht regieren als falsch regieren." Das würde er so diesmal wohl nicht wiederholen. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet und Lindner kennen sich aus Nordrhein-Westfalen, CDU und FDP bilden dort die Regierung. Die Frage ist diesmal, ob die Grünen bei einem solchen Bündnis mitmachen würden.

Einfach würden die Koalitionsverhandlungen bei Jamaika jedoch ebenfalls nicht werden, insbesondere in Bezug auf Klima- und Verkehrspolitik gibt es Uneinigkeiten.

Große Koalition: CDU/CSU und SPD

Eigentlich will kaum jemand eine Neuauflage dieser Koalition. Vor allem viele in der SPD waren in der Vergangenheit GroKo-müde. Doch rechnerisch ist sie möglich. Allerdings dürfte sich auch die Union schon von vornherein querstellen, da sie in dem Bündnis als Juniorpartner gelten würde. Armin Laschet hat bereits am Wahlabend seinen Anspruch aufs Kanzleramt bekräftigt.

Kenia-Koalition und Deutschland-Koalition

Es gäbe noch zwei weitere Möglichkeiten für ein Dreier-Bündnis auf Bundesebene. Union und SPD könnten mit den Grünen in einer Kenia-Koalition oder mit der FDP in einer Deutschland-Koalition regieren. Auch hier müsste allerdings die SPD von ihrem Kurs abweichen und doch noch einmal mit der Union regieren wollen. Nun ist die SPD stärkste Kraft geworden - vielleicht sieht es dadurch anders aus. Aber auch hier gilt: Die Union wäre der Juniorpartner. Nach dem Willen des Kanzlerkandidaten ist dies ausgeschlossen. Beide Parteien dürften wohl - wenn überhaupt - noch einmal zu zweit regieren als einen dritten Partner ins Boot zu holen.

Keine Mehrheit gibt es für ein Mitte-Links-Bündnis aus SPD, Grünen und Linken.

(gb/bml/mja)